Der Gartner 2026 Enterprise Storage Market Magic Quadrant zeigt einen Markt, den KI-Workloads, explodierende Preise und eine neue Frontlinie in der Cyberabwehr grundlegend verändern.

Gartner hat in seinem Magic Quadrant für Enterprise Storage Platforms 2026 Dell Technologies, Everpure, HPE, Huawei, IBM und NetApp als Leader positioniert. Der Markt befinde sich in einem strukturellen Wandel ohne Vorbild, so das Analystenhaus. Hitachi Vantara wurde als einziger Visionär eingestuft, IEIT SYSTEMS als einziger Nischenanbieter; einen Challenger gibt es in der aktuellen Ausgabe nicht.

Der von den Gartner-Analysten Jeff Vogel und Joseph Unsworth verfasste Bericht bewertet Anbieter danach, wie gut sie Block-, Datei- und Objektspeicher unter einer zentral gesteuerten Kontrollebene vereinen. Das ist eine Fähigkeit, die laut Gartner zunehmend zur Grundvoraussetzung wird, da Unternehmen ihre Infrastruktur konsolidieren und sich beim Betrieb auf KI-gestützte Telemetrie verlassen.

Zu den auffälligsten Veränderungen zählt, dass Pure Storage unter seiner neuen Unternehmensidentität Everpure auftritt und seine Vision einer Enterprise Data Cloud über die Fusion-Plattform sowie die jüngste Übernahme des Datenintelligenz-Spezialisten 1touch weiter ausbaut. DDN, in früheren Ausgaben vertreten, wurde aus dem diesjährigen Bericht gestrichen. Das inzwischen von Lenovo übernommene Infinidat erhielt außerhalb der formalen Bewertung eine ehrenvolle Erwähnung, Monate nachdem Lenovo die Übernahme des Anbieters im April 2026 abgeschlossen hatte.

Laut Gartner treiben vier Kräfte den Umbruch voran: extreme Volatilität in den Lieferketten für Bauteile, der Übergang zu produktionsreifer künstlicher Intelligenz, die Neuausrichtung von Hypervisor-Plattformen infolge veränderter Lizenzmodelle bei VMware sowie die Verschmelzung von Datenspeicherung und Cyberresilienz.

Bei den Preisen verweist Gartner auf eine scharfe Diskrepanz zwischen Flash- und Festplattenökonomie im vergangenen Jahr: Der Preis pro Gigabyte bei Enterprise-SSDs sei mehr als fünfzehnmal so stark gestiegen wie bei Nearline-Festplatten. Das kostenintensive Umfeld wird laut Gartner mindestens bis 2028 anhalten, was IT-Verantwortliche zu einem Umdenken bei Budgetierung und Beschaffung zwingt. Trotz des durch KI-Nachfrage getriebenen SSD-Booms sollen Festplatten und sogar Bandspeicher laut Gartner bis weit in das kommende Jahrzehnt hinein als kosteneffiziente Ebene für „warme“ Daten unterhalb der schnelleren, teureren Flash-Schicht unverzichtbar bleiben.

Auch künstliche Intelligenz verändert die Art, wie Speicherleistung gemessen wird. Der zentrale Engpass in der KI-Infrastruktur habe sich von der GPU-Rechenleistung auf die Datenebene verlagert, so Gartner – wodurch Käufer zunehmend Kennzahlen wie Kosten pro Token und Token pro Wattstunde neben klassischen Kapazitätsgrößen berücksichtigen müssten. Das treibt Anbieter zu „in-place“-KI-Architekturen, die Daten direkt im Speichersystem indizieren, taggen und vektorisieren, statt sie über separate Pipelines zu verschieben.

Cybersicherheit ist der vierte Treiber. Gartner prognostiziert, dass bis 2029 sämtliche Storage Systeme über aktive Cyberstorage-Fähigkeiten verfügen müssen, die über reine Wiederherstellung hinausgehen – gegenüber nur einem Viertel der Produkte Anfang 2026. Grund seien Ransomware-Angriffe, die inzwischen so schnell und automatisiert ablaufen, dass sie ganze Dateisysteme innerhalb von Minuten verschlüsseln können. Die Verantwortung für die Notfallwiederherstellung verlagere sich dadurch zunehmend von der IT-Abteilung zu CISOs und Risikoverantwortlichen.

Die Anbieterprofile offenbaren deutlich unterschiedliche strategische Schwerpunkte. Dell setzt auf seine AI Data Platform und ein eigens entwickeltes Lightning File System, das für Nvidias DGX-SuperPOD-Systeme validiert wurde, wobei Gartner anmerkt, dass die Speicherlinien für strukturierte und unstrukturierte Daten weiterhin auf getrennten Architekturen laufen.

Das Everpure Evergreen//One-Abonnementmodell und die Pure1-Telemetrie werden für ihre Planbarkeit gelobt, während die Premium-Preise und das Fehlen eines plattformübergreifenden globalen Namespace als Schwachstellen genannt werden.

Huawei kombiniert hochdichte, vertikal integrierte Hardware mit frühen Schritten in Richtung postquantenfähiger Kryptografie, wobei geopolitische Exportbeschränkungen die Präsenz außerhalb der Heimatmärkte weiterhin einschränken.

IBM wiederum treibt agentenbasiertes Management tiefer in sein FlashSystem-Portfolio und integriert Ransomware-Erkennung direkt in seine Flash-Module, mit einer versprochenen Bedrohungserkennung innerhalb von 60 Sekunden – auch wenn dem Anbieter laut Gartner weiterhin eine vollständig vereinheitlichte Plattform für strukturierte und unstrukturierte Workloads fehlt.

NetApp wiederum setzt auf native Cloud-Integration mit AWS, Azure und Google Cloud sowie auf eine Fertigung in Mexiko, die Kunden vor Zollschwankungen schützen soll, während die Premium-Preise und die Abhängigkeit von einem separaten StorageGRID-Produkt für Objektspeicher in großem Maßstab weiterhin kritisiert werden.

Für Leiter von Infrastruktur und IT-Betrieb ist Gartners Empfehlung eindeutig: Die Beschaffung von Speicherkapazität sollte von Investitionsausgaben auf SLA-abgesicherte, verbrauchsbasierte Services umgestellt werden; KI-Infrastrukturen sollten auf datennaher Verarbeitung statt manueller ETL-Pipelines aufbauen; Hypervisor-unabhängige Plattformen sollten angesichts der VMware-Migration bevorzugt werden; und aktive, in Echtzeit arbeitende Cyberstorage-Abwehr sollte als Grundanforderung und nicht als optionales Extra gelten.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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