Steigende Hardwarepreise, wachsender Kostendruck und der Wandel im Virtualisierungsmarkt zwingen Systemhäuser zum Umdenken. Auf seiner Hausmesse in Sofia positioniert sich Acronis mit einem klaren Angebot an seine Vertriebspartner. Das Unternehmen präsentiert dazu Neuerungen für den Channel, samt überarbeitetem Partnerprogramm. Die Botschaft: Wer im KI-Zeitalter gut dastehen will, muss sich anpassen, aber dem winken gute Geschäftschancen.
Acronis-CEO Jan-Jaap „JJ“ Jager eröffnete die Veranstaltung mit einer Bestandsaufnahme. KI verändere nicht die Richtung der IT-Branche, sondern „was KI so besonders macht, ist die Geschwindigkeit. Wir erleben gerade so viele Innovationen und so schnell wie nie zuvor.“ Der Wandel damals von On-Premises zu Migration in die Cloud hat Jahre gedauert, bei der KI entwickelt sich alles rasant.
Wie schnell, zeigt ein Blick ins eigene Unternehmen: Binnen weniger Monate habe der KI-Einsatz die Produktivität in der Entwicklung bei Acronis spürbar erhöht, um satte 50 %, so Jager. Auffällig dabei: Ein Großteil der Entwickler traue, laut eigenen Angaben, den KI- Ergebnissen trotzdem noch nicht vollständig. Damit sind Themen wie Governance, Verantwortung und Kontrolle wichtiger denn je.
Für Jager bedeutet das vor allem eines: „MSPs müssen ihr Geschäftsmodell überdenken“ Es gehe nicht mehr allein um Produkte oder Infrastruktur, sondern darum, zum vertrauenswürdigen Berater der Kunden zu werden („Trusted Advisors“), gerade weil viele Anwender kompetente Orientierung in Sachen KI-Einsatz dringend benötigen. Niemand könne heute vorhersagen, wohin sich die Technologie entwickle, umso wichtiger sei es, Kunden durch Unsicherheit zu begleiten.
Verschärfend für MSPs kommt hinzu: Die Kosten für Hardware-Komponenten kennen derzeit branchenweit nur eine Richtung, nämlich nach oben. Diese Tatsache zwingt Partner, effizienter zu arbeiten. Genau hier will Acronis ansetzen: mit einer Plattform, die Automatisierung, Sicherheit und Infrastrukturmanagement bündelt, statt einzelne KI-Werkzeuge nachträglich zu integrieren.
Die 700 Milliarden Dollar Chance
Laut einer von Rob Rae, Corporate Vice President of Community and Partner Experience beim Cloud-Marktplatz Pax8, zitierten IDC-Schätzung liegt das adressierbare Marktvolumen für Partnergeschäfte bei rund 700 Milliarden US-Dollar. Ausgeschöpft wird das kaum: Nur einer von zehn MSPs arbeitet nach Acronis-Angaben bereits agentenbasiert und autonom. Auch Jager räumte ein, dass lediglich rund zehn Prozent der Partner KI im Sinne des neuen Geschäftsmodells nutzen, den meisten fehle schlicht die Praxis. Um das zu ändern, steckt Acronis nach eigenen Angaben Jahr für Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag in KI-Entwicklung, um die weltweit rund 21.000 Partner entsprechend auszustatten.
Als große Chance nannte Jager die aktuelle Datenexplosion, die MSPs zunehmend zu Verwaltern und Sicherheitsverantwortlichen wachsender Datenmengen macht. Dies verbunden mit dem Wunsch vieler Kunden nach Datensouveränität. Partner bestätigten den Trend aus der Praxis: Angel Atanasov, Gründer des bulgarischen MSP DCD-IT, berichtete, KI erleichtere die Skalierung des Geschäfts und verschiebe den Fokus weg von reinen Verwaltungstätigkeiten hin zum Kerngeschäft.
Bemerkenswert: In Sachen Bildung besteht bei den Partnern Nachholbedarf Weiterbildung sei kein neues Thema. „Sie werden überrascht sein, wie viele Partner noch nicht einmal die grundlegendsten Dinge kennen, wie zum Beispiel die Zwei-Faktor-Authentifizierung“, so Acronis CEO. KI werfe zusätzliche Fragen auf und verschärfe manche Defizite.
Open Source Vorteile
Acronis Gründer Serg Bell übt heute keine offizielle Funktion im Unternehmen mehr aus. Dafür steht er heute an der Spitze der Constructor Group und stellte die „Constructor Fabric“ vor, eine Open-Source-Grundlage, mit der sich generative KI kontrolliert und mit Leitplanken versehen betreiben lässt. Mehrere Acronis-Projekte nutzten die Fabric bereits als technisches Fundament. Kernidee: Governance, Metriken und Optimierung dürfen bei generativer KI nicht nachträglich aufgesetzt, sondern müssten von Beginn an mitgedacht werden. Er betonte die Bedeutung von Open Source als Grundlage für Innovationen, die sich so flexibler und schneller entwickeln lassen sich als proprietäre Software.
Gemeinsam mit Acronis entwickelt Constructor ein Ökosystem mit dem Ziel bis 2027 mehr als eine Million Entwickler zu erreichen. Für MSPs sollen Open Source und KI effizientere Prozesse sowie eine bessere Kontrolle über den Einsatz von Code ermöglichen.
Paul Maritz, ehemaliger CEO von VMware und langjähriger Acronis-Aufsichtsratsvorsitzender, ordnete die aktuelle Marktentwicklung strategisch ein. Der KI-Markt bewege sich weg von wenigen großen Sprachmodellen hin zu einer Vielzahl spezialisierter Modelle unterschiedlicher Größe. Entscheidend werde künftig, wer die Kontrolle über Modelle und ihre Laufzeitumgebung hat. Sicherheitsarchitektur und Zugriffskontrolle werden damit zur Voraussetzung für jeden produktiven KI-Einsatz.
Cyber Console als MSP-Booster
Der Name der Hausveranstaltung in Sofia war Programm: „Acronis Accelerate: The Journey to Autonomous IT“. Im Fokus stand der Schritt hin zu einer automatisierten, unabhängigen IT mit KI-gestützten Bausteinen. Herzstück ist die Cyber Console als zentrale Oberfläche für Anwender und KI-Agenten. Ergänzt wird sie durch Cyber Intelligence zur Erkennung von Sicherheitsrisiken und Geschäftspotenzialen, den Service Desk für automatisierte Ticket-Prozesse sowie Cyber Studio zur Erstellung eigener Agenten-Workflows per natürlicher Sprache. Alle Komponenten basieren auf einer gemeinsamen KI-Plattform, kein Flickwerk einzelner Tools, sondern ein durchgängiges Ökosystem. Dies soll MSPs entlasten und neue Umsatzmöglichkeiten erschließen.
Neues Partnerprogramm
Eine zentrale Ankündigung des Tages war die Weiterentwicklung des „Acronis Cyber Partner Program“. Das sei laut Unternehmen das erste produktgeführte Partnerprogramm der Branche, das direkt in die Acronis-Cyber-Plattform integriert ist, anstatt als ein separates Portal. Ziel ist die Automatisierung von Partner-Workflows und eine engere Verzahnung von Technik und Geschäft.
Zu den zentralen Elementen zählen laut Acronis eine KI-gestützte Business-Intelligence-Funktion, die Partnern gezielt Wachstums- und Ertragschancen aufzeigt, sowie ein Credit-basiertes Abrechnungsmodell für Produkt- und Servicenutzung. Das System beinhaltet ein KI-gestütztes Punkte-System: Zertifizierungen sollen künftig unmittelbar in Punkte beziehungsweise Credits münden, die sich auf Konditionen und Leistungen im Programm auswirken.
Auf die Frage, was das Wichtigste am neuen Partnerprogramm sei antwortete Jager: „Wir können nun jeden Partner bedienen. Wir können dazu beitragen, das Geschäft aller unserer Partner anzukurbeln“.
Fazit: Beratung statt Betrieb
Der rote Faden der Veranstaltung war unmissverständlich: Acronis positioniert sich nicht mehr primär als Backup- und Sicherheitsanbieter, sondern als Infrastrukturpartner für MSPs auf dem Weg zur autonomen IT. Die technologische Basis – von Cyber Frame über die Constructor Fabric bis zum neuen Partnerprogramm – soll MSPs von administrativer Last befreien und in die Rolle des unverzichtbaren Trusted Advisor für die KI-Ära heben.
Carolina Heyder ist Business Analyst und Moderatorin. Sie verfügt über langjährige Expertise über den deutschen und internationalen IT Markt.. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in renommierten Verlagshäusern wie WEKA-Fachmedien, Springer und Aspencore. Ob Text fürs Web oder Print, Audio oder Video. Am Laptop, vor dem Mikrofon oder der Kamera. Ob in Deutsch, Englisch oder Spanisch, Carolina Heyder ist in der IT-Welt Zuhause. Ihre Themenschwerpunkte sind Cybersecurity, Digitale Transformation, Nachhaltigkeit, Storage u. a.
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