Zoho-Studie zeigt: Unternehmen mit starken digitalen Grundlagen berichten 14-mal häufiger von messbaren KI-Renditen als Nachzügler – und Datensouveränität wird zur Chefsache.
Die digitale Kluft in Europa wächst weiter, auch wenn die Fortschritte insgesamt zunehmen – und nirgends zeigt sich das deutlicher als beim wirtschaftlichen Nutzen von künstlicher Intelligenz. Das geht aus einer neuen Studie hervor, die im Auftrag des Enterprise-Software-Anbieters Zoho durchgeführt wurde.
Für die „2026 Studie zur digitalen Reife europäischer Unternehmen“, die Censuswide im Auftrag von Zoho erstellt hat, wurden zwischen dem 9. und 22. Januar 2026 insgesamt 1.500 Verantwortliche für digitale Transformation im Vereinigten Königreich, in Frankreich, Deutschland, Spanien und den Niederlanden befragt. Demnach verfügen inzwischen 27 Prozent der europäischen Unternehmen über starke digitale Grundlagen, im Vorjahr waren es 25 Prozent. Gleichzeitig weisen 34 Prozent weiterhin deutliche Defizite auf – ein Wert, den die Studienautoren angesichts des Tempos der KI-Einführung als besorgniserregend einstufen.
Steigende Kosten wirken sich auf Investitionsentscheidungen aus
57 Prozent der deutschen Unternehmen berichten von steigenden Cloud- und Plattformkosten. Viele überprüfen deshalb bestehende Anbieterbeziehungen, evaluieren ihre Cloud-Strategien oder passen ihre Beschaffungsmodelle an. Gleichzeitig geben 20 Prozent der befragten deutschen Unternehmen an, dass sie aufgrund der steigenden Kosten Abstriche beim Service machen müssen.
Bei der Auswahl neuer Technologien machen deutsche Unternehmen dennoch weniger Kompromisse als europäische Nachbarn. Während in Frankreich und den Niederlanden vor allem der Preis ausschlaggebend ist (33 bzw. 31 Prozent), stehen in Deutschland die Zuverlässigkeit von Anbietern und Lösungen (25 Prozent) und die Skalierbarkeit (24 Prozent) im Mittelpunkt von Investitionsentscheidungen.
„Das Ergebnis ist eindeutig: Unternehmen mit soliden digitalen Grundlagen erzielen bessere Ergebnisse bei KI, Kundenzufriedenheit, Kostenkontrolle und Resilienz“, sagt Sridhar Iyengar, Geschäftsführer Europa bei Zoho im Vorwort des Berichts. „Unternehmen mit Digitalisierungsdefiziten verlieren zunehmend an Wettbewerbsfähigkeit.“
Deutschland führt die fünf untersuchten Märkte an: 37 Prozent der Unternehmen berichten von hoher digitaler Reife, vor dem Vereinigten Königreich mit 35 Prozent, Spanien mit 25 Prozent und Frankreich mit 24 Prozent. Die Niederlande fallen aus gegenteiligem Grund auf: Der Anteil niederländischer Unternehmen mit solidem digitalem Fundament sank auf nur 14 Prozent – der stärkste Rückgang im Jahresvergleich unter den untersuchten Märkten. Gleichzeitig weisen 49 Prozent der niederländischen Unternehmen eine geringe digitale Reife auf, der höchste Wert der Erhebung. Die Studienautoren vermuten dahinter steigenden Kostendruck sowie eine wachsende Abhängigkeit von isolierten Cloud-Lösungen.
Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit bleiben zentrale Handlungsfelder der Digitalisierung
Die Studie zeigt zudem deutliche Unterschiede bei der Kundenzufriedenheit zwischen Unternehmen mit hoher und niedriger digitaler Reife. Unternehmen mit einer starken digitalen Basis bewerten ihre Fähigkeit, das Kundenerlebnis zu verbessern, deutlich positiver: 55 Prozent der deutschen Unternehmen mit hoher digitaler Reife stufen ihre Fähigkeit zur Verbesserung des Kundenerlebnisses als ausgezeichnet ein, verglichen mit nur 4 Prozent der Unternehmen mit niedriger digitaler Reife.
Die Mitarbeiterzufriedenheit sehen viele deutsche Unternehmen als wichtigen Wettbewerbs- und Zukunftsfaktor. 49 Prozent geben an, dass die Verbesserung der Mitarbeitererfahrung ihnen hilft, als Arbeitgeber wettbewerbsfähig zu bleiben. Das entspricht einem deutlichen Anstieg gegenüber vor zwei Jahren, als 35 Prozent diesen Faktor nannten (ein Plus von 14 Prozentpunkten).
Datensouveränität wird zum strategischen Entscheidungskriterium
Datensouveränität entwickelt sich zunehmend von einer regulatorischen Anforderung zu einem strategischen Thema auf Managementebene. In Deutschland betrachten 91 Prozent der befragten Unternehmen Datensouveränität als einen unverzichtbaren (40 Prozent) oder wichtigen (51 Prozent) Faktor bei der Auswahl digitaler Plattformen. 73 Prozent geben zudem an, dass sie nicht möchten, dass ihre Daten in einem anderen Land gespeichert werden, und erwarten stattdessen eine lokale oder regionale Datenspeicherung.
„Robuste digitale Grundlagen zahlen sich aus. Deutschland verzeichnet im vorliegenden Ländervergleich den höchsten Anteil an Unternehmen mit hoher digitaler Reife. Gleichzeitig zeigen die Ergebnisse, dass auch digital gut aufgestellte Unternehmen kontinuierlich in ihre digitalen Grundlagen investieren müssen. Wer Daten zentralisiert, Systeme integriert und Datensouveränität strategisch berücksichtigt, schafft die Voraussetzungen, um auch in einem dynamischen Marktumfeld wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Suvish Viswanathan, Regional Director DACH bei Zoho.
Auch die Unternehmensgröße spielt eine Rolle: 33 Prozent der Großunternehmen ab 1.000 Mitarbeitenden weisen eine hohe digitale Reife auf, gegenüber 30 Prozent bei mittelgroßen und 19 Prozent bei kleinen Unternehmen.
Am deutlichsten wird die Kluft beim Nutzen von KI-Investitionen. Unter Unternehmen mit hoher digitaler Reife berichten laut der Studie bereits 43 Prozent von messbaren Renditen aus KI-Investitionen, bei Unternehmen mit geringer digitaler Reife sind es lediglich 3 Prozent. Unternehmen mit starken digitalen Grundlagen stufen KI zudem 14-mal häufiger als geschäftskritisch ein und erzielen bei neun untersuchten KI-Anwendungsfällen – von Betrugserkennung bis Prognosen – mehr als doppelt so häufig einen positiven ROI.
Die Unterschiede zeigen sich auch im Tagesgeschäft: 97 Prozent der Unternehmen mit hoher digitaler Reife bewerten ihre Fähigkeit, das Kundenerlebnis zu verbessern, laut Studie als ausgezeichnet, gegenüber nur 5 Prozent bei Unternehmen mit geringer Reife. Zudem führen Unternehmen mit hoher digitaler Reife Cloud-Technologien viermal häufiger ohne größere Probleme ein als weniger reife Unternehmen (28 gegenüber 7 Prozent).
Cloud-Nutzung ist in Europa inzwischen nahezu flächendeckend: Nur 4 Prozent der Unternehmen setzen keine Cloud-Anwendungen ein. Die bloße Nutzung sagt jedoch wenig über die digitale Reife aus, warnt der Bericht: Unternehmen mit schwächerem Fundament setzen häufig auf isolierte Plattformen, während reifere Organisationen koordinierte Multi-Cloud-Strategien verfolgen. 90 Prozent der europäischen Unternehmen berichteten 2026 von Schwierigkeiten bei der Einführung neuer Cloud-Tools, allen voran fehlende Spezialisten und Integrationsprobleme.
Steigende Plattformkosten verschärfen den Druck zusätzlich. Die Hälfte der Unternehmen verzeichnete höhere Cloud- und Plattformkosten pro Mitarbeiter als im Vorjahr, angeführt von den Niederlanden (61 Prozent) und Deutschland (57 Prozent). 30 Prozent holen daraufhin Dienstleistungen ins Unternehmen zurück, 28 Prozent überprüfen ihr Anbieterportfolio.
Auch die Auswahlkriterien für Anbieter haben sich verschoben. Zwar bleibt der Preis mit 29 Prozent das wichtigste Kriterium, doch Vertrauen und Zuverlässigkeit sind laut Studie auf 21 beziehungsweise 22 Prozent gestiegen und verdrängen damit Integrationsfähigkeit und Kundenservice, die in den Vorjahren dominierten. Datensouveränität ist Teil dieser Rechnung geworden: 86 Prozent der europäischen Unternehmen bezeichnen sie inzwischen als wichtigen oder wesentlichen Faktor bei der Plattformauswahl, 75 Prozent wollen ihre Daten nicht im Ausland gespeichert wissen.
Trotz der Herausforderungen bleibt die Stimmung überwiegend positiv: 86 Prozent der befragten europäischen IT-Verantwortlichen sind optimistisch, was die Geschäftsentwicklung im kommenden Jahr betrifft. Allerdings gilt die Disruption durch KI selbst inzwischen als zweitgrößte externe Sorge, genannt von 17 Prozent der Befragten – nach makroökonomischen Rahmenbedingungen wie Inflation und Zinssätzen. Diese Sorge konzentriert sich der Studie zufolge vor allem auf Unternehmen mit geringerer digitaler Reife, während reifere Unternehmen KI eher als Chance begreifen.
Ein Jahrzehnt nach Beginn der digitalen Transformation bezeichnen sich nur 4 Prozent der Unternehmen als vollständig digitalisiert, 86 Prozent berichten von erheblichen Hürden auf dem Weg dorthin – allen voran Zeit- und Kostenaufwand sowie fehlende Mitarbeiterakzeptanz. Zoho-Manager Iyengar wertet die Richtung als positiv, aber unzureichend: „Die Kluft zwischen Vorreitern und Nachzüglern wird in den kommenden fünf Jahren zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor“, sagte er laut dem Bericht.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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