Neo4j integriert die Analyseplattform GraphAware Hume in sein Graph-Intelligence-Portfolio und will damit offene Alternativen zu proprietären Sicherheitstools etablieren.
Neo4j, Anbieter der gleichnamigen Graph-Intelligence-Plattform, gibt die Übernahme von GraphAware bekannt. Das in London ansässige Unternehmen entwickelt Analysesoftware für Ermittlungsbehörden und Sicherheitsorganisationen. Die Transaktion soll im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden, vorbehaltlich regulatorischer Genehmigungen — darunter die ausländische Direktinvestitionsgenehmigung in Australien.
Kern der Vereinbarung ist die Integration von GraphAware Hume — der Flaggschiff-Analyseplattform von GraphAware — in die Neo4j Graph-Intelligence-Plattform. GraphAware Hume unterstützt Analysten und Ermittler dabei, komplexe und fragmentierte Datenbestände zu einem vernetzten Lagebild zusammenzuführen. Die Plattform ist bereits bei einer Reihe von Sicherheits- und Strafverfolgungsbehörden im Einsatz, darunter die Europäische Kommission, die Polizei im Bundesstaat Westaustralien, das US-Verteidigungsministerium sowie weitere Behörden in den USA, Großbritannien, der EU und Australien.
Wachsende Kritik an Closed-Source-Plattformen
Der Markt für nachrichtendienstliche Analysesoftware steht unter Druck. Regierungen kündigen Verträge mit Anbietern proprietärer Software und suchen nach Lösungen, die Datensouveränität und Betreiberkontrolle gewährleisten. Hintergrund ist die zunehmende Abhängigkeit von einzelnen Anbietern bei gleichzeitig steigenden geopolitischen Anforderungen an den Datenschutz.
Neo4j und GraphAware positionieren ihr Angebot als offene, auf ISO-Standards basierende Alternative. GraphAware Hume unterstützt den ISO-zertifizierten Graph Query Language (GQL)-Standard und ist für den Betrieb in regulierten Umgebungen ausgelegt, darunter AWS GovCloud, private Clouds und lokale Infrastrukturen. Organisationen behalten damit die Kontrolle über ihren Deployment-Modus, ihre Daten und ihre Exit-Optionen.
Praxiserprobte Einsatzszenarien
Die Kombination aus Graph-Datenbank und Analyseschicht zielt auf drei Kernbereiche ab: Strafverfolgung, Verteidigung und Cyberabwehr. Die Polizei Westaustralien — zuständig für eines der größten Polizeiräume der Welt — nutzt die Lösung, um Daten aus getrennten Systemen zusammenzuführen und verdeckte Verbindungen nahezu in Echtzeit zu erkennen. Das US-Verteidigungsministerium betreibt GraphAware und Neo4j in einer nach DoD IL5 akkreditierten Umgebung auf der Cloud-Plattform der U.S. Air Force. Eine nationale europäische Cyberabwehrbehörde nutzt das System zur frühzeitigen Erkennung und Bewertung von Cyberbedrohungen.
Langjährige Partnerschaft als Grundlage
GraphAware wurde vor mehr als zehn Jahren als erstes dediziertes Neo4j-Beratungsunternehmen gegründet und vollzog später den Wandel zum Produktanbieter. Diese historische Nähe bildet laut beiden Unternehmen die Grundlage für eine technisch reibungslose Integration. GraphAware wird nach dem Abschluss als eigenständige Geschäftseinheit innerhalb von Neo4j weitergeführt, geleitet vom bisherigen CEO Michal Bachman.
Die Übernahme ist Teil der im Oktober 2025 angekündigten Investitionsstrategie von Neo4j, die ein Budget von 100 Millionen US-Dollar für KI-Produktinnovationen und strategische Initiativen vorsieht. Dazu gehören der Launch von Neo4j Aura Agent, ein MCP-Server für Neo4j sowie ein KI-natives Startup-Programm mit mehr als 700 registrierten Unternehmen. Neo4j verzeichnet nach eigenen Angaben mittlerweile viermal so viele Kunden, die Graphtechnologie für KI-fähige Anwendungen produktiv einsetzen.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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