Schwarz Digits und Siemens vereinbaren eine strategische Partnerschaft für souveräne private 5G-Netzwerke. Im Fokus stehen Behörden und Einrichtungen der inneren und äußeren Sicherheit, die auf abhörsichere, physisch isolierte Kommunikationsinfrastruktur angewiesen sind – entwickelt und gefertigt überwiegend in Deutschland.

Zwei deutsche Unternehmen wollen die Versorgung sicherheitsrelevanter Behörden und Organisationen mit souveräner, mobiler Kommunikation auf eine neue technische Grundlage stellen. Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz Gruppe, und Siemens verbinden dabei lokale 5G-Campuslösungen mit einer europäischen Cloud-Infrastruktur – ohne Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern.

Hintergrund: Wachsender Bedarf an digitaler Souveränität

Der Schutz kritischer Infrastrukturen rückt in Europa zunehmend in den Mittelpunkt sicherheitspolitischer Debatten. Behörden in den Bereichen innere und äußere Sicherheit – von Polizei und Katastrophenschutz bis hin zu Streitkräften – benötigen Kommunikationsnetze, die auch unter extremen Bedingungen stabil und abhörsicher funktionieren. Herkömmliche Mobilfunklösungen, die auf globalen Anbietern und öffentlichen Netzinfrastrukturen beruhen, stoßen dabei häufig an rechtliche und sicherheitstechnische Grenzen.

Vor diesem Hintergrund haben Schwarz Digits und Siemens am 23. April 2026, anlässlich der Hannover Messe, eine strategische Kooperation bekanntgegeben. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung und Bereitstellung privater 5G-Campusnetzwerke, die technologisch souverän, physisch isoliert und vollständig in eine europäische Cloud-Infrastruktur eingebettet sind.

Überwiegend deutsche Wertschöpfungskette

Ein wesentliches Merkmal der Partnerschaft ist der Fokus auf heimische Entwicklung und Fertigung. Die von Siemens eingesetzte Hardware für die 5G-Campuslösungen entspricht industriellen Standards und wird in Deutschland produziert. Die zugehörige Software sowie sämtliche Cloud-Komponenten der STACKIT-Plattform entstehen ebenfalls in Deutschland. Damit unterscheidet sich die Lösung von verbreiteten Alternativen, die auf Hardware und Software aus Drittstaaten zurückgreifen.

Cedrik Neike, Mitglied des Vorstands der Siemens AG und CEO von Siemens Digital Industries, betonte: In Zeiten wachsender Unsicherheit zählt für die Industrie Verlässlichkeit. Gemeinsam mit Schwarz Digits entsteht durch souveräne 5G-Konnektivität ein sicherer und stabiler Grundstein für Deutschlands kritische Infrastruktur.

Bernie Wagner, CSO von Schwarz Digits, verwies auf die technische Integration: Von der nahtlosen Verbindung der 5G-Campuslösung mit der STACKIT Distributed Cloud profitierten Behörden und Unternehmen von der Cloud bis an die Edge.

Air-Gapping: Physische Isolation für höchste Sicherheitsanforderungen

Für besonders sensible Einsatzbereiche ist das Netzwerk für den sogenannten Air-gapped-Betrieb ausgelegt. Das bedeutet: Das lokale 5G-Netz arbeitet vollständig getrennt vom öffentlichen Internet und von externen Netzwerken. Die Zugriffskontrolle erfolgt hardwarebasiert über SIM-Karten, wodurch ausschließlich registrierte und autorisierte Geräte Zugang zum Netz erhalten. Diese Architektur erlaubt die gleichzeitige Existenz öffentlicher und privater 5G-Netze, ohne dass das private Segment kompromittiert werden kann.

Das Air-Gapping-Prinzip ist keine neue Idee, aber seine konsequente Umsetzung in Verbindung mit einer Cloud-Plattform stellt eine technische Weiterentwicklung dar. Behörden könnten so auch in abgelegenen oder kritischen Einsatzgebieten auf gesicherte, leistungsstarke Mobilkommunikation zurückgreifen.

Integration in ein durchgängiges digitales Ökosystem

Über die reine Netzwerkbereitstellung hinaus ist die 5G-Campuslösung von Siemens als integraler Bestandteil des digitalen Ökosystems von Schwarz Digits konzipiert. Durch die Verzahnung mit der STACKIT Distributed Cloud entsteht nach Angaben der Unternehmen ein durchgängiges One-Stop-Deployment: Behörden und Unternehmen können Rechen- und Netzwerkkapazitäten flexibel von der zentralen Cloud bis an die dezentrale Edge skalieren – alles aus einer Hand und ohne historisch gewachsene, fragmentierte IT-Prozesse.

Diese Systemarchitektur folgt dem Ansatz, Netzinfrastruktur nicht als isolierte Komponente, sondern als Teil eines integrierten digitalen Systems zu betrachten. Damit adressiert die Partnerschaft eine Schwachstelle, die viele öffentliche IT-Projekte kennzeichnet: die mangelnde Interoperabilität verschiedener Systeme und Anbieter.

Einordnung und Ausblick

Die Kooperation zwischen Schwarz Digits und Siemens fügt sich in einen breiteren Trend ein: Europäische Unternehmen und Behörden investieren verstärkt in digitale Infrastrukturen, die nicht von außereuropäischen Technologielieferanten abhängig sind. Private 5G-Netze gelten dabei als einer der Schlüsselbereiche, in denen diese Souveränität technisch umsetzbar ist.

Ob und in welchem Umfang die Lösung von Behörden tatsächlich eingesetzt wird, hängt von Beschaffungsentscheidungen und Zertifizierungsverfahren ab, die noch ausstehen. Die technische Kooperation schafft jedoch eine Grundlage, auf der weitergebaut werden kann.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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