Mitsui O.S.K. Lines verbindet die Romantik der historischen Seefahrt mit moderner Ingenieurskunst und rüstet einen neuen Membran-LNG-Tanker mit dem Wind Challenger-Hartsegelsystem aus.
Vor Jahrhunderten beherrschten mächtige Segelschiffe die Weltmeere, allein angewiesen auf unberechenbare Winde, schweres Tuch und den unerschütterlichen Mut ihrer Besatzungen. Als schwere Dieselmotoren und fossile Brennstoffe dieses romantische Zeitalter der Segelschiffe verdrängten, trat das ständige Dröhnen von Maschinen an die Stelle des Meeresrauschens. Heute schließt sich der Kreis: Angesichts des Klimawandels und der Notwendigkeit zur Dekarbonisierung entdeckt die globale Schifffahrt den Wind neu – nicht als Relikt der Vergangenheit, sondern als sauberste Antriebskraft der Zukunft.
In einem historischen Schritt vereint Mitsui O.S.K. Lines (MOL) jahrhundertealte Seefahrtsweisheit mit modernster Hochtechnologie durch die Installation von zwei Wind Challenger-Hartsegeln auf einem modernen Flüssigerdgas-Tanker (LNG). Das für 2026 zur Auslieferung anstehende Schiffsneubauprojekt ist der weltweit erste LNG-Tanker mit einem windunterstützten Antriebssystem und markiert einen Wendepunkt für die Schifffahrt auf dem Weg zu geringeren CO2-Emissionen.
Plan für Dekarbonisierung
Im Rahmen der „MOL Group Environmental Vision 2.2“ hat sich die japanische Reederei verpflichtet, bis 2050 Netto-Null-Treibhausgasemissionen zu erreichen. Eine zentrale Säule dieser Strategie ist der verstärkte Einsatz energiesparender Technologien. Das gemeinsam von MOL und Oshima Shipbuilding entwickelte Wind Challenger-System nutzt starre Hartsegel, um Windenergie direkt in zusätzlichen Schub umzuwandeln.
Die im September 2024 getroffene Entscheidung, ein neues Membranschiff mit zwei Wind Challenger-Segeln auszustatten, unterstreicht MOLs ambitionierte Pläne: Die Gruppe plant, bis 2030 insgesamt 25 und bis 2035 bereits 80 Schiffe mit der Wind Challenger-Technologie auszurüsten.
Technik und Sicherheit
Der Bau eines windunterstützten LNG-Tankers stellt hohe Anforderungen an die Konstruktion, insbesondere hinsichtlich der Struktursicherheit und der Sichtverhältnisse auf der Brücke. Das derzeit auf der Hanwha Ocean-Werft in Geoje gebaute Schiff verfügt über eine Kapazität von 174.000 Kubikmetern – das gängigste Standardmaß im aktuellen LNG-Markt. Da Schwesterschiffe ohne Segel bereits weltweit im Einsatz sind, war die Beibehaltung der Designkompatibilität entscheidend.
MOL, Hanwha Ocean und die Klassifikationsgesellschaft ClassNK führten umfassende Risikobewertungen durch, um die Platzierung der Segel, die Sicht von der Brücke und die Notfallprozeduren zu überprüfen. Zudem bestätigte der Tankentwickler Gaztransport et Technigaz SA (GTT), dass die strukturelle Sicherheit des Ladetanks auch unter der mechanischen Belastung der Segel vollständig gewährleistet bleibt. Im August 2024 erteilte ClassNK die Grundsatzgenehmigung (AiP) für das Schiffsdesign.
Optimierte Sicht und Hafenkompatibilität
Um potenzielle Sichteinschränkungen durch die Segel auszugleichen, erhält das Schiff eine vollständig geschlossene Kommandobrücke sowie einen zusätzlichen Ausguck auf dem Vordeck. Die strategische Positionierung der Segel stellt zudem sicher, dass die ursprüngliche Festmacheranordnung unverändert bleibt. Dadurch kann der Tanker ohne Einschränkungen an bestehenden LNG-Terminals weltweit anlegen.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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