Bechtle-Manager Dr. Olaf Schäfer über stabile Endpunkte, OT-Security und Wachstumspläne: In Zeiten von Ransomware und Supply-Chain-Risiken setzt Bechtle auf IGEL-Lösungen für sichere, unveränderliche Arbeitsumgebungen. Der Virtual-Workplace-Experte erklärt, warum das deutsche Thin-Client-System auch ohne klassische VDI-Zukunft hat.
Dr. Olaf Schäfer, Business Manager Virtual Workplace bei Bechtle in der Region Köln/Bonn, blickt auf mehr als 25 Jahre Erfahrung im IT-Umfeld zurück. Seit 1998 beschäftigt er sich mit Published Desktops, agilem Arbeiten und Partnerschaften u.a. mit IGEL. Als Leiter der strategischen Portfolio-Entwicklung kennt er die Herausforderungen von Bechtle-Systemhäusern in Regensburg, Dortmund, Hamburg, Österreich aus erster Hand.
Community und digitale Souveränität als Erfolgsfaktoren
„Eine funktionierende Community ist essenziell“, betont Schäfer. Seit über 20 Jahren tauschen sich Bechtle-Spezialisten zwei Mal im Jahr für jeweils drei Tage intensiv auf einem gemeinsamen Treffen aus — zu gleichen Herausforderungen, speziellen Projekten und praxisnahen Lösungen. Dieser Austausch sei ein zentraler Erfolgsfaktor. Besonders IGEL stehe für digitale Souveränität: „Deutscher Support ist entscheidend, englischsprachige Barrieren behindern viele Kunden. IGEL wird in Deutschland produziert und arbeitet zu 100 Prozent über den Channel.“
Vom Hardware-Hersteller zum Software-Spezialisten
In den vergangenen Jahren hätten einige Hersteller zwar ins Systemhausgeschäft direkt eingegriffen, doch IGEL meine es ernst mit dem Bekenntnis zum Channel zu 100 Prozent und die langjährige Erfahrung mit IGEL zahle sich aus. „Am Anfang stand oft Misstrauen, als sich IGEL von der Hardware-Fertigung trennte. Doch auf lange Sicht war es der richtige Weg, dass sich IGEL von der Hardware verabschiedet hat.“ Noch heute laufen IGEL-Systeme teilweise seit zehn Jahre stabil, jedoch werden die Anforderungen eines modernen Arbeitsplatzes immer größer. Das OS funktioniert zudem hervorragend auf Hardware wie älteren Notebooks, selbst auf HP Thin Clients und sorgt für deutlich bessere User Experience. Mittlerweile sei auch der Einsatz anderer Hardware möglich und im Bundle von den namhaften Produzenten verfügbar.
Sicherheit als zentrales Thema — auch für KI
Ein zentrales Thema ist die Sicherheit. IGEL positioniert sich als stabiler Endpunkt, insbesondere im Kontext von Künstlicher Intelligenz. Interne KI-Anwendungen benötigen klare Boundaries. Der IGEL-Client im Backend ermöglicht dies ohne Auslagerung sensibler Daten. Gegen Ransomware bietet das unveränderliche Betriebssystem und die Hardware-Verfügbarkeit eine Art „Versicherung“. Selbst bei Ausfällen können Web-basierte Anwendungen wie Microsoft 365 weiterlaufen — als Notnagel mit erhaltener Kommunikation.
MSP-Programm und OT-Security
Bechtle plant ein umfassendes MSP-Programm mit Dual-Boot- oder Boot-Stick-Lösungen. Drei Programme sind vorgesehen: klassisches VDI, BCDR (Business Continuity & Disaster Recovery) sowie ein Hypervisor für Produktionsumgebungen. „Software kann helfen, wenn die Hardware kaputtgeht“, erklärt Schäfer. Ergänzt werde dies durch IoT-Lösungen und Bechtle PLM. OT-Security (Operational Technology) spielt eine wachsende Rolle — sichtbar am starken Auftritt auf der Hannover Messe.
Windows 11 als Wachstumstreiber
Bechtle ist Platinum-Partner für mehrere Gesellschaften. In Österreich läuft das VDI-Programm bereits seit mehreren Jahren erfolgreich. IGEL baut derzeit neue Kompetenzen auf, insbesondere für Behörden und hochsichere Umgebungen. Lange Renewal-Zeiten gehören der Vergangenheit an. Im Rahmen der Windows-10-zu-11-Umstellung dient IGEL als Ausbauoption: Alte Geräte lassen sich auf ein sicheres OS umstellen — besonders relevant, je stärker Kunden auf SaaS setzen.
OS 12: Vom Thin-Client-System zum vollwertigen Betriebssystem
Als deutsches Unternehmen mit Entwicklern vor Ort überzeugt IGEL durch Kontinuität. OS 12 bringt spannende Möglichkeiten für BCDR und Hypervisor-Funktionen. Es entwickelt sich zu einem vollwertigen Betriebssystem mit granularen Updates, was den Betrieb deutlich erleichtert. Erste OS-12-Projekte laufen bereits.
Breite Kundenbasis, positive Wachstumssignale
Die Kundenstruktur ist breit: Rund 70 Prozent kommen aus Retail, Produktion, OT, Healthcare, Versicherungen und Banken. Während einige Branchen zuletzt etwas abflauten, sieht Schäfer positive Signale für eine Trendwende. „Mit überschaubarem Personalaufwand planen wir eine Umsatzentwicklung in einem hohen zweistelligen Prozentbereich.“ Der Restart von IGEL macht einen sehr positiven Eindruck. Das Unternehmen entwickelt sich aktiv weiter — auch ohne alleinige Abhängigkeit vom klassischen VDI — und bewegt sich klar in die richtige Richtung.
Fazit
Für Systemhäuser und Endkunden bleibt IGEL damit eine verlässliche Basis für sichere, flexible und souveräne IT-Arbeitsplätze. In einer Zeit wachsender Cyber-Bedrohungen und geopolitischer Unsicherheiten gewinnt dieser Ansatz weiter an Bedeutung. Bechtle und IGEL positionieren sich gemeinsam als Partner für stabile, zukunftssichere Lösungen.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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