Gartner hat seinen ersten Magic Quadrant für Hybrid Mesh Firewalls veröffentlicht und darin zwölf Anbieter bewertet, die Hardware-, Virtual- und Cloud-Firewall-Durchsetzung unter einer KI-gestützten Verwaltungskonsole vereinen sollen – Postquanten-Kryptografie und Sicherheit für agentenbasierte KI gelten dabei als zentrale Differenzierungsmerkmale.

Das Analystenhaus Gartner hat seinen ersten Magic Quadrant für die Kategorie Hybrid Mesh Firewall (HMF) vorgelegt – laut Unternehmensangaben SaaS-basierte Firewall-Plattformen, die On-Premises-Hardware, virtuelle Instanzen und dedizierte Cloud-Durchsetzung unter einer zentralisierten, cloudbasierten Policy-Steuerung zusammenführen. Der am 7. September 2026 veröffentlichte Bericht, an dem unter anderem die Analysten Rajpreet Kaur und Adam Hils mitgewirkt haben, positioniert Check Point, Fortinet und Palo Alto Networks im Leader-Quadranten, Cisco als einzigen Visionary, HPE als einzigen Challenger sowie Forcepoint, H3C, Huawei, Sangfor Technologies, SonicWall, Sophos und WatchGuard als Niche Player.

Gartners Marktdefinition zielt auf ein konkretes betriebliches Problem: Da Unternehmen ihre Workloads zunehmend über Rechenzentren, Zweigstellen und mehrere Public-Cloud-Umgebungen verteilen, wünschen sich Sicherheitsteams eine einzige Verwaltungsebene statt separater Konsolen für jeden Durchsetzungspunkt. Hybrid Mesh Firewalls sollen dies ermöglichen, indem sie inline durchgeführte, bidirektionale zustandsbehaftete Inspektion – über Hardware, virtuelle Maschinen oder dedizierte Cloud-Instanzen – mit einer SaaS-basierten Orchestrierungsschicht verbinden, die zunehmend auch KI-gestützte Richtlinienempfehlungen und Prognoseanalysen umfasst.

Für die Aufnahme in die Bewertung mussten Anbieter laut Gartner über eine eigene Hardware- und Cloud-Firewall-Produktlinie, eine einheitliche cloudbasierte Verwaltung für beide Bereiche sowie eine nachweisliche internationale Präsenz verfügen – mit mehr als 15 Prozent des Umsatzes außerhalb der jeweiligen Heimatregion. In diesem Jahr erfüllten zwölf Anbieter diese Kriterien; gegenüber der vorherigen Einordnung gab es laut Bericht weder Zu- noch Abgänge, was auf ein vergleichsweise stabiles Wettbewerbsfeld hindeutet, auch wenn sich die zugrunde liegende Technologie rasch weiterentwickelt.

Diese Weiterentwicklung zeigt sich laut Gartner auf mehreren Ebenen. Postquanten-Kryptografie hat sich als gemeinsame Priorität über den gesamten Markt hinweg etabliert: Anbieter setzen zunehmend auf NIST-konforme Algorithmen wie ML-KEM/Kyber und auf hybride Verschlüsselungsverfahren, die klassische und quantenresistente Methoden kombinieren, um während der Übergangsphase Abwärtskompatibilität zu gewährleisten. Zwar liegen die Leader hier am weitesten vorn, doch laut Gartner verfügt praktisch der gesamte Markt inzwischen über eine PQC-Roadmap.

Ein zweites zentrales Thema ist die wachsende Marktreife des cloudbasierten Managements selbst. Anbieter haben breitflächig Zero-Touch-Provisioning, dynamisches Policy-Management und intelligente Skalierung ergänzt und reichern Richtlinienentscheidungen zunehmend mit Identitäts-, Tagging- und Telemetriedaten an, um adaptive, intentionsgesteuerte Konfigurationen zu ermöglichen. Sprachbasierte KI-Assistenten für Aufgaben wie Policy-Troubleshooting und Konflikterkennung gehören mittlerweile branchenweit zum Standardangebot – wobei Gartner betont, dass der Reifegrad stark variiert und die tatsächliche Nutzung im Tagesgeschäft der Sicherheitsteams hinter der Vermarktung dieser Funktionen zurückbleibt.

Auch die Absicherung von KI-Workloads selbst hat sich innerhalb der HMF-Kategorie zu einem eigenständigen Themenfeld entwickelt. Gartner identifiziert drei Investitionsschwerpunkte der Anbieter: die Kontrolle der von Mitarbeitenden genutzten KI-Anwendungen, die Laufzeitsicherheit von KI-Systemen gegen Bedrohungen wie Prompt Injection sowie den Schutz der zugrunde liegenden Infrastruktur – Container, virtuelle Maschinen und Cluster –, auf der KI-Workloads laufen.

Mehrere Anbieter arbeiten zudem an Transparenz für den Datenverkehr zwischen KI-Agenten und Diensten, einschließlich Protokollen wie Model Context Protocol (MCP) und Agent-to-Agent-Kommunikation (A2A) – ein Zeichen dafür, wie schnell agentenbasierte KI zu einem Thema der Netzwerksicherheit geworden ist und nicht mehr nur der Anwendungsebene.

Bei der Marktakzeptanz zeigen Gartners Kundengespräche ebenso viele Wachstumsschmerzen wie Wachstum. Unternehmen drängen Anbieter zu Funktionsparität zwischen On-Premises- und Cloud-Managern, um Migrationen zu erleichtern, während kostensensible Kunden – insbesondere im Mittelstandssegment – verstärkt zu Anbietern tendieren, die sich auf dieses Segment konzentrieren, statt zu enterprise-fokussierten Anbietern.

Komplexe Lizenzmodelle mit unterschiedlichen Lizenztypen über mehrere Teilenummern hinweg bleiben laut Gartner eine ständige Frustration. Und trotz der Begeisterung für KI-gestützte Orchestrierung bleibt die tägliche Nutzung dieser Werkzeuge durch Sicherheitsteams laut Gartner begrenzt – ein Großteil der versprochenen Policy-Optimierung wird in der Praxis also noch nicht realisiert.

Für Unternehmenskäufer liegt die zentrale Botschaft des Berichts in der Plattformreife und konkretem Einsatzszenario – ob Perimeterschutz, Zweigstellenanbindung, Multicloud-Segmentierung oder Durchsatz im Rechenzentrumsmaßstab. Denn Gartners eigenes Quadranten-Modell betont, dass heutige Ausführungsstärke und die Produktvision von morgen nicht zwangsläufig beim selben Anbieter liegen.

Kommentar Check Point

„Die Enterprise Security hat einen Wendepunkt erreicht,“ sagt Jonathan Zanger, Chief Technology Officer bei Check Point Software Technologies. „KI verändert die Arbeitsweise von Unternehmen und vervielfacht die Umgebungen, die sie schützen müssen – von Anwendungen und Agenten bis hin zu völlig neuen Infrastrukturen. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Auszeichnung als ‚Leader‘ eine Plattform widerspiegelt, die genau dafür entwickelt wurde: Hybrid Mesh Network Security, die einen einheitlichen Schutz vom Unternehmensrand bis zum KI-Rechenzentrum gewährleistet und nun mittels agentenbasierter Orchestrierung verwaltet wird.“

„Nach der Bewertung mehrerer Anbieter von KI-Sicherheitslösungen und interner Optionen stach Check Point AI Agent Security hinsichtlich seiner operativen Leistung und der extrem geringen Latenz schnell hervor“, erklärt Adrian Wood, Security Engineer bei Dropbox. „Check Point AI Agent Security hat uns die Sicherheitsgrundlage geschaffen, die wir benötigen, um GenAI vertrauensvoll auf unsere gesamten Produktlinien auszuweiten. Während wir unsere KI-Fähigkeiten weiter ausbauen, wissen wir, dass wir über einen zentralisierten Schutz verfügen, der keinen Engpass darstellen wird.“

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner