Was haben Lichtquanten, Kommunikationspsychologie und NIS2 gemeinsam? Sie alle standen im Mittelpunkt des GTIA DACH Community Forums, das Ende April im Adina Hotel im Münchner Werksviertel über die Bühne ging. Rund 90 Branchenvertreterinnen und -vertreter diskutierten, was den IT-Channel heute herausfordert – und wie eine starke Community den Unterschied machen kann.

Wer beim GTIA DACH Community Forum 2026 nur einen weiteren IT-Event erwartet hatte – Folien, Kaffeepausen, Smalltalk –, wurde angenehm überrascht. Die Veranstaltung am 28. April in München zeigte, dass die Global Technology Industry Association (GTIA) einen anderen Anspruch hat: echten Austausch, unbequeme Fragen und konkrete Antworten aus der Praxis.

Norbert Neudeck, Director of Sales bei MailStore und Mitglied des GTIA DACH Executive Councils, begrüßte die rund 90 Teilnehmenden im Adina Hotel im Werksviertel – hoch über den Dächern Münchens, was der Atmosphäre durchaus eine gewisse Leichtigkeit gab. Besondere Geste: MJ Shoer, Chief Community Officer von GTIA, war eigens aus den USA angereist und eröffnete die Runde auf Deutsch. Wer da noch zweifelte, dass GTIA den DACH-Markt ernst nimmt, hatte danach wenig Argumente.

Otto Schobert, Geschäftsführer von thefi.com und Chair des GTIA DACH Executive Councils, brachte den Kern der Veranstaltung in einem Satz auf den Punkt: „Was uns verbindet, ist der Anspruch, unseren Job besser zu machen, voneinander zu lernen und damit die gesamte Branche insgesamt voranzubringen.“ Kein Marketing-Speak – sondern das Motto, das den gesamten Tag trug.

Von Photonen und Prompts: der technologische Einstieg

Den Auftakt machte Walter Hölblinger, Vice President Global IT bei Rosenberger Hochfrequenztechnik, mit einer Keynote, die er selbst als 201enicht technisch201c ankündigte – was ihm angesichts des Themas Quantenkryptografie zumindest fast gelang. Anschaulich erklärte er, wie beim Austausch von Quantenschlüsseln einzelne Lichtteilchen – Photonen – Informationen abhörsicher übertragen können. Seine zentrale Botschaft: Quantenkryptografie verändert Cybersecurity grundlegend. Auch wenn die Technologie heute noch nicht flächendeckend einsetzbar ist, zeigt sich bereits ihr Potenzial – und dass der IT-Channel gut beraten wäre, sich jetzt damit zu befassen, bevor er überrascht wird.

Anschließend wechselte die Perspektive radikal: Nils Söder (Wirtschaftsingenieur-Student) und Paula Glatter (Psychologie-Studentin) zeigten in einem interaktiven Workshop, was Kommunikation mit KI-Systemen so oft scheitern lässt – nämlich dasselbe, was auch die menschliche Kommunikation zum Straucheln bringt: fehlender Kontext, unklare Erwartungen, mangelnde Struktur. In praktischen Übungen entwickelten die Teilnehmenden eigene Prompts und erprobten, wie viel Unterschied Formulierung und Rahmung machen. Die Botschaft kam an: Wer mit KI gut arbeiten will, muss zuerst klar denken und klar kommunizieren.

Cybersecurity: mehr als Software

Nach dem Mittagessen – mit reichlich Zeit für Networking – wurde es konkreter. Hena Kless (Senior Solution Engineer bei Wire) und Jürgen Ebner (CEO von ICTE – Managed IT Services) präsentierten den aktuellen Stand der GTIA Cybersecurity Interest Group im DACH-Raum. Diese Initiative, erst im vergangenen Jahr in Berlin gegründet, hat sich als Ort für praxisnahen Austausch auf Augenhöhe etabliert: von Mitgliedern, für Mitglieder, ohne Herstellerbrille.

Dass Cybersecurity längst kein rein digitales Thema mehr ist, bewies Henry Werner, Sales Engineer bei Enginsight, mit seiner Live-Demo unter dem provokanten Titel „Hack or get hacked“. Werner zeigte anhand konkreter Beispiele, wie erschreckend einfach physische Angriffe auf Unternehmen gelingen können – ob über unbewachte Laptops, manipulierte USB-Sticks oder offene Netzwerkzugänge. Die zentrale Erkenntnis: Sicherheitskultur beginnt nicht beim Firewall-Ruleset, sondern beim Bewusstsein jedes einzelnen Mitarbeitenden.

World Café: NIS2 und die Frage, wer KI eigentlich steuert

Im Format des World Cafés wurden zwei brennende Branchenthemen diskutiert. Stefan Wickenhäuser, Geschäftsführer der Rethinking Job GmbH, moderierte die Runde zu KI im Arbeitsalltag – mit dem ernüchternden, aber realistischen Fazit: Nicht die Technologie entscheidet über Produktivität, sondern wie und von wem sie eingesetzt wird. KI ist kein Selbstläufer.

Im zweiten Themenblock beleuchteten Jürgen Ebner und Markus Bauer, Senior Technology Evangelist EMEA bei Acronis, die praktische Umsetzung der NIS2-Richtlinie. Fazit: Fehlendes Bewusstsein, unklare Vorgaben und wirtschaftliche Hürden sind aktuell die größten Hindernisse. Ein vielgehörter Wunsch aus der Runde: ein verbindliches NIS2-Label – ähnlich einer ISO-Zertifizierung –, das Unternehmen eine verlässliche Orientierung bietet.

Leadership im KI-Zeitalter: zuerst sich selbst verstehen

Den Abschluss bildete die Keynote von Michael Ćaćić-Escalera, Director der Pax8 Academy – und sie hätte bewusster nicht sein können. Statt über Technologie sprach er über Menschen: über Selbstwahrnehmung, Kommunikationstypen und die Fähigkeit, andere dort abzuholen, wo sie wirklich stehen. Mit dem DISC-Modell zeigte er, wie unterschiedlich Menschen auf Veränderungen reagieren – und warum effektive Führung im KI-Zeitalter vor allem bedeutet, die eigene Kommunikation anzupassen, nicht die anderer.

Das war ein wirkungsvoller Schlusspunkt: In einer Branche, die gerade von technologischen Umwälzungen erfasst wird, rückte die Abschluss-Keynote den Menschen wieder ins Zentrum. Technik verändert, was wir tun. Kommunikation entscheidet, wie wir dabei miteinander umgehen.

Was bleibt

Das GTIA DACH Community Forum 2026 zeigte exemplarisch, was diese Art von Veranstaltung leisten kann, wenn sie gut gemacht ist: Wissenstransfer ohne Verkaufsdruck, Vernetzung ohne Oberflächlichkeit, und Diskussionen, die über den Tellerrand des eigenen Unternehmens hinausgehen. Die Mischung aus technologischen Tiefgängen, strategischen Fragen und sehr menschlichen Perspektiven auf den laufenden Wandel war das eigentliche Markenzeichen des Tages.

Für MSPs, Systemhäuser und alle anderen Channel-Akteure im DACH-Raum lohnt sich ein Blick auf GTIA – nicht nur wegen der Events, sondern wegen des Netzwerks, das dahinter steht. Weitere Informationen unter www.gtia.org.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner