Auf der Kundenkonferenz INSIGHT 2026 stellte NetApp vier zentrale Initiativen für moderne Datenarchitekturen vor: Die neue Speicherarchitektur Novus, Erweiterungen für die AI Data Engine und Keystone Sovereign für Deutschland sowie engere Zusammenarbeit mit SAP .
Künstliche Intelligenz stellt Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen für die Infrastruktur. Laut Erhebungen von NetApp berichten 93 Prozent der Unternehmen von Datenproblemen, die ihre KI-Vorhaben hemmen. Der Hauptgrund liegt in der Verteilung unstrukturierter Daten: Schätzungsweise 85 Prozent der Unternehmensdaten liegen isoliert in unterschiedlichen Speichersystemen, Cloud-Umgebungen oder Edge-Standorten.
In seiner Keynote sagte George Kurian, Chief Executive Officer NetApp: “Sie müssen mit Datensätzen im Exabyte oder sogar Zettabyte Bereich mit verschiedenen Datentypen arbeiten. Sie müssen ihre hybride Cloud unter einem Namespace organisieren. Die Größe von LLMs ist um den Faktor 5000 in vier Jahren angewachsen.“
Um diesen Datenstau in Hochleistungsrechenzentren (sogenannten AI Factories) abzubauen, hat das Unternehmen mit NetApp Novus eine spezialisierte Storage-Architektur vorgestellt. Die Architektur trennt Metadaten strikt von den eigentlichen Nutzdaten, sodass beide Ebenen unabhängig voneinander skaliert werden können. Systemtests weisen einen Durchsatz von bis zu 100 Terabyte pro Sekunde aus, was eine kontinuierliche Auslastung von Grafikprozessoren (GPUs) in großskalierten Rechenclustern ermöglichen soll. Zudem ist die Architektur darauf ausgelegt, Dateisysteme bis in den Zettabyte-Bereich zu unterstützen. Ein verteiltes Key-Value-System flacht dabei die Verzeichnishierarchie ab, um Zugriffszeiten bei extrem hohen Abfrageraten zu verkürzen.
Parallel zur Hardware-Skalierung erfordern autonome KI-Agenten („Agentic AI“) einen schnellen Zugriff auf kontextbezogene Unternehmensdaten. Bislang verlangen entsprechende KI-Projekte häufig komplexe Datenmigrationsprozesse oder das Anlegen manueller Datenkopien. Mit dem erweiterten AI Data Engine führt NetApp eine kopienfreie Aktivierung („Zero-Copy Data Activation“) ein. Die Software indiziert und klassifiziert unstrukturierte Daten direkt am Speicherort – unabhängig davon, ob diese auf NetApp ONTAP, StorageGRID oder Speichersystemen anderer Dritthersteller liegen. Sicherheitsrichtlinien wie Zugriffskontrolllisten (ACLs) bleiben dabei erhalten. Für Unternehmen wird ein sechsmonatiger Testzeitraum angeboten, um bestehende Datenbestände ohne vorherige Migration zu analysieren und zu kartieren.
Der dritte Schwerpunkt betrifft die Einhaltung regulatorischer Vorgaben und die Resilienz von Datenstrukturen. Mit der Einführung von Keystone Sovereign erweitert NetApp sein Storage-as-a-Service-Angebot um dedizierte Optionen für lokale Datensouveränität in Deutschland und Frankreich, um den spezifischen europäischen Datenschutz- und Governance-Standards besser zu entsprechen. Ergänzend wurden die Funktionen zur Cybersicherheit ausgebaut: Die direkte Integration von NetApp-Erkennungssignalen in die Wiederherstellungsworkflows des Partners Commvault soll es ermöglichen, bei Cyberangriffen wie Ransomware geschützte, unveränderliche Wiederherstellungspunkte automatisiert zu nutzen.
Die angekündigten Technologien zielen darauf ab, die Trennung zwischen internen Speicherstrukturen und externen Rechenkapazitäten zu verringern und Daten flexibel für Analysezwecke sowie generative Modelle verfügbar zu machen.
Kooperation mit SAP
„Die SAP Cloud Infrastructure bildet die Grundlage für eine sichere, widerstandsfähige und souveräne digitale Transformation“, sagte Jonathan Bletscher, SVP und Leiter des Bereichs Infrastructure Platform Engineering & Delivery bei SAP SE. „Gemeinsam mit NetApp suchen wir nach Möglichkeiten, die Infrastruktur- und Datenebene zu stärken, damit SAP-Anwendungen, die SAP Business AI Platform und Kunden-Workloads mit der Leistung, Verfügbarkeit und Sicherheit laufen, die unsere Kunden erwarten.“
Darüber hinaus plant NetApp, gemeinsam mit SAP Markteinführungsinitiativen zu prüfen, um Kunden dabei zu unterstützen, ihre Cloud-Transformation zu beschleunigen. Diese Initiativen zielen darauf ab, Kunden die Migration, Modernisierung und den Betrieb von SAP- und Nicht-SAP-Workloads auf der SAP Cloud Infrastructure zu ermöglichen – und zwar mit Leistung, Ausfallsicherheit, Sicherheit und betrieblicher Konsistenz auf Unternehmensniveau.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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