Dropbox hat Pläne zur Übernahme des Objektspeicher-Anbieters Tigris Data Inc. angekündigt und stellt mit der „DBX Agent Cloud“ ein Speicherangebot für KI-Anwendungen vor. Parallel erweitert das Unternehmen sein Kernprodukt um KI-Funktionen, die laut Dropbox bereits bei mehr als 70.000 Teams ausgerollt wurden.
Dropbox, Inc. (NASDAQ: DBX) hat am 5. November 2026 in San Francisco bekannt gegeben, Tigris Data Inc. übernehmen zu wollen. Tigris betreibt nach eigenen Angaben eine global verteilte, S3-kompatible Objektspeicherplattform, die für KI-Workloads entwickelt wurde. Zu Kaufpreis, Zeitplan und Bedingungen der Transaktion macht die Mitteilung keine Angaben. Zugleich stellt Dropbox die „DBX Agent Cloud“ vor und kündigt KI-Funktionen für sein Kernprodukt an.
Objektspeicher für KI-Anwendungen und Agenten
Die DBX Agent Cloud ist laut Dropbox eine Speicher- und Datenschicht für Unternehmen und Entwickler, die KI-Anwendungen und -Agenten bauen. Das Angebot startet mit einem eigenständigen, S3-kompatiblen Objektspeicher, den Kunden unabhängig von anderen Dropbox-Produkten erwerben können. Er lässt sich mit gängigen Werkzeugen und mit Anwendungen nutzen, die für Amazon S3 entwickelt wurden.
Hintergrund: KI-Anwendungen greifen auf Trainingsdatensätze, Modellartefakte, Bilder und Videos zu, die oft bei verschiedenen Clouds und Rechenanbietern liegen. Dropbox will dafür eine portable Datengrundlage bieten. Tigris ermöglicht nach eigenen Angaben den cloudübergreifenden Datenzugriff ohne Anbieterbindung und ohne Egress-Kosten.
Dateisysteme und Inhaltsverarbeitung geplant
Als nächsten Schritt plant Dropbox, Funktionen für Dateisysteme und Inhaltsverarbeitung zu ergänzen. Die Inhaltsverarbeitung soll Dokumente, Bilder, Audio- und Videodateien in Eingaben für KI-Modelle umwandeln. Dateisystemfunktionen sollen Anwendungen und Agenten einen dauerhaften Speicherort bieten, damit sie Dateien verwalten und Arbeit über Aufgaben und Sitzungen hinweg fortsetzen können.
Tigris-Mitgründer und CEO Ovais Tariq verweist auf die Erfahrung von Dropbox: Das Unternehmen betreibe seit fast zwei Jahrzehnten Speicherinfrastruktur im großen Maßstab. Die Kombination würde helfen, größere Arbeitslasten zu bewältigen, ohne den Fokus auf Zuverlässigkeit und Entwicklererfahrung aufzugeben. Dropbox-Co-CEO Ashraf Alkarmi erklärt, der Wert von KI hänge von den Inhalten und dem Kontext ab, mit denen sie arbeite. Kunden sollen selbst über ihren KI-Einsatz entscheiden und die Kontrolle über ihre Inhalte behalten.
„Der Wert von KI hängt von den Inhalten und dem Kontext ab, mit denen sie arbeiten kann“, sagte Ashraf Alkarmi, Co-CEO von Dropbox. „Wir bringen KI in die Arbeit ein, die Nutzer bereits in Dropbox speichern, und stellen unsere Speicher-Expertise Unternehmen zur Verfügung, die KI-Anwendungen entwickeln. In beiden Bereichen ist es unser Ziel, Kunden die Freiheit zu geben, selbst zu entscheiden, wie sie KI nutzen, und gleichzeitig die Kontrolle über die Inhalte zu behalten, auf die sie angewiesen sind.“
„KI treibt die Nachfrage nach Speicherplatz in einem Ausmaß voran, wie es diese Branche noch nie zuvor gesehen hat. Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, sind enorme Kapazitäten und eine Überzeugung erforderlich, die wir mit Dropbox teilen: dass Kunden die Flexibilität haben sollten, ihre Rechenleistung dort auszuführen, wo es für sie am sinnvollsten ist – mit einem Produkt, das sowohl für Entwickler als auch für Endnutzer konzipiert ist“, sagte Ovais Tariq, Mitbegründer und CEO von Tigris. „Dropbox verfügt über fast zwei Jahrzehnte Erfahrung im Betrieb von Speichersystemen in dieser Größenordnung. Wir bringen das entwicklerorientierte Produkt mit, auf das sich unsere Kunden verlassen. Gemeinsam würden wir diesen branchenweiten Bedarf decken und die nächsten Funktionen bereitstellen, angefangen bei Dateisystemen und der Inhaltsverarbeitung.“
KI-Funktionen im Kernprodukt
Im Kernprodukt sollen Nutzer künftig in natürlicher Sprache beschreiben, was sie erreichen wollen. Dropbox identifiziert dann relevante Inhalte, schlägt einen Ablaufplan vor und führt unterstützte Aktionen nach einer Freigabe aus. Genannt werden etwa das Zusammenfassen von Ordnern, der Vergleich von Versionen, das Erstellen von Dokumenten, die Bearbeitung von PDFs und Bildern, das Transkribieren von Aufzeichnungen und das Organisieren oder Umbenennen von Dateien, auch als mehrstufiger Ablauf aus einer Anfrage.
Nach Angaben des Unternehmens zeigt Dropbox vor jeder Änderung einen Vorschlag zur Freigabe an und arbeitet innerhalb der bestehenden Berechtigungen. Ausgeführte Aktionen werden dokumentiert, Kunden können Änderungen prüfen und unterstützte Aktionen rückgängig machen.
Modellauswahl und Anbindung externer KI-Tools
Während einer Sitzung können Kunden zwischen unterstützten KI-Modellen wechseln, ohne den Arbeitskontext zu verlieren. Zudem lassen sich Dropbox-Dateien in unterstützten KI-Werkzeugen wie ChatGPT, Claude und Muse bearbeiten, ohne sie jedes Mal neu hochzuladen. Die Ergebnisse werden in Dropbox gespeichert und können über bestehende Workflows geteilt und geprüft werden.
Verfügbarkeit
Laut Dropbox sind die neuen Funktionen bereits bei mehr als 70.000 Teams im Einsatz. Die erste Phase richtet sich an berechtigte Standard- und Advanced-Teams in den USA, Großbritannien und Australien und ist zunächst auf Englisch verfügbar. Eine breitere Verfügbarkeit ist für 2027 geplant. Wann die DBX Agent Cloud in Deutschland, Österreich und der Schweiz angeboten wird, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de