Eine Studie von Sophos unter Managed Service Providern zeigt: Fast die Hälfte ihrer Kunden betrachtet sie bereits als ausgelagerten CISO. Die Compliance-Portfolios bleiben jedoch lückenhaft, das Reporting hängt weiter an Handarbeit und die MSPs selbst veranschlagen, dass eine einheitliche Plattform ihren Teams mehr als die Hälfte der Zeit ersparen würde.

Die Cybersicherheit hat ein Führungsproblem, und Managed Service Provider füllen die Lücke. Laut dem im September 2026 veröffentlichten Report „MSP Perspectives 2026“ von Sophos schätzen MSPs, dass bereits 46 Prozent ihrer Kunden sie als ihren Chief Information Security Officer (CISO) betrachten. Diese Rolle erfüllen sie allerdings mit Toolchains, die nie dafür ausgelegt waren.

Ausgangspunkt ist dem Report zufolge eine strukturelle Lücke. Weltweit kommt rechnerisch nur ein CISO auf 10.000 Organisationen, womit die meisten Unternehmen ohne dedizierte Sicherheitsführung dastehen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem Vorfälle, Regulierung und Sicherheitsbudgets gleichermaßen zunehmen. Die Folge: Kunden schieben strategische Verantwortung zu ihren Dienstleistern.

Die Zahlen zeigen, wie weit das gediehen ist. Rund 88 Prozent der MSPs agieren für mehr als ein Fünftel ihres Kundenstamms als CISO, 40 Prozent für mehr als die Hälfte und 20 Prozent für mehr als 70 Prozent der Kunden. Die Nachfrage dürfte weiter steigen: 84 Prozent erwarten in den kommenden zwölf Monaten Wachstum bei CISO-nahen Services, darunter 23 Prozent, die von einem deutlichen Anstieg ausgehen. Lediglich 2 Prozent rechnen mit einem Rückgang.

Compliance ist der kommerzielle Motor dieser Verschiebung. Praktisch alle befragten Anbieter, 99 Prozent, bieten mindestens einen Compliance-Service an, und zwischen 58 und 64 Prozent erbringen jede der sieben gemessenen Tätigkeiten – von der Identifikation einschlägiger Frameworks bis zur Einreichung von Audit-Antworten. Compliance prägt zudem das Kaufverhalten: Nach Einschätzung der MSPs beeinflusst sie im Schnitt die Hälfte aller Security-Beschaffungen und ist bei einem Drittel ein starker oder entscheidender Faktor.

Breite ist jedoch nicht gleich Reife. Nur 6 Prozent der MSPs decken alle sieben Compliance-Leistungen ab, 70 Prozent bieten vier bis sechs an. Eine Ebene höher wiederholt sich das Muster. Von den 58 Prozent der Anbieter, die das komplette Compliance-Programm eines Kunden verantworten, liefern lediglich 10 Prozent auch alle sechs unterstützenden Services, 46 Prozent kommen auf drei oder weniger. Programmverantwortung wird also häufig übernommen, bevor der zugrunde liegende Service-Stack existiert – Aktivitäten werden dann über Kunden oder Drittspezialisten koordiniert statt selbst erbracht.

Die Unternehmensgröße erklärt weniger als erwartbar. MSPs mit 51 oder mehr Beschäftigten bieten mit 10 Prozent am häufigsten alle sieben Services an, doch die kleinsten Anbieter mit bis zu fünf Mitarbeitenden melden die höchste durchschnittliche Zahl erbrachter Leistungen. Vollständiges Programmmanagement ist über alle Größenklassen hinweg ähnlich verbreitet, zwischen 54 und 62 Prozent. Der Wettbewerb verlagert sich damit von der Frage, ob ein Service angeboten wird, hin zu Tempo und Vollständigkeit der Erbringung.

Das Vertrauen in kontinuierliche Compliance ist hoch, aber nicht absolut. Etwa 95 Prozent bezeichnen sich als sehr oder vollständig zuversichtlich, Compliance über mehrere Kunden hinweg fortlaufend überwachen, steuern und dokumentieren zu können – nur 33 Prozent wählen jedoch die stärkere Option. Deutsche und britische MSPs berichten mit jeweils 89 Prozent von den geringsten Schwierigkeiten beim Erkennen und Schließen von Compliance- und Kontrolllücken, vor den USA mit 81 Prozent; Singapur bildet mit 72 Prozent das Schlusslicht.

Am wenigsten schmeichelhaft fällt das operative Bild aus. Toolgestützte Leistungserbringung ist inzwischen Standard: 89 Prozent der MSPs nutzen mindestens eine Plattform, um Compliance- oder CISO-Aufgaben zentral zu steuern. Eine Konsolidierung ist jedoch ausgeblieben. 53 Prozent arbeiten mit mehreren Tools, 36 Prozent mit einem einzigen System, 9 Prozent noch vollständig manuell. Viele dieser Werkzeuge können keine Daten in eine zentrale Reporting-Ebene einspeisen, sodass Mitarbeitende kundenseitige Reports von Hand zusammenstellen müssen.

Das schlägt sich in der Reporting-Reife nieder. Zwar setzen 86 Prozent der Anbieter voll- oder teilautomatisierte Prozesse für konsolidierte Security-Posture-Reports ein, doch nur 31 Prozent erzeugen sie durchgängig schnell. Die übrigen 55 Prozent benötigen weiterhin manuellen Aufwand, um Daten zusammenzuführen, Kontext zu ergänzen und Dokumente fertigzustellen. Anbieter arbeiten auf jedem Automatisierungsniveau mit mehreren Tools, was eher auf Fragmentierung als auf Ausgereiftheit hindeutet.

Gefragt nach dem Wert einer einzigen, einheitlichen Plattform, beziffern die MSPs ihn auf 53 Prozent der Zeit, die ihre Teams für Management und Reporting von Security Posture und Compliance aufwenden. Rund 81 Prozent erwarten Einsparungen von mehr als 30 Prozent, 22 Prozent von mehr als 70 Prozent. Höher liegt die Schätzung bei jenen, die bereits die anspruchsvollste Arbeit leisten: 84 Prozent der Anbieter mit vollständigem Compliance-Programmmanagement erwarten Einsparungen über 30 Prozent, gegenüber 64 Prozent bei Anbietern ohne entsprechende Pläne.

Grundlage der Studie ist eine unabhängige, herstellerneutrale Befragung von 800 MSP-Entscheidern auf leitender bis Vorstandsebene, durchgeführt vom Marktforschungsinstitut Vanson Bourne im April 2026 und beauftragt von Sophos. Die Befragten stammen aus sieben Märkten: den USA (200) sowie Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Singapur, Australien und Brasilien mit je 100 Teilnehmern.

Die Schlussfolgerung ist für den Channel unbequem. Mit der Übernahme CISO-artiger Verantwortung haben sich MSPs genau jenen Tool-Wildwuchs und Reporting-Aufwand eingehandelt, mit dem interne Security-Teams seit Jahren ringen. Sophos positioniert das eigene Angebot CISO Advantage, bereitgestellt über die Fusion-Plattform, als Antwort darauf; die Befragung wurde vom Hersteller beauftragt. Der Kernbefund trägt jedoch für sich: Die Nachfrage nach ausgelagerter Sicherheitsführung läuft dem verfügbaren Betriebsmodell voraus.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner