Eine Dell Technologies Umfrage unter fast 3.000 Business- und IT-Verantwortlichen offenbart eine deutliche Diskrepanz: Während KI, Sicherheit und Modernisierung ganz oben auf der Agenda stehen, fehlt der Hälfte der Unternehmen weiterhin ein klarer Fahrplan.
Fast die Hälfte der weltweiten Business- und IT-Entscheider gibt zu, mit dem Tempo der technologischen Disruption nicht Schritt halten zu können. Die Hälfte verfügt zudem über keinen klaren Fahrplan, um KI-, Sicherheits- und Infrastrukturstrategien aufeinander abzustimmen. Das geht aus einer neuen, von Dell Technologies beauftragten Studie hervor.
Der „Modern Enterprise Readiness Report 2026“, durchgeführt vom unabhängigen Marktforschungsunternehmen Vanson Bourne im Auftrag von Dell Technologies, befragte im Juni 2026 insgesamt 2.950 Business- und IT-Entscheider in 35 Ländern. Die Ergebnisse zeichnen laut Unternehmensangaben das Bild einer Unternehmenslandschaft zwischen Dringlichkeit und Stillstand: Führungskräfte erkennen zwar das Ausmaß der nötigen Transformation, vielen fehlt jedoch weiterhin die operative Grundlage, um sie umzusetzen.
Disruption überholt die Planung
Laut der Studie geben 49 Prozent der Befragten an, mit dem aktuellen Tempo des Wandels zu kämpfen – eine Sorge, die sich branchenübergreifend von Finanzdienstleistungen über die Fertigung bis zum öffentlichen Sektor zieht. Noch bemerkenswerter: 54 Prozent sagen, sie hätten kein klares Bild davon, wie ihre Branche in drei bis fünf Jahren aussehen wird. In Kombination mit makroökonomischem Druck – von 82 Prozent als Grund für selektivere, ergebnisorientierte Technologieausgaben genannt – entsteht ein Klima, in dem 45 Prozent der Führungskräfte nicht sicher sind, ob ihr Unternehmen die Konkurrenz künftig übertreffen wird.
KI-Einführung reift, doch der Fahrplan stockt
Die Einführung generativer KI schreitet voran: 43 Prozent der Unternehmen befinden sich noch in der frühen bis mittleren Phase ihrer KI-Reise, gegenüber 51 Prozent im Jahr 2025. Der Aufbau und die Skalierung von KI-Fähigkeiten zählt für 53 Prozent der Befragten zu den drei wichtigsten strategischen Prioritäten der kommenden 24 Monate. Dennoch geben laut Studie 50 Prozent an, keinen klaren, umsetzbaren Fahrplan zu haben, der KI-, Daten- und Sicherheitsinitiativen miteinander verbindet – ein Befund, den der Report als einen der bedeutsamsten einstuft.
Die Hindernisse beim Skalieren von KI sind konkret: Sicherheits-, Compliance- und Datenschutzbedenken (41 Prozent), Herausforderungen bei der Datenqualität und -governance (32 Prozent) sowie ein Mangel an internen Fähigkeiten (31 Prozent). 60 Prozent geben an, dass Sicherheitsbedenken die KI-Einführung in ihrem Unternehmen direkt verlangsamt oder pausiert haben. Die Studie dokumentiert zudem eine weit verbreitete „Schatten-KI“-Nutzung: 62 Prozent berichten von Mitarbeitenden, die nicht genehmigte KI-Tools auf Firmengeräten verwenden, 79 Prozent von der Nutzung privater Geräte für KI-Tools im Arbeitskontext – häufig ohne Kenntnis der IT-Abteilung.
Sicherheit als Fundament
Cybersicherheit ist laut Studie die am höchsten eingestufte strategische Priorität überhaupt, genannt von 54 Prozent der Befragten – noch vor dem Ausbau von KI-Fähigkeiten. Sicherheitskompetenz ist zudem der wichtigste Faktor, der einen Technologieanbieter vom transaktionalen Lieferanten zum strategischen Partner macht, so 46 Prozent der Befragten und das noch vor Preis, Produktbreite oder Kundenservice.
Veraltete Geräte, fragmentierte Infrastruktur
Die Studie zeigt, dass Geräteflotten in Unternehmen nach wie vor eine strukturelle Einschränkung darstellen: 23 Prozent der Geräte sind vier Jahre oder älter, nur 41 Prozent sind sowohl modern als auch KI-fähig. 81 Prozent der Führungskräfte sagen, veraltete Geräte schränkten die Einführung neuer Tools und KI-Anwendungen ein, 78 Prozent berichten von spürbarer Frustration bei Mitarbeitenden und Führungskräften durch veraltete Hardware.
Eine ähnliche Fragmentierung zeigt sich auf Infrastrukturebene. 67 Prozent der Befragten beschreiben ihre Hybrid- oder Multicloud-Umgebung als nicht vollständig vereinheitlicht. Der Report verknüpft dies direkt mit der KI-Bereitschaft, da KI-Workloads auf einen konsistenten, zuverlässigen Datenzugriff über Umgebungen hinweg angewiesen sind.
Konsolidierung auf weniger, stärkere Partner
Angesichts dieser Komplexität überdenken Unternehmen ihre Anbieterbeziehungen. Nur 26 Prozent geben an, über einen klar definierten, kleinen Kreis strategischer Partner zu verfügen, während 82 Prozent ihre Technologiebedürfnisse nach Möglichkeit bei einem einzigen strategischen Partner bündeln möchten. 85 Prozent stimmen zu, dass ihre aktuellen Partner mehr zur Unterstützung ihrer Transformationsziele beitragen könnten. Das ist ein Signal dafür, dass die Erwartungen an Technologieanbieter deutlich gestiegen sind.
Fazit
Die Studienautoren verstehen die Ergebnisse eher als Handlungsaufforderung denn als Urteil. Unternehmen, die einen integrierten Fahrplan über KI, Cybersicherheit, Geräte, Infrastruktur und Mitarbeiterkompetenzen hinweg entwickeln, seien am besten positioniert, um die Bereitschaftslücke zu schließen, bevor es die Konkurrenz tut.
Carolina Heyder ist Journalistin und Moderatorin. Sie verfügt über langjährige Expertise über den deutschen und internationalen IT-Markt sowie über langjährige Erfahrung in renommierten Verlagshäusern wie WEKA-Fachmedien, Springer und Aspencore. Ob Text fürs Web oder Print, Audio oder Video. Am Laptop, vor dem Mikrofon oder der Kamera. Ob in Deutsch, Englisch oder Spanisch, Carolina Heyder ist in der IT-Welt Zuhause. Ihre Themenschwerpunkte sind Cybersecurity, Digitale Transformation, Nachhaltigkeit, Storage u. a.
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