Managed Service Provider stehen häufig vor dem Problem, dass mit steigendem Datenvolumen und mehr Kunden die Kosten pro Terabyte steigen. Der Hamburger Softwarehersteller NovaStor erforscht eine SaaS-Backup-Architektur, die diesen Kostenverlauf umkehren soll.
Bei Backup-as-a-Service (BaaS) sehen sich Managed Service Provider (MSP) sowie Systemhäuser mit wirtschaftlichen und technischen Herausforderungen konfrontiert. Wenn ein Dienstleister neue Mandanten und zusätzliche Datenmengen aufnimmt, führt dies in der Regel zu überproportional steigendem Aufwand. Die Ursache hierfür sind mitwachsende Metadaten-Kataloge, gebührenpflichtige Objektzugriffe bei Cloud-Speicheranbietern sowie notwendige Überkapazitäten zur Bewältigung von Lastspitzen. Insbesondere bei kleineren Kunden führt dieses Kostenmuster dazu, dass die Betreuung unprofitabel wird, weshalb diese häufig quersubventioniert oder abgelehnt werden müssen.
Um diese Kostenstruktur anzupassen, arbeitet die NovaStor GmbH an einer degressiv skalierenden SaaS-Backup-Architektur. Das Ziel des Projekts besteht darin, den Ressourcen- und Kostenbedarf pro Terabyte bei steigendem Datenvolumen schrittweise zu senken.
Die Bescheinigungsstelle Forschungszulage (BSFZ) hat dem Vorhaben nun den Status einer Forschungs- und Entwicklungsarbeit im Sinne des Forschungszulagengesetzes bescheinigt. Im Auftrag des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt prüft die BSFZ, ob betriebliche Projekte die gesetzlichen Kriterien für eine steuerliche Forschungsförderung erfüllen. Durch die positiven Bescheid ist NovaStor berechtigt, das BSFZ-Siegel zu führen. Bereits ein früheres Projekt des Herstellers zur Sicherung sehr großer Datenmengen auf Tape-Infrastrukturen erhielt eine entsprechende Zertifizierung.
Das aktuelle Forschungsvorhaben konzentriert sich auf drei technische Kernansätze:
- Dynamische S3-Speichercontainerisierung: Anstelle starrer Vorhaltungsmuster werden Speichercontainer zur Laufzeit dynamisch gebildet. Diese richten sich nach den spezifischen Datenprofilen, den Änderungsraten und den jeweiligen Wiederherstellungsanforderungen. Damit sollen transaktionsabhängige Objektzugriffe und die damit verbundenen Kosten reduziert werden, ohne die Granularität der Wiederherstellung zu Beeinträchtigen.
- Hybrides Metadaten-Splitting: Bei umfangreichen Dateibeständen bildet der Metadaten-Katalog oft den primären Systemengpass. NovaStor untersucht eine Aufteilung, bei der latenzkritische Daten nahe an der Quelle verbleiben, während übergreifende Daten zentral verwaltet werden. Dies soll eine gleichbleibende Performance bei Suche, Browsing und Restore gewährleisten.
- Dezentrales Job-Splitting: Zur Vermeidung von Engpässen bei Lastspitzen – wie etwa bei Monatsabschlüssen oder Massen-Restores nach Sicherheitsvorfällen – werden Sicherungs- und Wiederherstellungsprozesse zur Laufzeit automatisiert zerlegt und auf verfügbare Ressourcen verteilt. Eine zentrale Steuerinstanz, die als Nadelöhr fungieren könnte, entfällt dabei.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen fortlaufend in die SaaS-Plattform NovaStor DataCenter Evolve integriert werden. Die Plattform richtet sich an Systemhäuser und Managed Service Provider und wird in deutschen Rechenzentren betrieben. Zielgruppen sind Anbieter mit vielen kleinen Mandanten, Umgebungen mit großen Dateibeständen sowie Organisationen mit stark schwankenden Auslastungsspitzen.
„Backup-as-a-Service hat ein ökonomisches Grundproblem: Je mehr Mandanten und je mehr Daten ein Anbieter aufnimmt, desto teurer wird in der Regel jedes zusätzliche Terabyte — durch Metadaten, durch Objektzugriffe, durch Lastspitzen“, sagt Stefan Utzinger, Geschäftsführer der NovaStor GmbH. „Genau diese Kurve wollen wir umdrehen. Wachstum soll für unsere Managed Service Provider günstiger werden, nicht teurer.“
Profitieren sollen davon insbesondere Anbieter mit vielen kleinen Mandanten, Umgebungen mit sehr großen Dateibeständen sowie Organisationen mit stark schwankender Backup-Last. „Wir sind ein mittelständischer Hersteller, der gegen Anbieter antritt, die ein Vielfaches an Entwicklungsbudget haben“, so Utzinger. „Der Weg dahin führt nicht über Masse, sondern über Architekturentscheidungen, die man anderswo nicht findet. Dass die BSFZ das als Forschung und Entwicklung anerkennt, ist für uns eine wichtige externe Bestätigung.“

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de