Jürgen Weiss, CISO AI Strategy & Coordination Sigmavista IT Consulting GmbH, mit Carolina Heyder
Auf der Acronis Accelerate in Sofia sprach Jürgen Weiss, CISO AI Strategy & Coordination der österreichischen Sigmavista IT Consulting GmbH aus Traun, mit Carolina Heyder über die langjährige Partnerschaft mit dem Cybersicherheitsspezialisten Acronis, neue ProduktFeatures, operative Effizienz und die Bedrohungslage im DACHRaum.

SSCG: Herr Weiss, Sigmavista ist seit 2012 AcronisPartner. Wie kam es zur Zusammenarbeit, und welche strategischen Überlegungen standen für Sie als CISO im Vordergrund?

Weiss: Ich bin seit rund eineinhalb Jahren als CISO und Head of Managed Operations bei Sigmavista. Vor eineinhalb Jahren habe ich mein Cybersecurity‑Unternehmen in Sigmavista eingebracht. Ich komme aus dem MSSP‑Bereich und habe dort sieben Jahre lang ein erfolgreiches Unternehmen in Österreich aufgebaut. Strategisch war für uns klar: IT‑Operations als reiner MSP werden nicht mehr so funktionieren wie früher. Wir haben Sigmavista als Full‑Service‑Provider mit den Schwerpunkten Data Center, Security und AI‑Services positioniert und die Ressourcen zusammengelegt.

Welche konkreten AcronisLösungen integriert Sigmavista in sein ManagedServicesAngebot? Wie fügt sich das in Ihr bestehendes Sicherheits und BackupPortfolio ein?

Weiss: Wir betreiben das Acronis Data Center an unserem Standort in Oberösterreich in Traun und sind der erste Acronis Cyber Frame‑Anbieter. Im EDA‑Bereich haben wir als erster Cybersecurity‑Partner in Europa Managed Services für die Endpoints erbracht. Sigmavista kommt aus dem Infrastrukturbetrieb mit Patching und Backup. Mit der Strategie von Acronis, alles auf eine Plattform zu bringen, statt fünf unterschiedliche Plattformen aneinander zu flanschen, war das für uns der effizienteste Weg, Services zu automatisieren und die Quality of Service zu steigern. Das ist ein klares Commitment zum gemeinsamen Wachstum mit Acronis.

Welchen messbaren Mehrwert erwarten Ihre Kunden durch diese Partnerschaft – etwa bei Ausfallsicherheit, Wiederherstellungszeiten oder Schutz vor Ransomware?

Weiss: Mit Acronis Cyber Frame und der Acronis‑Plattform haben wir einen 360‑Grad‑Blick auf die komplette Infrastruktur. Wir können Alerts und Verwundbarkeiten schneller einschätzen und mit Hilfe von KI False Positives reduzieren. Für Kunden bedeutet das weniger Fehleranfälligkeit, weniger abzustimmende False Positives und geringeren Bedarf an eigener IT‑Abteilung, speziell im KMU‑Bereich. Schwachstellen lassen sich on the run aus der Plattform beheben, statt wochenlang zu warten.

Aus Ihrer Rolle als Head of Managed Operations: Welche Sicherheitsanforderungen mussten erfüllt sein, damit Sie sich für Acronis als Partner entschieden haben, statt für andere Anbieter am Markt?

Weiss: Acronis kann zu 99,9 Prozent alles abdecken. Natürlich gibt es im Security‑Bereich, wenn es in Richtung SIEM‑Lösungen oder Endpoint‑Protection geht, andere Hersteller. Aber man läuft nicht mehr mit dem Bauchladen herum und sagt, ich habe jetzt zehn Hersteller für genau einen Bedarf, sondern fokussiert sich auf hochkompetente, innovative Partner, die (fast) alles aus einer Hand bieten.

Wie verändert die Partnerschaft konkret Ihre täglichen Betriebsprozesse – etwa im Monitoring, in der Incident Response oder bei der Automatisierung von Backup und RecoveryWorkflows?

Weiss: Alles, was im Bereich von Service‑Desk ist, wird viel automatisierter und einfacher, und es ist leichter, die SLAs einzuhalten. Dann gibt es die Subject‑Matter‑Experten, ob das jetzt der IT‑Betrieb ist, das Patch‑Management oder die Security‑Themen. Für uns geht das Service‑Desk mit der Service‑Delivery und dem SOC‑Team in einem Team zusammen. Das ermöglicht wesentlich effizienteres Arbeiten. Acronis kann man sehr leicht schulen und neue Mitarbeiter leicht anbinden, weil es sehr intuitiv ist. Es ist eine Plattform und alle Informationen sind dort verfügbar. Ich muss sie nicht woanders herholen und wieder reinspielen.

Wie schätzen Sie die aktuelle Lage Ihrer Kunden im DACH-Raum ein, und inwiefern adressiert die AcronisPartnerschaft diese Herausforderungen?

Weiss: Im österreichischen Mittelstand sehen wir vor allem den Fachkräftemangel und eine zunehmende Kosten‑ und Budgetdiskussion auf C‑Level. Viele Unternehmen mit 150 bis 300 Mitarbeitenden hinterfragen den Eigenbetrieb der IT und tendieren zu Managed Services. Ein zentrales Argument ist die Datensouveränität: Wir legen großen Wert auf die Einhaltung von EU‑Regelwerken wie Cyber Resilience Act, AI Act und NIS2 und setzen dabei auf ein europäisches Produkt mit lokalen Datacentern, in denen Kunden ihre Backups auch markt- oder länderspezifisch – etwa in Frankreich – halten können.

Wie genau ermöglicht Acronis Cyber Frame für MSPs die Kontrolle über ihre Infrastruktur zu behalten, ihre Margen zu steigern und IaaS nach ihren eigenen Vorstellungen bereitzustellen?

Weiss: Cyber Frame gibt uns einen 360‑Grad‑Blick auf die Infrastruktur: Patching, Endpoints, Alerts und Verwundbarkeiten laufen auf einer Plattform zusammen, statt in Insellösungen. So können wir Schwachstellen „on the run“ beheben, False Positives mit KI reduzieren und Level‑1‑ und Level‑2‑Prozesse automatisieren – das senkt den Ressourceneinsatz, erhöht die Effizienz und schafft die Basis, Infrastruktur‑Services mit klaren SLAs profitabel zu betreiben.

Markttrends in Sachen Cybersicherheit?

Weiss: Wir sehen erste KI‑gestützte Ransomware‑Incidents, bei denen Verschlüsselungsprozesse selbst nach dem Trennen vom Command‑and‑Control‑Server weiterlaufen und sich heuristisch weiterentwickeln, das erschwert Reverse Engineering erheblich. In Kooperation mit der Threat‑Research‑Unit von Acronis versuchen wir, hier einen Schritt voraus zu bleiben und Kunden im Industriebereich frühzeitig auf den Schutz ihres Intellectual Property und die Verzahnung von Compliance, IT‑Betrieb und Security hinzuweisen. Zugleich ziehen wir klare Grenzen: Anbieter mit OpenAI‑Partnerschaften unterziehen wir einer Risikobewertung, im Zweifel integrieren wir sie nicht und setzen auf Guardrails und „Human in the Loop“in unseren eigenen KI‑Prozessen.

Sie werben mit „ITFullServiceProvider – Das Ganze im Blick“. Können Sie bitte Ihren Ansatz kurz erklären?

Weiss: Unser Alleinstellungsmerkmal ist, dass wir die Domänen richtig identifiziert haben, wo das zukünftige Business laufen wird. Nämlich als kompakter Managed Service für die Bereiche Data Center, Security und KI. Wir sind ein IT‑Full‑Service‑Provider, mit entsprechender Expertise und haben das Ganze im Blick. Dadurch sind wir ein glaubwürdiger Service‑Provider, den es in solchen Konstellationen und der Größe eigentlich kaum gibt. Sowas wie wir findet man eigentlich nur in den größeren Enterprises, die international tätig sind. Wir sind in Österreich ein Hidden Champion.

Sie sind ebenso Head of Strategy & Consulting bei Aqento. Kooperieren Sie auch in dem Bereich mit Acronis?

Weiss: Richtig. Aqento ist als Brand Teil von Sigmavista und fokussiert auf souveräne KI aus einem eigenen, DSGVO‑konformen Datacenter in Österreich. Wir bauen dort Consulting und Success‑Management auf, um KI‑Use‑Cases langfristig zu begleiten, Guardrails zu definieren und den Return on Invest zu prüfen. Organisatorisch trennen wir Security (Ares Managed Operations, SOC in Rumänien) und KI (Aqento), bieten aber im SOC‑Bereich auch Partner‑Services wie MDR für Acronis‑Partner und Kunden an, um Interessenkonflikte zu vermeiden und Know‑how gezielt zu bündeln. Wir versetzen Unternehmen in die Lage, unabhängiger von Cloud-Anbietern zu sein.

Welche nächsten Schritte sind in der Zusammenarbeit mit Acronis geplant, und wo sehen Sie Sigmavista und diese Partnerschaft in den kommenden Jahren?

Weiss: Wir werden unsere Zusammenarbeit intensivieren. Wir haben viele Aufgaben im Bereich Agenten‑KI auf Kundenseite. Diese müssen kontrolliert und gemonitort werden, auch hier müssen beispielsweise Log‑Files gesammelt werden. Wir liefern aus unseren Daily Operations viel Input, auch für Acronis, und werden gemeinsam für unsere Kunden echten Mehrwert schaffen.

Von Carolina Heyder

Carolina Heyder ist Business Analyst und Moderatorin. Sie verfügt über langjährige Expertise über den deutschen und internationalen IT Markt.. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in renommierten Verlagshäusern wie WEKA-Fachmedien, Springer und Aspencore. Ob Text fürs Web oder Print, Audio oder Video. Am Laptop, vor dem Mikrofon oder der Kamera. Ob in Deutsch, Englisch oder Spanisch, Carolina Heyder ist in der IT-Welt Zuhause. Ihre Themenschwerpunkte sind Cybersecurity, Digitale Transformation, Nachhaltigkeit, Storage u. a. Kontakt – Contact via Mail: carolina.heyder@security-storage-und-channel-germany.com

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