Mit Forward Deployed Engineering (FDE) bettet der Datenmanagement-Spezialist CTERA eigene Experten in Unternehmensteams ein, um KI-Anwendungen auf unstrukturierten Dateidaten in den Produktivbetrieb zu bringen – und sie anschließend zu übergeben, wie auf der IT Press Tour gezeigt.
CTERA ergänzt sein Softwaregeschäft um einen praktischen Dienst: Mit Forward Deployed Engineering (FDE) setzt der Anbieter eigene Ingenieure direkt in Kundenorganisationen ein, um konkrete KI-Anwendungsfälle auf deren unstrukturierten Daten in den Produktivbetrieb zu bringen, so das Unternehmen.
Die Ankündigung vom 6. Oktober 2026, die einen Tag zuvor bei der IT Press Tour vor Journalisten vorgestellt wurde, zielt auf ein Problem, das Hersteller, Analysten und IT-Abteilungen zunehmend ähnlich beschreiben: KI-Werkzeuge sind breit verfügbar, verlässliche Ergebnisse im Produktivbetrieb dagegen nicht. CTERA verweist auf eine Futurum-Umfrage unter 818 Datenverantwortlichen aus dem ersten Halbjahr 2026. Demnach ist der Mangel an spezialisierten Fachkräften der am schnellsten wachsende Faktor hinter gescheiterten KI-Projekten. Der Anteil der Befragten, die fehlende Kompetenz und Erfahrung als organisatorische Herausforderung nennen, hat sich binnen sechs Monaten mehr als verdoppelt: von 4,8 auf 10,4 Prozent.
Am schärfsten stelle sich das Problem bei unstrukturierten Dateidaten, argumentiert CTERA. Über Jahrzehnte gewachsene Bestände seien oft dupliziert, veraltet und uneinheitlich berechtigt. Wer KI ohne Vorbereitung darauf ansetzt, riskiere selbstsichere, aber falsche Antworten oder die Offenlegung von Inhalten gegenüber Personen, die sie nicht sehen dürfen. „Unternehmen mangelt es nicht an KI-Werkzeugen“, sagte CEO Oded Nagel. „Ihnen fehlen Zeit und spezialisierte Fähigkeiten, um diese Werkzeuge sicher mit den eigenen Daten und Workflows zu verbinden.“
Nagel beschrieb das Thema als Daten- statt als Modellproblem. Die Nutzung sei fast flächendeckend – knapp 90 Prozent der Unternehmen setzten KI ein –, doch die meisten kämen über Pilotprojekte nicht hinaus; insbesondere große Banken, Behörden und Gesundheitsdienstleister seien noch nicht in der Produktion. Hinzu kommt der Sicherheitsdruck: Die Folien des Unternehmens zitieren eine Umfrage, wonach 67 Prozent der Führungskräfte glauben, ihr Unternehmen habe bereits eine Sicherheitsverletzung durch nicht freigegebene KI-Werkzeuge erlitten, sowie einen Bericht, nach dem die Datenbewegung durch generative KI im Jahresvergleich um 80 Prozent zunahm und klassische Data-Loss-Prevention umging. CTERAs Antwort lautet, die KI zu den Daten zu bringen statt die Daten zur KI; so lasse sich laut Unternehmen die Entstehung ungesteuerter Kopien vermeiden, und die Dateiberechtigungen blieben erhalten.
Laut Unternehmen besteht jedes Projektteam aus einem Forward Deployed Engineer und einem Deployment Strategist. Beide arbeiten als Teil des Kundenprojektteams, mit Zugang zu dessen Umgebungen und Fachexperten. Der Ansatz folgt vier Phasen: Discovery und Datenanalyse, ein erster produktiver Anwendungsfall, Skalierung auf weitere Workflows und Standorte sowie die Übergabe an den eigenständigen Betrieb. Die Discovery liest den Dateibestand ausschließlich über Metadaten. In der Session sagten die Verantwortlichen, ein Einsatz beginne in der Regel mit mindestens einer Woche Vorbereitung und dauere oft rund einen Monat; größere Kunden könnten einen dauerhaften Ingenieur zuweisen.
CTERA nennt vier Prinzipien. Die Arbeit beginnt bei den Daten: Die Ingenieure bewerten Volumen, Zugriffsmuster und Quellsysteme, um Workflows anhand von Belegen zu validieren. Daten werden für den sicheren Einsatz aufbereitet: Relevante Datensätze werden vor Ort klassifiziert, organisiert und gesteuert, und die KI arbeitet nur mit Inhalten, auf die der jeweilige Nutzer ohnehin zugreifen darf. Lösungen werden über offene Standards wie das Model Context Protocol (MCP) und Automatisierungsplattformen wie n8n in bestehende Workflows eingebunden und vor dem Go-live an echten Daten validiert. Schließlich geht das Eigentum über: Kundeningenieure sind ab der ersten Phase dabei, die Konfiguration wird laufend dokumentiert, und ein Einsatz gilt als abgeschlossen, wenn der Kunde den nächsten Anwendungsfall ohne CTERA ergänzen kann.
FDE baut auf der CTERA Intelligent Data Platform auf, die KI-gesteuerten Zugriff auf Dateidaten über Edge-Standorte, Rechenzentren und Cloud-Umgebungen ermöglicht, ohne sie zu verschieben. CTO Aron Brand nannte als Beispiel einen medizinisch-juristischen Kunden: Eine kleine Firma machte mit einer unter technischer Begleitung aufgebauten CTERA-Classify-Pipeline aus gescannten, handschriftlichen Krankenakten Fallberichte für die juristische Prüfung. Weitere in der Session gezeigte Referenzprojekte waren ein Hersteller, der mehr als ein Petabyte Metadaten in vier Regionen auswertet, und ein Finanzdienstleister, der rund 27 Terabyte an Hypothekenunterlagen durchsuchbar macht. Brand warnte, dass gemischte, minderwertige Daten zu überzeugend klingenden, aber falschen Antworten führen.
Der Schritt markiert einen Wandel für einen Anbieter, der Professional Services laut Brand bislang möglichst vermeiden wollte. Inzwischen fragten Kunden gezielt nach praktischer Unterstützung. Derzeit arbeiten rund zehn Personen im FDE-Team, das sich skalieren lasse. Nagel betonte, CTERA wolle kein Servicegeschäft werden; die Stärke bleibe die Technologie. Brand ergänzte, die Ingenieure griffen bei Bedarf auch auf Systeme außerhalb von CTERA zu, etwa Salesforce.
FDE ist ab sofort für Organisationen verfügbar, die die CTERA Intelligent Data Platform nutzen. Einsätze lassen sich nach Zeitaufwand oder als Festpreisprojekte mit meilensteinbasierten Abnahmekriterien gestalten. Unabhängige Kundenergebnisse zum neuen Angebot liegen noch nicht vor. Die Beispiele und Zahlen stammen von CTERA und den zitierten Umfragen.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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