Gartner ersetzt den Product Information Management (PIM) Market-Guide durch einen Magic Quadrant mit 16 Anbietern. Agentic Commerce, MCP-Schnittstellen und EU-Regulierung verändern laut den Analysten, was Käufer von PIM-Lösungen verlangen sollten.
Product Information Management (PIM) rückt aus dem Backoffice ins Zentrum des digitalen Handels. Im neuen Magic Quadrant für PIM-Lösungen (August 2026) beschreibt Gartner einen Markt, den neue Vertriebskanäle, KI-Plattformen und Agentic Commerce prägen – und bewertet 16 Anbieter danach, wie gut sie darauf vorbereitet sind.
Der Bericht löst den bisherigen Market Guide von Gartner für dieses Segment ab. Den Analysten zufolge sind Kundeninteresse und Investitionen hoch, und alle berücksichtigten Anbieter verzeichnen starkes Wachstum bei Umsatz und Kundenzahl gegenüber dem Vorjahr. Treiber ist die wachsende Zahl an Kanälen – Marktplätze, soziale Plattformen, Distributoren, Markenportale und zunehmend KI-Plattformen –, die jeweils eigene Schemata und Inhaltsanforderungen haben. PIM-Systeme müssen Produktdaten aus ERP-, MDM-, PLM- und Lieferantensystemen zusammenführen, bereinigen, strukturieren und für jedes Ziel aufbereiten. Produktinformationen schon an der Quelle zu verbessern, bevor sie syndiziert werden, wird laut Gartner zum Wettbewerbsvorteil.
Einen zentralen Wendepunkt sieht Gartner im Agentic Commerce: KI-Agenten, die im Auftrag von Kunden Produkte suchen, vergleichen und irgendwann auch kaufen. Solche Agenten brauchen Produktdaten, die nicht nur strukturiert, sondern auch reichhaltig genug sind, damit Maschinen sie interpretieren und darauf handeln können. Gartner rät Unternehmen deshalb, über die klassische Katalogpflege hinauszublicken und KI-gestützte Anreicherung, Product Experience Management (PXM) und Digital-Shelf-Analytics zu berücksichtigen. Zudem sollten sie prüfen, ob ihre Datenarchitektur für interne und externe KI-Agenten bereit ist.
Fünf Leader, ein Challenger
Gartner nennt fünf Leader: Akeneo, Inriver, Salesforce (über die Übernahme von Informatica), Stibo Systems und Syndigo. Salsify ist der einzige Challenger. Bluestone PIM, Pimcore und Viamedici zählen zu den Visionaries, während apollon, Base.com, Centric Software, Equadis, insightsoftware, Pimberly und Plytix als Niche Player eingestuft werden. Alle drei Visionaries und fünf der sieben Niche Player sind überwiegend in Europa beziehungsweise EMEA aktiv – das macht die Liste für Käufer im DACH-Raum besonders relevant.
Die Anbieterbewertungen zeigen, wie unterschiedlich die Leader aufgestellt sind. Gartner hebt bei Akeneo die Syndizierung an mehr als 500 Marktplätze und die modulare Architektur hervor, bei Inriver die schnelle Marktreaktion und visuelle Workflow-Builder, bei Salesforce Branchentaxonomien und Datapool-Anbindungen. Stibo Systems wird für Kernfunktionen wie die Modellierung komplexer Hierarchien gelobt, Syndigo für Branchenbeschleuniger sowie für Umsatz- und Kundenwachstum im PIM-Geschäft, das Gartner zu den höchsten im Bericht zählt.
Die Vorbehalte fallen ebenso konkret aus. Akeneo ist kein zertifizierter GS1-Datapool-Betreiber, Inriver bietet kein natives Modul für das Onboarding von Lieferanten und wächst unter dem Durchschnitt, und Salesforce hat weniger Syndizierungs-Konnektoren als Wettbewerber. Stibo Systems berechnet einige KI-Funktionen separat, die andere Anbieter bündeln, und Syndigos Preismodell kennt zahlreiche Variablen, während die Übernahme von 1WorldSync zusätzlichen Integrationsaufwand bringt.
Die Visionaries fallen durch KI-zentrierte Architekturen auf. Bluestone PIM bietet einen produktiven MCP-Server und lässt Kunden zwischen Sprachmodellen wechseln, Pimcore liefert ein SDK für KI-Agenten sowie eine kostenlose Community Edition, und Viamedici verbindet ein Multidomain-Datenmodell mit visueller Workflow-Modellierung. Niche Player werden für fokussierte Stärken gewürdigt – etwa Equadis als GS1-zertifizierter GDSN-Datapool-Betreiber.
MCP-Server, KI-Reife und Regulierung
Viele Anbieter liefern inzwischen Model-Context-Protocol-(MCP-)Server aus, damit KI-Assistenten wie Claude von Anthropic oder Copilot von Microsoft direkt mit PIM-Daten arbeiten können. Gartner erwartet, dass MCP und Assistenten mit der Zeit zur wichtigsten Schnittstelle zu PIM-Systemen werden, warnt aber, dass Anbieter noch Fragen zu Token-Kosten, Sicherheit und Berechtigungen klären müssen. Kunden verlangen Kostentransparenz und belastbare rollenbasierte Zugriffskontrollen. Der Reifegrad ist unterschiedlich: Akeneos neue Agenten erfordern gründliche Tests, apollon plant MCP-Server und Assistenten für das vierte Quartal 2026, und die MCP-Integration von insightsoftware steht noch aus.
Bei der Regulierung sieht Gartner Nachholbedarf. Die Bereitschaft der Anbieter für sich wandelnde Vorgaben bewertet das Unternehmen als uneinheitlich: Viele verweisen auf flexible Datenmodelle und überlassen es den Kunden, eigene regulatorische Strukturen zu entwerfen, statt Vorlagen oder Beschleuniger anzubieten. Digitale Produktpässe (DPP) im Rahmen der EU-Ökodesign-Verordnung ESPR sind ein wiederkehrendes Thema. Bluestone PIM, Viamedici, Centric Software und Syndigo haben DPP-bezogene Werkzeuge oder Beschleuniger veröffentlicht, während apollon, Pimcore und Pimberly sie auf der Roadmap führen.
Was Entscheider mitnehmen sollten
Für IT-Entscheider und Channel-Partner läuft Gartners Botschaft darauf hinaus, die Produktdatenarchitektur jetzt zu überprüfen und KI-Funktionen vor einem breiten Rollout zu testen. Die Ergebnisse legen zudem nahe, zu klären, welche KI-Funktionen separat lizenziert werden, und darauf zu achten, ob ein Anbieter vorkonfigurierte regulatorische Vorlagen bietet, nicht nur ein flexibles Datenmodell. Gartner berichtet von positiver Kundenstimmung; Unternehmen nennen einen besseren ROI und mehr Effizienz durch moderne PIM-Lösungen. Wie bei Analystenberichten üblich, gibt der Magic Quadrant die Meinung von Gartner wieder und keine Tatsachenfeststellungen.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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