Während Angreifer gestohlene, gültige Zugangsdaten nutzen, um sich unbemerkt im Netzwerk zu bewegen, erklärt SonicWall Platinum Partner choin!, warum Zero Trust unumgänglich wird – und warum Mittelstandskunden trotzdem zögern.
Zero-Trust-Plattformen sollen klassische, perimeterbasierte Cybersecurity ablösen – technisch überzeugt das sofort. Trotzdem zögern viele mittelständische Kunden noch. Der Cybersecurity-Spezialist choin! und SonicWall-Regionalmanager Deutschland Johannes Dahmen erklären, warum sich der Wandel trotzdem durchsetzt.
Das klassische Zugangsprinzip – wer rein will, muss sich einmal ausweisen und kann sich danach frei bewegen – hat sich als eines der größten Sicherheitsrisiken der Unternehmens-IT entpuppt. Ist ein Angreifer erst einmal drin, kann er sich praktisch überall im Netzwerk bewegen.
„Gestohlene Credentials – Username und Passwort – sind ein riesiges Problem. Bei unseren Kunden treffen wir immer wieder auf solche Fälle“, berichtet Boris Wetzel, Geschäftsführer der choin! GmbH aus Weinheim, einem SonicWall Platinum Partner. Besonders schwierig sei der Nachweis von sogenanntem Lateral Movement, wenn sich Kriminelle nach dem Einbruch weitgehend unbemerkt im Netzwerk bewegen. Da der Zugriff mit gültigen Zugangsdaten erfolgt, schlägt kaum eine Sicherheitslösung Alarm.
Das Problem ist so alt wie die Zugriffsmethode selbst. Jahrzehntelang wurde Security an die Anwender delegiert und das Passwort-Prinzip mit immer neuen Auflagen abgesichert: monatlicher Wechsel, für jeden Account ein anderes, möglichst kompliziert – und bloß nicht aufschreiben. Laut Wetzel wurde der Zugriff dadurch nicht wirklich sicherer, nur die Anwender zunehmend genervt, während Angreifer ihre Methoden verfeinerten und ihre Angriffsfrequenz erhöhten.
Zero-Trust-Infrastrukturen setzen genau an diesem strukturellen Problem an. choin! setzt auf Cloud Secure Edge (CSE) von SonicWall, basierend auf dem Need-to-know-Prinzip: Wer etwas tun möchte, muss sich ausweisen – und für jede weitere Aktion erneut. CSE prüft mehrere Faktoren, bevor Zugriff gewährt wird: klassische Zugangsdaten, einen zweiten Faktor wie einen Authenticator, den Sicherheitsstatus des Geräts sowie eine Geo-Prüfung. Freigegeben wird jeweils nur eine Anwendung oder ein abgegrenzter Netzwerkbereich, nicht das gesamte Netzwerk.
Warum sind angesichts dieser klaren Logik dann nicht alle Kunden sofort überzeugt? Weil Zero Trust für Unternehmen echte Veränderung bedeutet, so Wetzel: ein anderes Bezugsmodell, da CSE ein Cloud-Service ist, ein neues Lizenzmodell ohne Concurrent-Lizenzen sowie die interne Klärung, wer worauf zugreifen darf. Dazu kommen technische Herausforderungen, etwa bei bestehenden Telefonanlagen – ein Bereich, in dem choin! auch andere SonicWall-Partner im Netzwerk unterstützt.
Dazu kommt die Budgetfrage, die der choin!-Vertrieb mit fast jedem Kunden führt. Zero-Trust-Lösungen wie CSE lizenzieren pro User, da sich jeder Anwender über die Plattform anmelden muss – anders als bei klassischen Verfahren, bei denen sich Lizenzen bündeln ließen. „Bei Zero Trust geht es nicht darum, das alte Verfahren zu verbessern. Es ist eine völlig andere Art, das Problem zu lösen“, sagt Wetzel. Dieser Unterschied falle selbst erfahrenen IT-Verantwortlichen oft schwer zu greifen, was angesichts wachsender Komplexität bei hoher Arbeitsbelastung kaum überrasche. „Wir können nicht mehr so arbeiten wie früher.“
Hier setzt Beratung an, so Wetzel: den Kunden nicht nur die Technik erklären, sondern vor allem den langfristigen Nutzen. Investitionen in Hardware und Software entfallen, ebenso ein Großteil des laufenden Betriebsaufwands, da Kunden einen wesentlichen Teil ihres Cybersecurity-Stacks an Hersteller und Partner auslagern. „SonicWall ist im Betrieb einer Zero-Trust-Infrastruktur einfach versierter als die meisten IT-Abteilungen mittelständischer Unternehmen“, so Wetzel. Bei einer Vollkostenbetrachtung falle die neue Lösung meist günstiger aus – eine Erkenntnis, die sich Kunden gemeinsam mit dem Partner erst erarbeiten müssten. SonicWall unterstützt dabei mit Know-how, Tools sowie Konditionen, die den Umstieg erleichtern.
„Wir möchten unseren Partnern das Geschäft so einfach wie möglich machen und unterstützen vom Presales über die Implementierung bis zum Betrieb“, bestätigt Dahmen. Gefragt sei vor allem ein flexibles, monatlich buchbares Lizenzmodell ab einem einzigen User. „Mit CSE können unsere Partner übrigens auch den Bedarf an KI-Kontrolle adressieren, über den sich viele Kunden noch gar nicht im Klaren sind.“
Für mittelständische Unternehmen ist die Einführung von Zero Trust laut Wetzel auch Anlass, Prozesse zu optimieren, denn sie funktioniert nur, wenn Zuständigkeiten und Zugriffsrechte klar geregelt sind. „Wir definieren mit unseren Kunden häufig konkrete Use Cases, die wir dann umsetzen“, sagt er und beschreibt damit die Entwicklung von choin! vom Cybersecurity-Spezialisten zum Berater für Geschäftsprozesse: „Für uns eine tolle Entwicklungsperspektive.“
Die Dringlichkeit untermauern auch die eigenen Bedrohungsdaten von SonicWall. Der 2026 Cyber Protect Report zeigt, dass Bildungseinrichtungen – ein aufschlussreiches Beispiel für Netzwerke mit einer Mischung aus alten und neuen Systemen – die höchste Angriffsintensität pro Gerät aller untersuchten Branchen aufweisen, wobei eine einzelne VoIP-Angriffssignatur für mehr als die Hälfte aller Intrusion-Prevention-Ereignisse verantwortlich zeichnet. Zudem hat SonicWall mit SonicWall Endpoint Security in diesem Jahr eine Lösung mit Enterprise-Erkennung und -Reaktion samt Ein-Klick-Ransomware-Wiederherstellung speziell für Managed Service Provider im SMB-Segment eingeführt. Ob Netzwerk, Endpoint oder gestohlenes Passwort – das Argument bleibt dasselbe, das Wetzel für Zero Trust anführt: Nicht ein befestigter Perimeter, sondern kontinuierliche Verifizierung begrenzt den Schaden, wenn ein Angreifer eindringt.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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