Die Document Foundation veröffentlicht LibreOffice 26.8 mit professioneller Typografie und erweiterter Unterstützung für globale Schriftsysteme – bei konsequentem Verzicht auf KI-Zwang und Cloud-Anbindung.
In einer Ära, in der Bürosoftware zunehmend an Cloud-Abonnements und generative künstliche Intelligenz gebunden wird, hat The Document Foundation offiziell LibreOffice 26.8 freigegeben. Die neue Hauptversion der Open-Source-Office-Suite ist ab sofort für Windows, macOS und Linux verfügbar und bündelt die Arbeit von 206 Entwicklern, darunter 155 ehrenamtliche Helfer. Anstatt kurzlebigen Branchentrends zu folgen, konzentriert sich LibreOffice 26.8 auf fundamentale Kernkompetenzen: professionelle Typografie, umfassende weltweite Sprachunterstützung, verbesserte Dokumentenkompatibilität und kompromisslosen lokalen Datenschutz.
Während viele Softwarehersteller darauf setzen, ihre Anwendungssuiten strikt mit Cloud-Diensten und generativer künstlicher Intelligenz zu verknüpfen, verfolge The Document Foundation mit LibreOffice 26.8 einen eigenständigen Ansatz. Die neue Hauptversion der freien Office-Suite bietet bedeutende technische Fortschritte beim Dokumentenlayout, bei der Verarbeitung komplexer Schriftsysteme sowie beim Dokumentenaustausch – und verzichtet bewusst auf KI-Funktionen, um absolute Datensicherheit zu gewährleisten.
Die Entwicklung von LibreOffice 26.8 begann im Dezember 2025 und vereinte 206 Mitwirkende, darunter 155 Freiwillige aus der globalen Community. Das Ergebnis ist ein Softwarepaket, das digitale Souveränität, Stabilität und internationale Zugänglichkeit über kommerzielle Monetarisierung stellt.
Professionelle Typografie und erweiterte Layout-Mechanik
Die auffälligste Neuerung für Autoren und Verleger ist die Einführung des Absatz-Setzers (Paragraph Composer) in LibreOffice Writer. Im Gegensatz zu herkömmlichen Textverarbeitungen, die Zeilenumbefehle isoliert betrachten und dadurch oft ungleiche Wortabstände in Blocksätzen erzeugen, bewertet der Absatz-Setzer das Textlayout über den gesamten Absatz hinweg. Dies sorgt für ein ausgewogenes Schriftbild, wie man es sonst nur aus professionellen Desktop-Publishing-Software (DTP) Programmen kennt.
Darüber hinaus unterstützt LibreOffice 26.8 OpenType-Schriftvariationen nativ, sodass variable Schriftarten ihre visuellen Eigenschaften dynamisch an die dargestellte Textgröße anpassen können. Die Ausrichtung am Grundlinienraster in Rahmen wurde korrigiert, und eine neue Entwurfsansicht (Draft View) blendet Kopf- und Fußzeilen sowie Seitenränder für ablenkungsfreies Arbeiten aus.
Inklusion und globale Schriftsysteme
Ein beträchtlicher Teil der Entwicklungsarbeit floss in die Unterstützung von komplexen und bidirektionalen Schriftsystemen. Writer erkennt die Absatzrichtung beim Öffnen oder Einfügen von Texten nun automatisch. In LibreOffice Math wurden benannte Funktionen und Operatoren für die afrikanischen Schriften N’Ko und Adlam integriert. In Calc passt sich die Zellenausrichtung automatisch an, sobald Text von rechts nach links eingegeben wird.
Diese Entwicklungen unterstreichen den gemeinnützigen Auftrag der Foundation: Softwareanpassungen für weltweite Sprachgemeinschaften durchzuführen, ohne vorab deren kommerzielle Rentabilität infrage zu stellen.
Dokumentenaustausch und Interoperabilität
Die Kompatibilität mit proprietären Dateiformaten wurde weiter ausgebaut. LibreOffice 26.8 bietet eine strukturelle Unterstützung für neuere Microsoft-Office-Diagrammtypen im OOXML-Format, darunter Wasserfall-, Trichter-, Pareto- und Treemap-Diagramme. Obwohl diese Diagramme derzeit in LibreOffice noch nicht direkt bearbeitet werden können, bleibt ihre ursprüngliche XML-Definition beim Speichern vollständig erhalten.
In anderen Modulen ergänzt Calc berechnete Felder in Pivot-Tabellen und eine Funktion zum zufälligen Mischen von Zellbereichen. Impress und Draw unterstützen nun unterschiedliche Seitengrößen innerhalb eines einzelnen Dokuments, während Impress neue Präsentationsabschnitte zur Strukturierung von Folien einführt.
Ein deutliches Zeichen für Datenschutz ohne KI
Im Gegensatz zum Wettbewerb verzichtet LibreOffice 26.8 bewusst auf generative KI-Funktionen. Es werden keine Dokumentendaten an externe Server übertragen, und keine Komponente der Suite setzt eine aktive Internetverbindung voraus.
„Jede Organisation, die vertrauliche oder personenbezogene Daten verarbeitet, muss wissen, wohin diese Daten fließen“, betonte die Foundation. Lokale Datenverarbeitung bleibe der einzige überprüfbare Garant für digitale Souveränität.
Um die Weiterentwicklung ohne Lizenzgebühren zu sichern, zeigt LibreOffice 26.8 künftig ein gelegentliches Spendenbanner im Startzentrum an. Die Suite bleibt unter der Mozilla Public License v2 weiterhin kostenfrei für Einzelpersonen, Unternehmen und Behörden verfügbar.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de