Eine neue Studie von Claroty Team82 zeigt: Obwohl Strom-, Kühl- und Gebäudemanagementsysteme in Rechenzentren selten direkt mit dem Internet verbunden sind, bleiben Tausende von ihnen gefährlich nah an einer Kompromittierung.

Rechenzentren verbinden ihre Strom-, Kühl- und Gebäudemanagementsysteme nur selten direkt mit dem Internet. Eine neue Untersuchung legt jedoch nahe, dass diese scheinbare Isolation weit weniger Schutz bietet, als Betreiber annehmen könnten.

Laut einem Bericht der Claroty-Forschungsabteilung Team82 mit dem Titel „State of CPS Security: Data Center Exposures“ befinden sich 18 Prozent – mehr als 32.000 – von über 174.000 analysierten Infrastruktur-Assets in Rechenzentren genau einen Netzwerk-Hop von einem System mit riskanter ausgehender Verbindung zum öffentlichen Internet entfernt. Die Analyse umfasst mehr als 750.000 cyber-physische Systeme (CPS) in einigen der weltweit größten Rechenzentren, darunter Gebäudemanagementsysteme (BMS), Power Distribution Units (PDUs), unterbrechungsfreie Stromversorgungen (USV), HVAC-/Kühlanlagen und IoT-Sensoren.

Die direkte Internetexposition dieser Asset-Klasse bleibt mit nur 0,4 Prozent gering, so die Forscher. Angreifer benötigen jedoch selten eine direkte Verbindung. Sobald sie über Remote-Zugänge von Drittanbietern, vernetzte Unternehmenssysteme oder vertrauenswürdige Netzwerkbeziehungen Zugang zur IT-Umgebung eines Rechenzentrums erlangt haben, können sie sich seitwärts zu operativer Infrastruktur bewegen, die kritische physische Funktionen steuert.

Power Distribution Units tragen laut Datensatz das höchste relative Risiko: 41 Prozent der 6.486 analysierten PDUs befinden sich einen Hop von einem internetexponierten System entfernt. Da PDUs die Stromversorgung direkt an Server-Racks weiterleiten, warnt Team82, dass ein Angreifer auf dieser Ebene die Stromversorgung zyklisch unterbrechen, abrupte Abschaltungen auslösen oder Hardwareschäden bei zahlreichen Kunden-Workloads verursachen könnte. HVAC- und Kühlsysteme folgen mit 33 Prozent, während Gebäudemanagement- und Automatisierungssysteme – die zentrale Steuerung für Umweltkontrollen, Brandschutz und Notstromaggregate – eine Exposition von 14 Prozent einen Hop entfernt aufweisen.

Der Bericht beleuchtet zudem tiefere strukturelle Schwächen, sobald ein Angreifer diese Systeme direkt erreicht. Mehr als 80 Prozent der OT-Steuerungssysteme, Power-Monitoring-Geräte und IoT-Geräte kommunizieren über veraltete, unsichere Protokolle wie MODBUS und BACnet, denen grundlegende Authentifizierung fehlt und die Daten im Klartext übertragen. Bei BMS-Systemen registrierte Team82, dass 88 Prozent der Geräte über unsichere Protokolle kommunizieren und 40 Prozent veraltete Firmware verwenden. Bei IoT-Geräten wie Umweltsensoren und Asset-Tracking-Tags enthalten 23 Prozent bekannte, aktiv ausgenutzte Schwachstellen (KEVs), und 66 Prozent übertragen Daten im Klartext über HTTP – ein höherer Anteil als bei jeder anderen untersuchten OT- oder IT-Asset-Kategorie.

Die Forscher stellen ihre Ergebnisse in den Kontext realer Angriffe. Im April 2026 berichtete die Threat-Intelligence-Firma Vecert laut dem Bericht, dass die pro-russische Hacktivisten-Gruppe Killnet das französische Rechenzentrum STOR sowie den Notstromlieferanten Alpha Technologies angegriffen, Energie- und Überwachungsdaten exfiltriert und Zugriff auf rund 120.000 USV-Geräte in 6.000 Netzwerken beansprucht habe.

Team82 führt die steigenden Risiken teilweise auf das aktuelle Wachstum von Rechenzentren zurück, das durch die Nachfrage nach KI und dem Training großer Sprachmodelle getrieben wird – allein in den USA sollen dieses Jahr mehrere Gigawatt-Großcampus in Betrieb gehen. Jede Störung von Strom-, Kühl- oder Umweltkontrollsystemen in diesem Maßstab könne zu Ausfällen von Service-Level-Agreements, regulatorischen Konsequenzen und erheblichen finanziellen Verlusten führen, so die Forscher.

Zur Risikominderung empfiehlt der Bericht vier Maßnahmen: Exposure Management, das interne Kommunikationswege abbildet, statt sich ausschließlich auf Perimeterschutz zu verlassen; konsequente Zero-Trust-Netzwerksegmentierung zwischen IT- und Betriebssystemen, insbesondere bei flachen Netzwerkarchitekturen; Härtung von BMS-Plattformen durch Isolation und strikte Authentifizierung; sowie protokollbewusste Bedrohungserkennung, die seitliche Bewegungen über BACnet-, MODBUS- und SNMP-Verkehr überwacht. Hardware-Redundanz allein sei kein Ersatz für die Behebung dieser zugrunde liegenden Schwachstellen, warnen die Forscher, da Backup-Systeme häufig dieselben Sicherheitslücken aufweisen wie die primäre Infrastruktur, die sie eigentlich schützen sollen.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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