Gartners aktuelle Critical-Capabilities-Studie vergleicht elf Anbieter von Backup- und Data Protection Lösungen in den Szenarien Hybrid, Multicloud, SaaS und Ransomware-Recovery und liefert IT-Verantwortlichen in Unternehmen damit einen aktualisierten Orientierungspunkt, während sich Datensicherungsstrategien zunehmend mit umfassenderer Cyber-Resilienz-Planung verzahnen.

Gartner hat eine aktualisierte Ausgabe seines Berichts „Critical Capabilities for Backup and Data Protection Platforms“ veröffentlicht. Darin werden elf Anbieterprodukte anhand eines festgelegten Kriterienkatalogs bewertet, der Hybrid-Infrastrukturen, Multicloud-Umgebungen, SaaS-Workloads, Disaster Recovery und Ransomware-Schutz umfasst.

Der Ende Juni 2026 veröffentlichte Bericht ist Teil von Gartners Critical-Capabilities-Reihe, die üblicherweise begleitend zu den Magic-Quadrant-Studien des Analystenhauses erscheint und einen detaillierteren, use-case-basierten Anbietervergleich liefert. Während Magic-Quadrant-Berichte Anbieter entlang der Achsen Vision und Umsetzungsfähigkeit einordnen, schlüsselt die Critical-Capabilities-Forschung Produkte nach konkreten technischen Merkmalen auf und bewertet, wie gut jedes Angebot definierte Unternehmensszenarien abdeckt.

Für diesen Bericht bewertete Gartner die Anbieterprodukte unter anderem anhand der Integration in Rechenzentren, der Unterstützung wichtiger Public-Cloud-Plattformen, der SaaS-Anwendungsabdeckung, der Recovery- und Orchestrierungsfähigkeiten sowie der Funktionen zur Ransomware-Erkennung. Die Bewertung berücksichtigt zudem neuere Kategorien wie Plattformmanagement, Plattformsicherheit und Plattformarchitektur – ein Hinweis darauf, dass sich Backup-Werkzeuge längst über die reine Datenkopie hinaus zu umfassenderen Resilienz- und Governance-Funktionen entwickelt haben.

Backup- und Datenschutzlösungen sind in den vergangenen Jahren zu einem gewichtigeren Posten in den IT-Budgets von Unternehmen geworden – getrieben vor allem durch die doppelte Belastung aus zunehmend komplexen Hybrid- und Multicloud-Umgebungen sowie der anhaltenden Bedrohung durch Ransomware. Organisationen, die Workloads über lokale Rechenzentren, mehrere Public-Cloud-Anbieter und eine wachsende Zahl an SaaS-Anwendungen hinweg betreiben, stehen vor entsprechend komplexen Anforderungen, um sicherzustellen, dass Daten im Falle eines Ausfalls, Fehlers oder Angriffs schnell und zuverlässig wiederhergestellt werden können.

Analysten, die den Markt beobachten, verweisen auf einen breiteren Wandel in der Positionierung von Backup-Plattformen. Statt rein als Wiederherstellungsmechanismus nach einem Vorfall zu fungieren, wird von Backup-Infrastruktur zunehmend erwartet, dass sie eine aktive Rolle in der gesamten Sicherheitsstrategie eines Unternehmens einnimmt – etwa durch schnellere Erkennung von Anomalien, die Validierung der Datenintegrität vor der Wiederherstellung und die Integration in das breitere Werkzeug-Ökosystem, auf das Sicherheits- und Betriebsteams im Alltag angewiesen sind.

Die Aufnahmekriterien für Anbieter in der diesjährigen Ausgabe verlangten unter anderem, dass qualifizierende Produkte den Schutz von Infrastructure-as-a-Service über mindestens zwei große Public-Cloud-Plattformen hinweg unterstützen und Daten in mindestens zwei bedeutenden SaaS-Anwendungen absichern. Gartner legte zudem Mindestschwellen bei Umsatz und Kundenbasis an, um sicherzustellen, dass die bewerteten Anbieter eine relevante Zahl an Unternehmenskunden bedienen.

Wie in den Vorjahren bewertet der Bericht jeweils ein Produkt pro Anbieter, auch wenn ein Unternehmen mehrere Backup- oder Recovery-Lösungen im Portfolio hat. Gartner wies darauf hin, dass der diesjährigen Ausgabe kein neuer Anbieter hinzugefügt wurde, während ein Anbieter aus der Untersuchung herausfiel.

Das gestiegene Gewicht, das SaaS-Schutz in diesem Bericht beigemessen wird, spiegelt einen breiteren Branchentrend wider: Unternehmen haben wesentliche Teile ihres Betriebs in cloudbasierte Kollaborations- und Geschäftsanwendungen verlagert, doch die Backup-Abdeckung dieser Plattformen hinkte historisch hinter dem Schutz lokaler Systeme hinterher. Anbieter im Unternehmenssegment haben in den vergangenen Jahren reagiert, indem sie native Backup-Unterstützung über zentrale Produktivitätssuiten hinaus auf eine breitere Palette geschäftskritischer SaaS-Anwendungen ausgeweitet haben – wenngleich Tiefe und Konsistenz dieser Abdeckung je nach Anbieter weiterhin erheblich variieren.

Ransomware-Resilienz bleibt ein weiteres durchgängiges Thema im Backup- und Recovery-Markt. Da Angreifer zunehmend gezielt Backup-Repositorys ins Visier nehmen, um eine Wiederherstellung zu verhindern, haben Anbieter in unveränderliche Speicher, Anomalieerkennung und isolierte Wiederherstellungsumgebungen investiert, die Unternehmen die Gewissheit geben sollen, dass wiederhergestellte Daten nicht kompromittiert wurden. Gartners Bewertungskriterien für diesen Bericht spiegeln diesen Wandel wider, indem Ransomware-Erkennung und -Wiederherstellung als eigenständiger Anwendungsfall behandelt werden und nicht lediglich als Teilbereich des allgemeinen Disaster Recovery.

Für IT-Verantwortliche in Unternehmen dienen Critical-Capabilities-Berichte in der Regel als einer von mehreren Bausteinen bei der Bewertung oder Erneuerung von Backup- und Datenschutzlösungen – neben Faktoren wie bestehenden Infrastrukturinvestitionen, internem Know-how sowie spezifischen regulatorischen oder branchenbezogenen Anforderungen, die ein verallgemeinerter Anbietervergleich nicht immer vollständig abbilden kann. Beschaffungsteams kombinieren derartige Studien üblicherweise mit Proof-of-Concept-Tests und Referenzgesprächen, bevor sie Entscheidungen dieser Tragweite treffen.

Der vollständige Bericht mit detaillierten Anbieterbewertungen, Use-Case-Scoring und Methodik steht Gartner-Kunden über das Research-Portal des Unternehmens zur Verfügung.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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