Knapp ein Jahr nach Amtsantritt der Bundesregierung zieht der eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. eine ernüchternde Zwischenbilanz: Bürokratie blockiert Innovation, regulatorische Komplexität bremst Investitionen, und die IT-Branche fordert konsequentes Handeln statt Ankündigungen.
Durchwachsene Bilanz nach zwölf Monaten
Knapp ein Jahr nach dem Amtsantritt der neuen Bundesregierung hat eco – Verband der Internetwirtschaft e.V. mit dem eco Digitalpuls eine erste Zwischenbilanz der deutschen Digitalpolitik vorgelegt. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Trotz einzelner Fortschritte fehlt es der Digitalpolitik weiterhin an Wirkung in der Breite – viele Maßnahmen bleiben im Ansatz stecken.
Grundlage der Analyse ist ein Ampelsystem, das 22 zentrale digitalpolitische Vorhaben entlang von sechs Handlungsfeldern bewertet: Digitaler Staat, Cybersicherheit, KI-Standort Deutschland, digitale Infrastrukturen, Vertrauen ins Netz sowie Bekämpfung illegaler Inhalte und Jugendmedienschutz.
Von 22 bewerteten Vorhaben erhalten sechs ein grünes Licht, jeweils acht werden mit Gelb und Rot eingestuft. Maßnahmen wurden zwar in vielen Bereichen angestoßen – etwa beim Deutschland-Stack, bei digitalen Identitäten oder der Umsetzung europäischer Vorgaben. In der Gesamtschau bleibt die Umsetzung jedoch hinter den eigenen Ambitionen zurück.
IT-Entscheider stellen klares Zeugnis aus
Parallel zur eco-Analyse hat das Meinungsforschungsinstitut Civey zwischen dem 20. März und 6. April 2026 im Rahmen des eco Branchenpuls 500 IT-Entscheider in Deutschland befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ mit einem statistischen Fehler von 9,6 bis 10,6 Prozentpunkten.
Das Urteil der Branche fällt deutlich aus: 22,5 Prozent der Befragten vergeben die Note „mangelhaft“, 29,4 Prozent sogar „ungenügend“. Gute Bewertungen bleiben mit 5,2 Prozent die klare Ausnahme. Mehr als ein Drittel (36,9 Prozent) sieht negative Auswirkungen auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit, nur 13,9 Prozent bewerten diese positiv.
»Die Bundesregierung bleibt in der Digitalpolitik bislang zu oft im Ankündigungsmodus stecken – das spiegelt sich auch im Urteil der Branche wider. Wenn über die Hälfte der IT-Entscheider die Politik mit ‚mangelhaft‘ oder ‚ungenügend‘ bewertet, ist das ein klarer Weckruf. Was es jetzt braucht: weniger Zuständigkeitswirrwarr und mehr Umsetzung – schnellere Genehmigungen, weniger Doppelregulierung und spürbare Entlastungen bei Bürokratie und Energiekosten.«
Bürokratie als größter Bremsfaktor
Besonders auffällig: 74,9 Prozent der befragten IT-Entscheider nennen Bürokratie als die größte Herausforderung der deutschen Digitalpolitik. Damit liegt dieser Faktor mit erheblichem Abstand vor allen anderen Themenfeldern.
Auf den weiteren Rängen folgen IT-Sicherheit und Compliance (38,3 Prozent), Stromkosten und Netzinfrastruktur (38,0 Prozent) sowie Genehmigungs- und Planungsverfahren (36,0 Prozent). Das Bild ist eindeutig: Die Hemmnisse sind nicht technologischer Natur, sondern politisch-administrativ.
»Komplexe Verfahren, unklare Vorgaben, Doppelregulierungen und zu viel Bürokratie behindern Innovation und Investitionen derzeit massiv.«
Forderungen: Klarheit, weniger Regulierung, mehr Vertrauen
In der Gesamtbetrachtung ergibt sich nach einem Jahr noch kein konsistentes Bild innovationsfördernder Rahmenbedingungen. Positive Ansätze sind vorhanden, werden aber von strukturellen Defiziten und fortlaufenden EU-Vorgaben überlagert.
Der eco-Verband fordert daher klare politische Signale: weniger Doppelregulierung, spürbare Bürokratieentlastung und mehr Vertrauen in die Innovationskraft der Digitalwirtschaft. Deutschland als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt habe das Potenzial, ein führender Digitalstandort zu sein – die Voraussetzungen dafür müssten jedoch erst geschaffen werden.
Alle Ergebnisse des eco Digitalpuls sind abrufbar unter: go.eco.de/Digitalpuls
Methodik: Das Meinungsforschungsinstitut Civey befragte für eco vom 20.03. bis 06.04.2026 online 500 IT-Entscheider:innen. Die Ergebnisse sind repräsentativ (statistischer Fehler: 9,6–10,6 Prozentpunkte).

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de