Auf der 69. IT Press Tour in Ljubljana stellte das rumänische Datenunternehmen Veridion seinen Ansatz vor, veraltete Handelsregister durch eine kontinuierlich aktualisierte, aus mehr als 50 Quellen gespeiste Datenbank zu ersetzen.

Wer ein Unternehmen tatsächlich ist, was es tut und ob es überhaupt noch aktiv ist, lässt sich in großem Maßstab erstaunlich schwer verlässlich prüfen. Bei einer Präsentation im Eurostar Hotel in Ljubljana am 2. September 2026 im Rahmen der 69. IT Press Tour  stellten die Sprecher Alexandra Tofan, zuständig für Wachstum und Produkt und ihr Ehemann Alexandru Tofan. das aus Bukarest stammende Unternehmen Veridion vor. Die These lautete, dass die Infrastruktur hinter den meisten Unternehmensdaten heute nicht mehr mit der Realität wirtschaftlicher Aktivität Schritt hält.

Veridion wurde 2017 unter dem Namen Soleadify gegründet und 2023 in Veridion umbenannt. Laut Unternehmensangaben pflegt die Firma Datensätze zu 693 Millionen Unternehmen in mehr als 250 Ländern, von denen rund 180 Millionen als operativ tätig eingestuft werden, mit mehr als 400 erfassten Datenattributen je Unternehmen. Geführt wird das Unternehmen von CEO Florin Tugan, finanziert unter anderem durch eine Seed-Finanzierung von rund 7,5 Millionen Euro. Veridion beschäftigt nach eigenen Angaben rund 60 Mitarbeitende in Rumänien, Großbritannien und den USA, der Großteil davon in Bukarest.

Laut Unternehmensangaben liegt das eigentliche Problem struktureller, nicht technischer Natur: Die meisten heute verfügbaren Unternehmensinformationen gehen letztlich auf staatliche Register zurück – ein Modell der Datenerfassung, das die Präsentierenden konzeptionell mit Praktiken verglichen, die bis zur Gründung von Dun & Bradstreet 1841 in New York zurückreichen. Register blieben demnach 2026 zwar weiterhin das Rückgrat der Unternehmensdaten, seien jedoch häufig unvollständig, unregelmäßig aktualisiert und von manuellen, fehleranfälligen Meldungen abhängig. Das Unternehmen wies darauf hin, dass weltweit nur rund 5.000 Unternehmen börsennotiert und damit regulatorischen Offenlegungspflichten unterworfen seien – die deutlich größere Zahl privater Unternehmen bleibe dagegen weitgehend ohne vergleichbare Datenstandards dokumentiert. Genau darin sieht Veridion den zentralen Schwachpunkt privater Märkte, etwa bei Versicherungs-Underwriting, Bonitätsprüfung und Private-Equity-Due-Diligence.

Veridion verwies auf eine Gartner-Untersuchung, wonach rund 27 Prozent der von Unternehmen genutzten Firmendaten fehlerhaft seien; schlechte Datenqualität koste Unternehmen demnach im Schnitt 15 Millionen US-Dollar pro Jahr. Mit diesen Zahlen begründet das Unternehmen die Marktchance für seinen Knowledge-Graph-Ansatz, betont zugleich aber, keine Rating-Agentur zu sein.

Die Datenpipeline von Veridion folgt laut Unternehmensangaben einem intern als „Acquire, Extract, Resolve, Refresh“ bezeichneten Prozess. Das Unternehmen greife auf mehr als 50 externe Quellen und über 400 Register zurück und verarbeite täglich zwischen einer und zwei Milliarden Datensätze. Extrahierte Datenpunkte durchlaufen demnach ein Entity-Resolution-System, das zusammengehörige Informationen zu einem einheitlichen Unternehmensprofil verknüpft, versehen mit Konfidenzwerten und nachvollziehbaren Quellenpfaden; sämtliche Daten seien legal erhoben. Veridion gab zudem an, rund 119 Millionen Websites zu erfassen, bei geschätzt 800 Millionen aktiven Websites weltweit, und erhebe dabei keine personenbezogenen Daten.

Ein neueres Angebot, das rund zwei Wochen vor der Präsentation in Ljubljana gestartet wurde, vergleicht Website-Schnappschüsse über die Zeit, um Veränderungen bei Unternehmenswebsites zu erkennen – ein frühes „Mikroprodukt“, das laut Unternehmensangaben bereits in der Alpha-Phase kompromittierte Websites aufgedeckt habe. Die Präsentierenden werteten dies als Beleg dafür, dass sich Branchen eher graduell als in plötzlichen Sprüngen verändern.

Bei der technischen Infrastruktur setzt Veridion nach eigenen Angaben überwiegend auf Open-Source-Werkzeuge, darunter eine Apache-Cassandra-Datenbank mit einem Umfang von rund 252 Terabyte; die Crawling-Infrastruktur sei zustandslos ausgelegt und stehe in Frankreich, ein Rechenzentrum befinde sich in Deutschland. Zusätzlich verteile das Unternehmen Daten über Snowflake, Databricks, AWS Data Exchange und Nomad Data; die größten Kunden betrieben eigene Data Warehouses. Die zentrale „Orion“-Pipeline sei bewusst einfach gehalten, während individuelle Kunden-Workflows deutlich komplexer ausfallen könnten.

Als Anwendungsfälle nannte Veridion unter anderem Supply-Chain-Mapping – als Beispiel diente ein Toyota-Werk im tschechischen Kolín –, M&A-Recherche, die Erfassung von Rechenzentrums- und Hyperscaler-Standorten, die Erkennung von Betrugsmustern sowie Resilienzanalysen, etwa zur Abschätzung der Anfälligkeit von Fluggesellschaften gegenüber Treibstoffpreisschwankungen. Veridion positionierte sein Angebot sowohl gegenüber etablierten Anbietern wie Dun & Bradstreet als auch gegenüber jüngeren, eher regional ausgerichteten Wettbewerbern aus London und betonte den Anspruch globaler statt regional begrenzter Abdeckung.

Kommerziell verkauft Veridion API-Zugänge, deren Preis sich nach Abrufvolumen und Datentiefe richtet statt nach Sitzlizenzen, angeboten in drei Paketen. Reseller stellten laut Unternehmensangaben einen erheblichen Teil des Kundenstamms; unter den rund 50 Kunden habe es bislang keine Kündigungen gegeben. Neue Implementierungen dauerten von der Scoping-Phase bis zum Produktivbetrieb in der Regel rund drei Monate. Grundlegende Registerdaten stellt das Unternehmen nach eigenen Angaben kostenlos zur Verfügung.

 

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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