Greg Kras, Chief Product Officer KnowBe4
Der Sicherheitsanbieter KnowBe4 hat eine neue Simulationsfunktion für Voice-Phishing (Vishing) angekündigt. Unternehmen sollen damit Mitarbeiter gezielt auf telefonbasierte Social-Engineering-Angriffe vorbereiten, die laut mehreren Branchenberichten in den vergangenen zwei Jahren deutlich zugenommen haben.

Vishing habe sich von einer Nischentaktik zu einem verbreiteten Angriffsvektor entwickelt, teilt KnowBe4 mit. Als Beleg verweist das Unternehmen auf mehrere externe Studien: Der Global Threat Report 2025 von CrowdStrike verzeichnete zwischen der ersten und zweiten Jahreshälfte 2024 einen Anstieg der Vishing-Aktivitäten um 442 Prozent. Der M-Trends-Report 2026 von Mandiant stuft Voice-Phishing mittlerweile als einen der wichtigsten Erstinfektionsvektoren ein, denen Unternehmen ausgesetzt sind. Und der Verizon Data Breach Investigations Report 2026 kommt laut KnowBe4 zu dem Ergebnis, dass Beschäftigte mit einer um 40 Prozent höheren Wahrscheinlichkeit auf telefonbasierte Simulationstests hereinfallen als auf klassisches E-Mail-Phishing.

„Ein dringender Anruf von jemandem, der vorgibt, aus der IT-Abteilung oder der Geschäftsführung zu stammen, erzeugt augenblicklich Druck. Cyberkriminelle nutzen KI-Stimmklone, um solche Anrufe überzeugend klingen zu lassen“, sagte Greg Kras, Chief Product Officer bei KnowBe4, laut Unternehmensangaben. Sicherheitsteams könnten sich nicht mehr ausschließlich auf den E-Mail-Posteingang konzentrieren, um im Unternehmen Widerstandsfähigkeit aufzubauen.

Die simulierten Vishing-Angriffe sind ab sofort im Bereich „Angriffe und Simulationen“ der KnowBe4-Plattform verfügbar. Nach Angaben des Anbieters richtet sich die Funktion sowohl an menschliche Mitarbeiter als auch an KI-Agenten. Die Ergebnisse fließen in dieselben Berichte und in dieselbe Risikotransparenz ein wie die bestehenden Phishing- und Schulungsdaten und wirken sich auf den unternehmenseigenen Risk Score aus, der laut KnowBe4 eine kanalübergreifende Übersicht über menschliche und KI-bezogene Risiken liefern soll.

Zu den zentralen Merkmalen der neuen Funktion zählt laut KnowBe4 zunächst die Erweiterung bestehender Awareness-Schulungen um den Kommunikationskanal Telefon, der als einer der am schnellsten wachsenden und zugleich am wenigsten getesteten Vektoren für Social Engineering gilt. Mitarbeiter sollen zudem in einer kontrollierten Umgebung üben können, unter Druck ausgeübte Telefontaktiken zu erkennen, bevor sie ihnen im Ernstfall erstmals begegnen. Für Sicherheitsverantwortliche stellt das Unternehmen eigene Berichte zur Anfälligkeit gegenüber Vishing bereit, die einen datengestützten Überblick über sprachbasierte Risiken liefern und in den Gesamt-Risk-Score einfließen sollen. Die Simulationen selbst arbeiten nach Unternehmensangaben mit lokalen Anrufer-IDs, realistischen Rollen und anpassbaren, mehrstufigen Szenarien, die reale Angriffsabläufe nachbilden sollen.

Kras betonte, dass Unternehmen, die in diesem Jahr von Sicherheitsvorfällen betroffen waren, in der Regel nicht auf ein generisches Telefonbetrugsskript hereingefallen seien, sondern auf ein geduldiges, anpassungsfähiges Gespräch, das in jedem Schritt legitim gewirkt habe. Eine Schulung, die auf einem geringeren Anspruch aufsetze, bereite Mitarbeiter nicht auf die tatsächliche Bedrohungslage vor, so der Manager laut Unternehmensangaben.

Mit der Erweiterung reagiert KnowBe4 auf eine Entwicklung, die Sicherheitsverantwortliche schon länger beobachten: Während E-Mail-Phishing seit Jahren im Zentrum von Awareness-Programmen steht, blieb die Telefonkommunikation in vielen Unternehmen bislang ein blinder Fleck der Schulungsstrategie. KnowBe4 positioniert die neue Simulationsfunktion als Ergänzung zu bestehenden Phishing- und Awareness-Programmen, nicht als deren Ersatz.

KnowBe4 zeigt die neue Funktion nach eigenen Angaben auch am Messestand (Nr. 2439) auf der Black-Hat-Konferenz. Weitere Informationen stellt das Unternehmen auf seiner Website bereit.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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