Unternehmenssicherheitsteams verlieren zunehmend die Geduld mit isolierten Einzellösungen. Das ist die zentrale Botschaft einer neuen Analyse von Frost & Sullivan mit dem Titel „Frost Radar™: Enterprise Risk Mitigation and Management Platforms, 2026″, die 15 Anbieter bewertet, die Attack Surface Management (ASM), Cyber Threat Intelligence (CTI) und Digital Risk Protection (DRP) in einer einzigen operativen Plattform vereinen können.
Laut dem Bericht Enterprise Risk Mitigation and Management Platforms, verfasst von Danielle VanZandt mit Beiträgen von Jarad Carleton, verschmelzen physische, digitale, operative, finanzielle und geopolitische Risiken zunehmend zu vielschichtigen Bedrohungen, denen klassische, isolierte Risikotools nicht mehr gewachsen sind. Frost & Sullivan argumentiert, dass reine Sichtbarkeit nicht ausreicht: Unternehmen fordern heute Plattformen, die digitale Bedrohungsindikatoren mit physischen Sicherheitssignalen korrelieren und Erkenntnisse in messbare, vorstandsrelevante Risikokennzahlen übersetzen.
Eine neue Kategorie entsteht
Die Analysten definieren Enterprise Risk Mitigation and Management (ERMM) als eigenständige Kategorie, die über das aufkommende Feld des Continuous Threat Exposure Management (CTEM) hinausgeht. Um für den Radar qualifiziert zu sein, musste eine Plattform ASM, CTI und DRP nativ gemeinsam bereitstellen, Abhilfemaßnahmen ohne Rückgriff auf externe Tools durchführen können und sowohl eine Outside-in- (Angreiferperspektive) als auch eine Inside-out-Perspektive (interne Risikosicht) bieten. Von mehr als 30 selbsternannten ERMM-Anbietern erfüllten nur 15 diese Kriterien.
Check Point führt das Feld an
Check Point erreichte mit einem Innovation Score von 4,30 und einem Growth Score von 4,05 – den höchsten kombinierten Werten der Studie – die Spitzenposition als Visionary Leader. Frost & Sullivan schreibt dies der ThreatCloud-Intelligence-Engine, umfangreicher Telemetrie und evidenzbasierter Analytik des Unternehmens zu, die die Priorisierung durch die Korrelation externer Bedrohungen mit organisatorischen Schwachstellen und Kontrolldefiziten stärken.
Das Wachstum sei laut Bericht maßgeblich durch Akquisitionen getrieben worden. Die Übernahmen von Cyberint und Veriti erweiterten Check Points Fähigkeiten in den Bereichen Threat Intelligence und automatisierte Schadensbehebung, während die jüngere Akquisition von Cyclops die ASM-Fähigkeiten für Cyber-Assets sowie die Kontextualisierung von Risiken stärkte. Die Analysten heben zudem das breite Channel-Ökosystem sowie Integrationen mit SIEM-, SOAR- und Ticketing-Plattformen als weitere Wachstumshebel hervor.
Dennoch benennt der Abschnitt „Frost Perspective“ Verbesserungspotenzial: ein optimiertes Workflow-Management für nicht-technische Teams, erweitertes Governance-orientiertes Reporting für Vorstände sowie fortgesetzte Investitionen in KI-Erklärbarkeit, um Vertrauen in automatisierte Abhilfemaßnahmen aufzubauen.
Das restliche Feld
Neben Check Point finden sich im Quadranten der Visionary Leaders auch Group-IB, Recorded Future, Fortinet und Rapid7 – Anbieter, die laut Bericht starke Innovationskraft mit nachgewiesener kommerzieller Umsetzung über Sicherheits-, Governance- und Betriebsanwendungsfälle hinweg verbinden.
Der Quadrant der Innovators umfasst BlueVoyant, ReliaQuest, Bitsight, Palo Alto Networks und CrowdStrike. Frost & Sullivan beschreibt diese Unternehmen als ebenbürtig zu den führenden Wettbewerbern in Bezug auf Plattformdesign und die Nutzung von Megatrends – insbesondere KI-Integration und domänenübergreifende Sichtbarkeit –, sieht die Herausforderung jedoch darin, diese technische Vision in konkretes Wachstum umzusetzen.
Als Contenders komplettieren Resecurity, CloudSEK, RiskProfiler, UpGuard und CYFIRMA den Radar. Der Bericht beschreibt diese Gruppe als Start-ups oder Spezialanbieter, die sich von Nischentools zu umfassenderen ERMM-Angeboten weiterentwickelt haben und mit reifenden Plattformen erhebliches Störpotenzial mitbringen.
Wohin sich der Markt entwickelt
Die Best-Practice-Empfehlungen von Frost & Sullivan setzen für Unternehmen drei Prioritäten: die Konsolidierung von ASM, DRP, CTI und Third-Party-Risk-Monitoring in einer Plattform, um operative Silos aufzubrechen; die Einbettung von Automatisierung und KI-gestützter Triage direkt in SIEM-, SOAR- und ITSM-Workflows, statt ERMM als passive Überwachung zu behandeln; sowie die Ausweitung von Risikoprogrammen auf Identitätsrisiken, Schatten-KI-Nutzung und nicht-menschliche Identitäten, da Angreifer zunehmend Zugangsdaten, APIs und Maschinenkonten ins Visier nehmen.
Die Analysten identifizieren drei entsprechende Wachstumschancen für Anbieter: die steigende Nachfrage von Unternehmen nach konsolidierten, CTEM-ausgerichteten Plattformen; wachsende Angriffsflächen durch Cloud-Adoption, Remote-Arbeit und nicht-menschliche Identitäten; sowie die Unternehmensnachfrage nach Automatisierung und vorstandstauglichem Reporting angesichts anhaltenden Fachkräftemangels in der Sicherheitsbranche.
Da mehr als 30 Anbieter den ERMM-Status anstreben, aber nur die Hälfte die Kriterien von Frost & Sullivan erfüllt, deutet der Bericht darauf hin, dass sich die Kategorie noch konsolidiert – und dass jene Anbieter, die technische Breite mit nachweisbaren Geschäftsergebnissen verbinden können, die nächste Phase prägen werden.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de