Cyberresilienz und generative KI verändern die Backup-Strategien von Unternehmen. Gartners aktueller Magic Quadrant bewertet zwölf Anbieter, während Ransomware-Wiederherstellung, Identitätsschutz und souveräne Datenanforderungen zunehmend in den Fokus rücken.
Gartner hat den Magic Quadrant 2026 für Backup- und Data Protection Plattformen veröffentlicht und platziert Cohesity, Commvault, Dell Technologies, Druva, Rubrik und Veeam im Leader-Quadranten. Der von den Analysten Michael Hoeck, Jason Donham und Kollegen verfasste und am 29. Juni 2026 veröffentlichte Bericht bewertet zwölf Anbieter anhand von Kriterien für hybride, Multicloud- und SaaS-Datensicherung.
Laut Gartner erfassen Backup- und Data Protection Plattformen (BDPP) Point-in-Time-Kopien von Unternehmensdaten zur Wiederherstellung, für die Cyberresilienz und zunehmend auch für weiterführende Geschäftsanwendungen wie Datenermittlung und Analyse. Das Marktforschungsunternehmen definiert die Kategorie als Software-Only-Produkte, integrierte Appliances und vom Anbieter gehostete Backup-as-a-Service-Angebote (BaaS), die Daten in On-Premises-Infrastrukturen, Public-Cloud-IaaS und wichtigen SaaS-Anwendungen wie Microsoft 365, Salesforce und Google Workspace schützen müssen.
Neben Cohesity, Commvault, Dell Technologies, Druva, Rubrik und Veeam im Leader-Quadranten stuft Gartner Huawei als einzigen Challenger ein. HYCU und IBM erscheinen als Visionaries, während Arcserve und OpenText als Niche Player eingeordnet werden. Neue Anbieter wurden in diesem Jahr nicht aufgenommen; das Unitrends-Angebot von Kaseya wurde aus der formalen Analyse gestrichen, wobei Kaseya selbst weiterhin unter vier Honorable Mentions neben Acronis, Bacula Systems und Synology geführt wird.
Gartners Einschätzung zeigt einen Markt, der zunehmend durch Fähigkeiten zur Cyberwiederherstellung statt allein durch Backup-Performance geprägt ist. Leader wie Rubrik und Commvault haben Werkzeuge eingeführt, um Aktionen von KI-Agenten zu steuern und rückgängig zu machen – ein Hinweis auf die breitere Verschiebung hin zum Schutz nicht-traditioneller Datentypen wie KI-Modelle, Vektordatenbanken und Infrastruktur für große Sprachmodelle. Die Übernahme von Securiti AI durch Veeam sowie das von Cyera unterstützte Data Security Posture Management von Cohesity deuten auf eine Konvergenz zwischen Backup-Plattformen und Datensicherheitswerkzeugen hin.
Identitätsresilienz ist ein wiederkehrendes Thema in den Anbieterbewertungen. Gartner stellt fest, dass die meisten Anbieter Backup- und Wiederherstellungsfunktionen für Identitätssysteme wie Microsoft Active Directory, Microsoft Entra ID und Okta ergänzt haben, wobei der Funktionsumfang stark variiert. Rubrik und HYCU werden für einen vergleichsweise breiten Identitätsschutz genannt, während Dell Technologies, Huawei und Veeam bei der orchestrierten Wiederherstellung von Active-Directory-Forests als im Rückstand eingestuft werden.
Die strategischen Planungsannahmen des Berichts verdeutlichen, wie schnell sich diese Prioritäten verschieben dürften. Gartner prognostiziert, dass bis 2030 70 Prozent der Organisationen die Wiederherstellbarkeit von Identitätssystemen neben präventiven Zugriffskontrollen priorisieren werden, gegenüber weniger als 15 Prozent im Jahr 2026. Zudem sollen bis 2029 90 Prozent der Backup- und Data Protection Lösungen generative KI integrieren, verglichen mit weniger als einem Viertel im Jahr 2025; die Verantwortung für Cloud-Backups soll bis 2029 bei 70 Prozent der Unternehmen von Cloud-Operations- zu IT-Operations-Teams wechseln.
Generative und agentische KI spielen in den Anbieterprofilen eine zentrale Rolle. Arcserve, Commvault, Dell Technologies, Druva, IBM, OpenText, Rubrik und Veeam haben in den vergangenen zwölf Monaten jeweils KI-basierte Assistenten oder Automatisierungsfunktionen eingeführt, die von Troubleshooting in natürlicher Sprache bis zu autonomen Wiederherstellungsabläufen reichen. HYCU bildet hier eine Ausnahme: Gartner nennt das Fehlen generativer und agentischer KI-Fähigkeiten als Schwachpunkt.
Auch souveräne Datenanforderungen und geografische Diversifizierung fließen in die Bewertung ein. Gartners Aufnahmekriterien verlangen von Anbietern, mindestens ein Viertel des jährlich wiederkehrenden Umsatzes außerhalb ihrer größten Region zu erzielen und Kunden aktiv in mindestens drei von vier Hauptregionen zu betreuen. Der Bericht erwartet, dass bis 2030 40 Prozent der regulierten Organisationen in Regionen mit aktiven Vorgaben zur Datensouveränität regionsspezifische Backup-Architekturen einsetzen werden, gegenüber weniger als 10 Prozent heute.
Für Leiter von Infrastruktur und Betrieb empfiehlt Gartner, Plattformen mit zentralisierter Verwaltung über hybride, Multicloud- und SaaS-Umgebungen hinweg zu priorisieren, ebenso integrierte Erkennung von Cyberangriffen und Unterstützung für Cloud Application Infrastructure Recovery Services. Zudem rät das Unternehmen, Anbieter danach zu bewerten, wie gut sie KI-spezifische Datensätze schützen und isolierte Wiederherstellungsumgebungen sowie Clean Rooms als Teil einer umfassenderen Cyberwiederherstellungsstrategie unterstützen.
Vom Anbieter gehostete BaaS-Angebote gewinnen laut Gartner weiter an Bedeutung als Alternative zu kundenverwalteten Deployments; Anbieter erweitern ihre Abdeckung auf On-Premises-, IaaS-, PaaS- und SaaS-Workloads innerhalb eines einzigen Abonnementmodells. Die Analysten verweisen zudem auf wachsendes Interesse an Cloud Application Infrastructure Recovery Services (CAIRS), die Backup über einzelne Workloads hinaus erweitern, um ganze Anwendungsstacks einschließlich Infrastructure-as-Code-Komponenten nach einer Störung zu identifizieren und wiederherzustellen.
Der vollständige Bericht mit detaillierten Stärken, Schwachpunkten und Bewertungskriterien der Anbieter ist über das Gartner-Forschungsportal verfügbar.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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