NAVEX erweitert seine Hinweisgeber- und Fallmanagementlösung WhistleB um eine KI-gestützte Schwärzung personenbezogener Daten. Die Funktion soll sensible Informationen in Fallakten automatisch erkennen und deren Entfernung vorbereiten. Die abschließende Entscheidung über jede Schwärzung bleibt laut Unternehmensangaben bei den zuständigen Untersuchenden.
NAVEX will seine Whistleblowing- und Fallmanagementlösung WhistleB um eine KI-gestützte Schwärzung personenbezogener Daten erweitern. Der Anbieter von Software für Risiko- und Compliance-Management ordnet den Schritt in eine breiter angelegte Überarbeitung von WhistleB ein, die sich an Organisationen mit Sitz in Europa und entsprechend hohen regulatorischen Anforderungen richtet.
Manuelle Prüfung als Engpass
Bislang mussten Fälle in Hinweisgebersystemen einzeln gesichtet und von Hand geschwärzt werden. Dieser Prozess bindet Personal und birgt laut Unternehmensangaben das Risiko, dass sensible Angaben übersehen werden. Die neue Funktion soll personenbezogene Informationen in Fallakten schnell identifizieren und deren Entfernung ermöglichen, sobald sie nicht mehr benötigt werden. NAVEX erwartet davon einen einheitlicheren Umgang mit sensiblen Daten und eine geringere Speicherung nicht mehr erforderlicher Informationen.
Entscheidung bleibt beim Untersuchenden
Anwender sollen zwischen einem überarbeiteten manuellen Schwärzungsverfahren und einer optional zuschaltbaren KI-Unterstützung wählen können. Die KI-Komponente markiert Informationen, die möglicherweise entfernt werden müssen; die endgültige Entscheidung liegt weiterhin bei der Person, die den Fall bearbeitet. Damit bleibt die Verantwortung für den Eingriff in die Fallakte bei den Untersuchenden – relevant, weil geschwärzte Passagen die spätere Nachvollziehbarkeit eines Verfahrens berühren können.
Bezug zu DSGVO und EU-Hinweisgeberrichtlinie
Als Bezugsrahmen nennt das Unternehmen die Grundsätze der Datenschutz-Grundverordnung sowie die EU-Richtlinie zum Schutz von Hinweisgebern. Beide Regelwerke verlangen, personenbezogene Daten auf das erforderliche Maß zu begrenzen und nicht länger als nötig vorzuhalten. „Die Funktion wird die Einhaltung europäischer Datenschutz- und Whistleblowing-Anforderungen unterstützen, darunter die Grundsätze der DSGVO und die EU-Hinweisgeberrichtlinie“, sagt Erena Langley, Director of Regulatory Solutions bei NAVEX. Organisationen sollen davon nach Einschätzung des Unternehmens in Form datenschutzorientierterer Hinweisgeberprogramme und höherer Effizienz profitieren.
Skalierung bei hohem Fallaufkommen
Arpan Sheth, CEO von NAVEX, verweist auf die Entwicklung des Marktumfelds: „Als WhistleB gegründet wurde, gab es die EU-Hinweisgeberrichtlinie noch nicht. Im Laufe der Zeit wurde deutlich, dass verantwortungsvolles Whistleblowing, unterstützt durch ein professionelles Tool eines Drittanbieters, unerlässlich ist, um Probleme aufzudecken, die dem Unternehmen andernfalls schaden würden.“ Die KI-gestützte Schwärzung, so Sheth, solle Datenschutzprozesse für Organisationen mit hohem Fallaufkommen skalierbarer machen.
Weitere KI-Funktionen angekündigt
Die Schwärzungsfunktion ist nach Angaben von NAVEX die erste geplante KI-Funktion in WhistleB. Das Unternehmen investiert eigenen Angaben zufolge weiter in KI-Funktionen für Analysen, Berichterstattung, Untersuchungen und weitere Compliance-Arbeitsabläufe; zusätzliche Erweiterungen sind für die kommenden Monate vorgesehen. Angaben zu Verfügbarkeitsterminen, unterstützten Sprachen oder zur Lizenzierung der optionalen KI-Unterstützung macht das Unternehmen in der Mitteilung nicht.
NAVEX mit Hauptsitz in Lake Oswego im US-Bundesstaat Oregon beziffert die Zahl der Organisationen, die die Plattform NAVEX One einsetzen, auf mehr als 13.000. WhistleB wurde in Schweden gegründet und gehört seit der Übernahme durch NAVEX zum europäischen Portfolio des Anbieters.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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