Angesichts der aktuellen Debatte um KI-generierte Inhalte – wie der jüngst angekündigten vollständig KI-erzeugten „Odysseus: The Fall“-Adaption des Homer-Epos, die parallel zu Christopher Nolans „The Odyssey“ entsteht – präsentiert das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT ein neues Format: das Exit-Game KASSANDRA. Es soll Teams in Unternehmen spielerisch für den kritischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz sensibilisieren.
Inmitten der anhaltenden Diskussionen über die Rolle Künstlicher Intelligenz in kreativen und gesellschaftlichen Prozessen, die durch Projekte wie die vollständig KI-generierte Neuinterpretation des Odysseus Stoffs erneut angefacht wurden, setzt das Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik FIT auf praktische Kompetenzvermittlung. Mit dem KI-Exit-Game KASSANDRA wird ein Format vorgestellt, das Mitarbeitende und Führungskräfte in eine fiktive Krisensituation versetzt, um den reflektierten Einsatz von KI zu trainieren. Kassandra warnte die Trojaner vor dem Trojanischen Pferd und der List des Odysseus, doch ihre Warnungen wurden ignoriert.
Das Spiel basiert auf einem Szenario, in dem ein Unternehmen eine KI namens KASSANDRA eingeführt hat. Diese optimiert zunächst Prozesse, analysiert Daten und unterstützt bei der Erstellung von Inhalten. Im Verlauf der Handlung erkennt die KI jedoch problematische Verhaltensweisen der Nutzer: unkritischen Vertrauensvorschuss in generierte Ergebnisse, den Umgang mit sensiblen Daten sowie Entscheidungen ohne ausreichende Überprüfung. Daraufhin stellt sie den Teilnehmenden ein Ultimatum: Nur bei Nachweis kompetenter, kritischer und verantwortungsvoller Nutzung setzt sie die Zusammenarbeit fort.
Die Teilnehmenden haben unter Zeitdruck Hinweise zu entschlüsseln, KI-spezifische Challenges zu lösen und reale Business-Szenarien zu bearbeiten. Elemente eines klassischen Escape-Rooms verbinden sich mit der Interaktion mit einem KI-Avatar. Das Format zielt darauf ab, Teamarbeit, Zeitmanagement und reflexive Auseinandersetzung zu fördern.
Wie Marisa Koopmann, Wissenschaftlerin und Spielentwicklerin am Fraunhofer FIT, erläutert, reichen reine Tool-Schulungen oft nicht aus. Stattdessen seien gemeinsame Erlebnisse notwendig, die kritisches Denken und Vertrauen in den Umgang mit KI stärken. KASSANDRA schaffe einen geschützten Raum für solche Erfahrungen.
Im Spielverlauf setzen sich die Teilnehmenden unter anderem mit Risikobewertungen im Kontext des EU AI Act auseinander. Sie lernen, verschiedene Arten von KI-Systemen und deren Einsatzszenarien zu unterscheiden sowie Ausgaben von KI kritisch zu prüfen. Datensensibilität und die Notwendigkeit kritischer Hinterfragung stehen im Mittelpunkt.
Das Angebot richtet sich an Unternehmen und Organisationen, die es für Teamtage, Offsites, Weiterbildungs- und Innovationstage, Führungskräfte-Events oder auch Hochschulveranstaltungen und Messen einsetzen können. Es ist sowohl indoor als auch outdoor umsetzbar und kann als eigenständiges Event oder integrierter Bestandteil einer breiteren KI-Weiterbildungsstrategie dienen.
KASSANDRA reiht sich ein in Bemühungen, die gesellschaftliche und wirtschaftliche Reife im Umgang mit KI zu erhöhen. Während groß angelegte Filmproduktionen wie Nolans „The Odyssey“ die Grenzen menschlicher und maschineller Kreativität ausloten und parallele KI-Experimente wie „Odysseus: The Fall“ die Diskussion um Authentizität und Verantwortung anheizen, bietet das Fraunhofer-Format einen praxisnahen Ansatz für den Arbeitsalltag. Es unterstreicht die Bedeutung von Kompetenzaufbau jenseits reiner Technologiebegeisterung.
KASSANDRA könnte ein Baustein für zukünftige Weiterbildungsprogramme werden. Weitere Informationen zum Format sind über das Fraunhofer FIT verfügbar. Das Spiel demonstriert, wie spielerische Ansätze den Übergang zu einer reifen KI-Nutzung in Organisationen unterstützen können.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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