Gartner hat erstmals einen Magic Quadrant für Endpoint-Management-Tools veröffentlicht und acht Anbieter zu Leadern erklärt. Bis 2029 soll autonomes Endpoint Management laut Prognose vom Nischenthema zum Mainstream werden.

Gartners erster Magic Quadrant für Endpoint-Management-Tools sieht die Branche im Aufwind: Bis 2029 werden laut dem Analystenhaus mehr als die Hälfte der Unternehmen auf Funktionen für autonomes Endpoint Management (AEM) innerhalb ihrer fortschrittlichen Geräteverwaltungsplattformen setzen – gegenüber lediglich 15 Prozent heute.

Der Bericht bewertet Anbieter, die Konfigurationsmanagement, Patching und die Bereitstellung von Betriebssystemen und Anwendungen für Computer und mobile Geräte anbieten. Gartner definiert Endpoint-Management-Tools als Plattformen, die mindestens agentenbasiertes oder agentenloses Management von Windows, macOS, iOS/iPadOS und Android unterstützen und als schlüsselfertige SaaS-Angebote mit rollenbasierten Zugriffskontrollen betrieben werden.

Acht Anbieter landeten im Leaders-Quadranten: Adaptiva, HCLSoftware, IBM, Jamf, Microsoft, NinjaOne, Omnissa und Tanium. Laut Gartner vereinen diese Anbieter die breitesten Funktionsumfänge mit den stärksten Roadmaps, größeren installierten Basen und der Abdeckung der meisten Regionen und Branchen.

Microsofts Intune bleibt für viele Organisationen die Standardwahl, da es in Microsoft-365-Lizenzen gebündelt ist; das Unternehmen kündigte kürzlich an, dass ausgewählte Intune-Suite-Funktionen künftig in die Abonnementstufen E3 und E5 einfließen. Gartner verweist jedoch auf wiederkehrende Kundenbeschwerden über unvorhersehbare Latenzzeiten, die sich auf Reporting, Richtliniensynchronisierung und Anwendungsbereitstellung auswirken, sowie auf eine steile Lernkurve.

IBMs MaaS360 hebt sich durch den Einsatz von maschinellem Lernen und generativer KI hervor, darunter die Funktion MaaS360 Advisor, die maßgeschneiderte Sicherheits- und Produktivitätseinblicke liefert und prädiktive Analysen erstellt. Jamf, das als Standard für das Management von Apple-Geräten gilt, hat seine Unterstützung kürzlich auf Android ausgeweitet, war jedoch im zweiten Quartal 2025 nach GAAP-Bilanzierung nicht profitabel und wies einen Nettoverlust von 20,9 Millionen US-Dollar aus.

Omnissa, hervorgegangen aus dem früheren VMware End-User Computing, ist der einzige Anbieter, der sowohl im Magic Quadrant für Endpoint Management als auch in dem für Digital Employee Experience (DEX) als Leader eingestuft wird. Das Unternehmen hat mehrere Eigentümerwechsel durchlaufen – im November 2023 wurde es von Broadcom übernommen, im Juli 2024 folgte eine eigenständige Übernahme durch KKR – und arbeitet nun daran, das Kundenvertrauen nach damit verbundenen Serviceunterbrechungen wiederherzustellen.

Zwei Anbieter, Atera und Ivanti, wurden im Visionaries-Quadranten platziert – für eine starke strategische Vision bei gleichzeitigen Lücken in Skalierung oder Plattformbreite. Atera setzt über seine Tools AI Copilot und IT Autopilot stark auf KI-gestützte, agentenbasierte Workflows, während Ivanti eine breite Plattformabdeckung bietet, jedoch wegen mehrerer ausnutzbarer Schwachstellen in seinem Legacy-Produkt Endpoint Manager unter Beobachtung steht.

42Gears und ManageEngine wurden als Challenger eingestuft – mit starker Technologie und Umsetzung, jedoch ohne die Vision oder Größe, um mit den Leadern zu konkurrieren. Sechs Anbieter – Absolute Security, Google, Kaseya, N-able, Raynet und Samsung Electronics – wurden als Nischenanbieter klassifiziert, die jeweils spezifische Segmente, Regionen oder Anwendungsfälle bedienen statt des breiten Marktes.

Bemerkenswert für die DACH-Region: Das deutsche Unternehmen Raynet aus Paderborn wurde für seine tiefe Verwurzelung in den Märkten Deutschland, Österreich und Schweiz sowie seine Stärke im IT-Asset-Management gewürdigt, wobei Gartner eingeschränkte macOS-Unterstützung und fehlende veröffentlichte Preisinformationen als Einschränkungen für die breitere Wettbewerbsfähigkeit anführt.

Raynet One legt einen starken Fokus auf Funktionen im Bereich des IT-Asset-Managements (ITAM) und unterstützt Unternehmen dabei, Risiken zu reduzieren, Kosten zu optimieren und die Compliance zu verbessern, indem es eine zentrale Datenquelle für alle IT-Assets bereitstellt. Der Raynet One Technology Catalog bietet umfassenden Einblick in Hardware-, Software- und Schwachstellendaten.

Raynet verfolgt eine diversifizierte Vertriebsstrategie, bei der Direktvertrieb, Wiederverkäufer und MSPs gleichermaßen im Fokus stehen. Darüber hinaus setzt das Unternehmen eine differenzierte, auf Käuferprofile abgestimmte Vertriebsstrategie ein, die die Flexibilität und Relevanz für potenzielle Kunden erhöht.

Um überhaupt für das diesjährige Ranking infrage zu kommen, mussten Anbieter mindestens 5 Millionen aktiv verwaltete Endpunkte nachweisen und unter den Top 20 in Gartners Customer Interest Indicator für diesen Markt liegen. Anbieter, die diese Schwelle verfehlten, darunter Automox, Fleet und das deutsche Unternehmen Aagon aus Soest, wurden lediglich als Honorable Mentions gelistet.

Unter den Nischenanbietern zeigen sich unterschiedliche Ausrichtungen: Googles Endpoint Management ist kostenlos in Workspace-Abonnements gebündelt, bleibt abseits von ChromeOS aber eher grundlegend, während Samsungs Knox Suite mit über 2,2 Millionen Endpunkten die größte Geräteflotte der Studie verwaltet – konzentriert auf Galaxy-Hardware.

Über die Anbieter-Rankings hinaus unterstreicht Gartners Bericht strukturelle Verschiebungen im Endpoint-Management-Markt. Windows hält weiterhin mehr als 90 Prozent des Client-PC-Betriebssystemmarktes und bleibt damit für die meisten Anbieter die Standardpriorität, während das Enterprise-Mobile-Management für iOS und Android weitgehend zur Commodity geworden ist. Zugleich treibt die wachsende Verbreitung von hybriden und Remote-Arbeitsmodellen die Nachfrage nach SaaS-gehosteten, standortunabhängigen Patching- und Managementtools weiter voran.

Mit Blick nach vorn erwartet Gartner, dass sich autonomes Endpoint Management in den kommenden Jahren über die reine Patch-Automatisierung hinaus auf Konfigurations- und Richtlinienmanagement ausdehnen wird – getrieben vor allem durch die Schwierigkeit von IT-Abteilungen und Managed Service Providern, mit wachsenden Geräteflotten zu Schritt halten. Das Analystenhaus rät Unternehmen, vor der Auswahl einer Plattform ihre eigene Automatisierungsbereitschaft, Endpunktvolumen, Integrationsanforderungen und regulatorischen Vorgaben sorgfältig abzuwägen – und warnt davor, dass das funktionsreichste Tool nicht automatisch für jede IT-Organisation die beste Wahl ist.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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