Vor dem Hintergrund notwendiger Windows-11-Migrationen und wachsender Ransomware-Bedrohungen vertieft der IT-Dienstleister NetPlans seine Partnerschaft mit dem Endpoint-Spezialisten IGEL – in der Überzeugung, dass der eigentliche Mehrwert nicht in der Hardware, sondern im Betriebssystem liegt.

Im Herzen des deutschen IT-Mittelstands vollzieht sich eine bemerkenswerte Neuausrichtung. NetPlans, der 440 Mitarbeitende starke IT-Dienstleister mit Hauptsitz in Ettlingen bei Karlsruhe sowie 15 Standorten in Deutschland und der Schweiz, vertieft seine Partnerschaft mit dem Endpoint-Spezialisten IGEL — und das mit klarer strategischer Absicht.

Daniel Müller, System Engineer bei NetPlans und seit drei Jahren im Unternehmen, kennt die Materie aus doppelter Perspektive: Vor seiner Zeit bei NetPlans war er selbst Kunde des Hauses. Rund 20 Mitarbeitende bei NetPlans verfügen inzwischen über IGEL-Expertise, was die Tiefe des Engagements unterstreicht.

Das Fundament der Zusammenarbeit ist stabil, auch wenn sich der Markt gewandelt hat. „IGEL hat sich aus der reinen Hardware zurückgezogen“, erläutert Müller. „Das Volumen ist deutlich geringer — aber der Softwareanteil am Umsatz ist stabiler als je zuvor.“ Diese Nüchternheit verweist auf eine strukturelle Verschiebung: Thin-Client-Hardware rückt in den Hintergrund, das Betriebssystem und das Management-Ökosystem treten in den Vordergrund. Genau hier positioniert sich IGEL mit OS 12.

Loyale Bestandskunden, neue Argumente

Besonders in der Healthcare-Branche und im Sozialwesen ist die Situation laut Müller von einer hohen Kundenloyalität gekennzeichnet. Einrichtungen, die IGEL-Thin-Clients seit Jahren betreiben, schreiben den geringen Administrationsaufwand und die Zuverlässigkeit der Endgeräte hoch. „24/7-Betrieb ist in diesen Umgebungen keine Kür, sondern Pflicht“, so Müller. Dass der Hersteller auch mit Citrix eng verzahnt ist, kommt hinzu: Viele Kunden im Healthcare-Segment betreiben Citrix-basierte virtuelle Desktops und schätzen das abgestimmte Zusammenspiel beider Lösungen.

Die zentrale Herausforderung liegt für Müller jedoch darin, den Mehrwert von OS 12 über den reinen Thin-Client-Betrieb hinaus zu kommunizieren. „Die Kunden kennen IGEL als Fünf-Jahres-Gerät, das läuft. Das ist gut. Aber OS 12 kann mehr.“ Als Beispiel nennt er die Möglichkeit, das Betriebssystem inzwischen auch auf Notebooks zu installieren — ein Szenario, das den Anwendungsbereich erheblich ausweitet.

Disaster Recovery und Ransomware: IGEL als Sicherheitsnetz

Neue Einsatzszenarien eröffnen sich vor allem rund um das Thema Betriebssicherheit. In Produktionsumgebungen, wo Maschinen auf veralteten Windows-Versionen laufen, bietet IGEL die Möglichkeit, das Endgerät vom Betriebssystem abzukapseln. „Eine Fertigungsanlage steht nicht, weil der Client ein Problem hat“, beschreibt Müller das Prinzip. Die Lösung: Der Prozess läuft weiter, das Endgerät wird separat verwaltet.

Besonders überzeugend ist das Argument im Kontext von Ransomware. Weil IGEL OS schreibgeschützt ist und keine persistente lokale Schicht hat, bietet es eine natürliche Barriere gegen Angriffe, die auf den Endpoint zielen. „Im Angriffsfall lässt sich einfach weiterarbeiten“, so Müller. Für Healthcare-Kunden, die eine Reserve an einsatzfähigen Geräten vorhalten, sei das besonders relevant: „Im Ernstfall können Geräte mit wenigen Handgriffen wieder funktionsfähig gemacht werden — auch ohne spezialisierte IT-Expertise.“

Darüber hinaus eignet sich IGEL als Hypervisor-Plattform, über die im Katastrophenfall schnell alternative Arbeitsumgebungen bereitgestellt werden können. Müller spricht von „nahtlosen“ Übergängen in solchen Szenarien, die im Verbund mit Cloud-Diensten („Hyperscaler“) realisierbar seien.

Neukunden: Windows 11 als Einstiegspunkt

Neben dem Bestandsgeschäft sieht Müller Wachstumspotenzial bei Unternehmen, die bislang nicht mit IGEL gearbeitet haben. Der Trigger: die bevorstehende Windows-11-Migration. „Viele Kunden stehen vor der Entscheidung, ihre Hardware zu ersetzen. Genau in diesem Moment bietet sich IGEL als Alternative an.“ NetPlans geht dabei gezielt vor — mit Proof-of-Concept-Projekten, die den Mehrwert greifbar machen.

Ein weiterer Faktor, der auch bei Neukunden zunehmend Gehör findet: die deutschen Wurzeln von IGEL. Das Unternehmen produziert in Augsburg und steht für ein Souveränitätsversprechen, das in Zeiten wachsender Bedenken gegenüber US-amerikanischen oder asiatischen Anbietern an Gewicht gewinnt. „Das ist kein Marketing-Argument mehr“, beobachtet Müller. „Das trifft einen echten Nerv, gerade bei öffentlichen Einrichtungen und im Healthcare-Bereich.“

MSP-Modell, Lizenzveränderungen und KI-Ausblick

Im Lizenzbereich beobachtet NetPlans eine erhöhte Dynamik. Besonders die Veränderungen im Citrix-Lizenzmodell führen dazu, dass Kunden ihre bisherigen Annahmen überprüfen. NetPlans nutzt diesen Moment, um gestaffelte Lizenzmodelle anzubieten, die Citrix und IGEL kombinieren. Auch das Thema Managed Services (MSP) gewinnt an Bedeutung: Die IGEL-Konsole ermöglicht eine mandantenfähige Verwaltung, die für das Managed-Service-Modell prädestiniert ist.

Den Abschluss bildet ein Ausblick auf das zweite Halbjahr 2026: NetPlans plant, die IGEL-Kompetenzen durch weitere Zertifizierungen zu vertiefen und neue Einsatzszenarien aktiv zu kommunizieren. Die Aufnahme in den IGEL Champions Club, die Nähe zum IGEL Werk Augsburg und die Verstärkung von Vertrieb und Pre-Sales sind konkrete Schritte. Auch das Thema Künstliche Intelligenz steht auf der Agenda — allerdings nicht am Endpoint, sondern an den Stellen, wo Verarbeitung und Analyse sinnvoll sind. „Wir werden mehr darüber erfahren, wo sich der Markt verändert“, so Müller. NetPlans positioniert sich dabei als Partner, der nicht nur Technologie liefert, sondern Kunden bei diesem Wandel aktiv begleitet.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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