Die Partnerschaft zwischen New Relic und AWS erreicht einen neuen Meilenstein: Mehr als eine Milliarde US-Dollar Transaktionsvolumen über den AWS Marketplace unterstreichen die wachsende Bedeutung intelligenter Observability-Lösungen für Unternehmen.
Die Zusammenarbeit zwischen New Relic und Amazon Web Services (AWS) erreicht einen neuen Meilenstein: Der Anbieter für intelligente Observability hat die Schwelle von mehr als einer Milliarde US-Dollar Transaktionsvolumen über den AWS Marketplace überschritten. Damit zählt New Relic zu einem exklusiven Kreis von AWS-Partnern, die dieses Niveau erreicht haben. Für beide Unternehmen ist dies ein Zeichen dafür, dass der Bedarf an integrierten Lösungen für Cloud-Überwachung, Anwendungsanalyse und KI-gestützte Betriebsprozesse weltweit weiter zunimmt.
Die Entwicklung basiert auf einer langjährigen strategischen Partnerschaft, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut wurde. Im Mittelpunkt steht die enge Integration der Plattform von New Relic in die AWS-Infrastruktur. Unternehmen, die ihre Anwendungen und Systeme auf AWS betreiben, können Telemetriedaten aus ihren Cloud-Umgebungen zentral erfassen und analysieren. Dadurch erhalten IT-Teams einen umfassenden Überblick über Infrastruktur, Anwendungen und digitale Services.
Vor allem in komplexen Multi-Cloud- und Hybridumgebungen gewinnt Observability zunehmend an Bedeutung. Unternehmen stehen unter Druck, digitale Services jederzeit stabil und performant bereitzustellen. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit. Observability-Lösungen sollen dabei helfen, Fehlerquellen schneller zu identifizieren, Ursachen automatisiert einzugrenzen und Ausfälle möglichst frühzeitig zu verhindern.
Nach Angaben von New Relic wurde die Zusammenarbeit mit AWS deshalb gezielt erweitert. Neben klassischen Monitoring-Funktionen entstanden zusätzliche Integrationen für Incident-Management, Ursachenanalysen und automatisierte Reaktionen auf Störungen. Ziel ist es, die Zeitspanne zwischen der Erkennung eines Problems und dessen Behebung deutlich zu verkürzen.
Besonders relevant ist dieser Ansatz in Branchen mit hohen Anforderungen an Stabilität und Verfügbarkeit. Im Finanz- und Versicherungssektor etwa gelten Datenqualität und Systemzuverlässigkeit als geschäftskritisch. Hier können tief integrierte Observability-Plattformen dazu beitragen, Störungen schneller einzuordnen und fundierte Entscheidungen bei der Fehlerbehebung zu treffen.
Auch im Einzelhandel spielen Performance-Daten eine immer größere Rolle. Digitale Vertriebskanäle und Online-Shops reagieren sensibel auf Verzögerungen oder Systemausfälle. Schon kurze Unterbrechungen können direkte Auswirkungen auf Umsatz und Kundenzufriedenheit haben. Durch die Kombination von Infrastruktur- und Experience-Daten lassen sich technische Probleme schneller mit konkreten Auswirkungen auf Kundenerlebnisse verknüpfen.
Ein weiterer Schwerpunkt der Partnerschaft liegt im SAP-Umfeld. Viele deutsche Unternehmen befinden sich derzeit in umfangreichen Modernisierungs- und Migrationsprojekten rund um „RISE with SAP on AWS“. Dabei geht es häufig darum, bestehende ERP-Landschaften in Cloud-Umgebungen zu überführen, ohne Transparenz über kritische Prozesse und Abhängigkeiten zu verlieren.
New Relic positioniert sich in diesem Markt als zertifizierte Observability-Plattform für RISE with SAP. Nach Unternehmensangaben erfolgt die Integration vollständig agentenlos über SAP-eigene Schnittstellen. Dadurch sollen Eingriffe in bestehende Systeme vermieden und Compliance-Anforderungen einfacher eingehalten werden können. Gerade im regulierten Enterprise-Umfeld gilt dies als wichtiger Faktor.
Mit Blick auf die weitere Entwicklung rückt zudem das Thema agentische Künstliche Intelligenz in den Fokus. Neue Integrationen zwischen dem New Relic MCP-Server und dem AWS DevOps Agent sollen es ermöglichen, Live-Telemetriedaten automatisiert auszuwerten und Ursachenanalysen weitgehend selbstständig durchzuführen.
Ein Beispiel dafür ist die automatisierte Reaktion auf Störungen über AWS AppConfig. Dabei können Systeme bei erkannten Problemen selbstständig Gegenmaßnahmen einleiten, etwa durch Rollbacks von Feature-Flags oder die Anpassung bestimmter Konfigurationen. Der gesamte Prozess von der Erkennung bis zur Problemlösung soll dadurch innerhalb weniger Minuten erfolgen.
Auch im Bereich datenbasierter Entscheidungsprozesse wollen beide Unternehmen enger zusammenarbeiten. New Relic verweist in diesem Zusammenhang auf eine native One-Click-Integration in Amazon Quick, die AWS-Teams direkten Zugriff auf relevante Observability-Insights ermöglichen soll. Ziel ist es, technische und betriebliche Informationen schneller für Kundenprojekte und Entscheidungsprozesse verfügbar zu machen.
Thomas Lloyd, Chief Business and Operations Officer bei New Relic, bewertet die Überschreitung der Milliardenmarke als Signal für die langfristige Nachfrage nach intelligenten Observability-Lösungen. Zugleich sieht das Unternehmen die Entwicklung als Grundlage für den weiteren Ausbau KI-gestützter Betriebsmodelle.
Für den europäischen Markt spielt daneben die regionale Infrastruktur eine wichtige Rolle. New Relic ist über den AWS Marketplace auch aus europäischen Rechenzentren verfügbar. Unternehmen können dadurch bestehende AWS-Verträge und Budgets nutzen und gleichzeitig Anforderungen an Datenhaltung und Compliance berücksichtigen.
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass Observability zunehmend über klassisches Monitoring hinausgeht. Während früher vor allem einzelne Systeme oder Anwendungen überwacht wurden, rücken heute automatisierte Analysen, KI-gestützte Prozesse und geschäftsrelevante Echtzeitdaten in den Mittelpunkt. Die Milliardenmarke im AWS Marketplace ist daher nicht nur ein wirtschaftlicher Meilenstein für New Relic, sondern auch ein Hinweis darauf, wie stark sich der Markt für intelligente Betriebs- und Observability-Plattformen derzeit verändert.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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