Das Bundeskabinett hat die Nationale Rechenzentrumsstrategie verabschiedet: Rechenkapazitäten sollen bis 2030 verdoppelt, KI-Kapazitäten vervierfacht werden. Colocation-Rechenzentren bieten Unternehmen dabei eine zukunftsfähige, souveräne und skalierbare Alternative zum eigenen Rechenzentrumsbetrieb.
Vernetzte Produktion, Neo-Cloud, KI-Anwendungen, digitale Verwaltung, jede dieser Entwicklungen erfordert Rechenleistung, Speicher und Netzwerkanbindung in einem Umfang, der vor wenigen Jahren noch nicht absehbar war. Hinter jeder digitalen Dienstleistung stehen physische Rechenzentren, die rund um die Uhr laufen müssen.
Bitkom formuliert es klar: Rechenzentren bilden das unverzichtbare Rückgrat der digitalen Infrastruktur und sind essenziell für die digitale Souveränität sowie für neue Schlüsseltechnologien.
Auf der anderen Seite wächst hierzulande die Kapazität langsamer als der Bedarf, während andere Nationen ihre Infrastrukturen massiv ausbauen. Jedoch digitale Leistungsfähigkeit und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit bedingen einander. Wer bei der Infrastruktur zurückfällt, verliert Wertschöpfung und Business-Chancen.
KI verändert die Infrastrukturanforderungen
GPU-basierte KI-Workloads, Modelltraining, Sprachmodelle, E-Government-Lösungen, verlangen erheblich höhere Leistungsdichten als klassische Unternehmens-IT. Moderne KI-fähige Rechenzentren erreichen ganz andere Rack-Dichten als herkömmliche Serverräume. Das hat direkte Konsequenzen für Kühlkonzepte, Stromversorgung und Netzwerkauslegung.
KI ermöglicht gleichzeitig effizienteren Betrieb: automatisierte Kühlsteuerung und vorausschauende Wartung senken Energieverbrauch und Ausfälle. Moderne Rechenzentren erreichen heute einen PUE-Wert (Power Usage Effectiveness) der sogar unter 1,3 liegen kann.
Die Nationale Rechenzentrumsstrategie: Rahmen und Ziele
Die Strategie richtet sich an Betreiber, Investoren, Ausrüster und die öffentliche Hand. Sie gliedert sich in drei Handlungsfelder: Das erste, Energie und Nachhaltigkeit, zielt darauf ab, Rechenzentren zu einem aktiven Teil der Energiewende zu machen. Das zweite, Standort und Fläche, setzt auf kürzere Genehmigungs- und Planungsverfahren sowie ausgewiesene Vorzugsflächen. Das dritte, Technologie und Souveränität, umfasst den Aufbau europäischer KI-Rechenkapazitäten und die Unterstützung einer KI-Gigafabrik in Deutschland.
Heute vergehen vom ersten Genehmigungsantrag bis zur Inbetriebnahme eines neuen Rechenzentrums manchmal vier bis sechs Jahre.
Die RZ-Strategie setzt hier mit Beschleunigungsmaßnahmen an. Sie stärkt diesen Rahmen gezielt durch Investitionsanreize und Ansätze für europäische KI-Recheninfrastruktur. Ihre Umsetzung soll innerhalb der nächsten zwölf Monate beginnen und jährlich überprüft werden.
Colocation: Eine zukunftsfähige Alternative
Für die meisten Unternehmen ist der Betrieb eines eigenen Rechenzentrums mit hohem Aufwand verbunden: Zertifizierungen, Betriebssicherheit, Energieversorgung, Fachpersonal. Colocation löst dieses Problem: Das Unternehmen betreibt seine eigene Hardware in einem professionell betriebenen Rechenzentrum und mietet Stellfläche, Strom und Konnektivität, ohne die Infrastruktur selbst vorzuhalten.
Wichtige Vorteile:
• Skalierbarkeit: Kapazitäten lassen sich kurzfristig erweitern, ohne Bauprojekte anzustoßen. IT-Wachstum bleibt planbar.
• Konnektivität und Latenz: Colocation-Standorte verfügen über mehrfache Carrier-Anbindungen und direkten Zugang zu Internet Exchange Points, das minimiert Latenzzeiten und maximiert Bandbreite.
• Sicherheit: Zertifizierter Betrieb nach ISO 27001 und anderen, mit physischer Zutrittskontrolle, redundanter Stromversorgung und 24/7-Überwachung. Dies Niveau ist für interne Serverräume nicht leicht zu erreichen.
• Volle Datenhoheit: Eigene Hardware bedeutet vollständige Kontrolle über Daten und Zugriffe. Keine geteilten Ressourcen, kein Risiko ungewollter Weitergabe.
• Digitale Souveränität: Anbieter mit deutschem Rechtssitz und europäischer Eigentümerstruktur unterliegen europäischem Recht, ohne Zugriff durch Drittstaaten.
• Regionale Nähe: Lokale Anbieter kennen die regulatorischen Anforderungen, die Netzinfrastruktur und die Unternehmenslandschaft ihres Standorts. Kurze Reaktionszeiten und direkte Ansprechpartner sind bei globalen Anbietern hingegen Mangelware.
• Nachhaltigkeit: Colocation-Rechenzentren betreiben ihre Anlagen mit erneuerbaren Energien, nutzen Abwärme für Fernwärmenetze und setzen auf moderne Kühlkonzepte, ein messbarer Beitrag zu ESG-Zielen.
Es besteht Nachholbedarf
Bitkom formuliert in seiner Stellungnahme: Deutschland muss jetzt handeln, bevor es für eine neue Innovationsfähigkeit zu spät ist.
Dem stimmt Falk Weinreich, CEO vom Colocation-Rechenzentrum Portus Data Centers, zu: „Die neue Rechenzentrumsstrategie der deutschen Regierung ist mutig und ein wichtiger Schritt in Richtung eines wettbewerbsfähigen und digital souveränen Europas. Portus Data Centers unterstützt diese Strategie nachdrücklich und verpflichtet sich, weiter in eine sichere, vernetzte und skalierbare deutsche digitale Infrastruktur zu investieren“.
In der Praxis: Maximale Performance, minimale Latenz
Ein Beispiel für ein Edge-Colocation-Rechenzentrum ist die Portus Data Centers Group mit Standorten in Hamburg, München und Luxemburg. Das Unternehmen bietet carrier-neutrale Colocation mit internationaler Konnektivität. Die Datenverarbeitung erfolgt aber dezentral und näher am jeweiligen Nutzungsort, wodurch sich unter anderem geringere Latenzen und eine Datenhaltung innerhalb des europäischen Rechtsraums ergeben.
Fazit
Ohne leistungsfähige Recheninfrastruktur keine digitale Wirtschaft und keine Zukunft. Das ist die Kernaussage der Nationalen Rechenzentrumsstrategie. Die Ziele bis 2030 sind ehrgeizig und deren Erfolg hängt von verschiedenen Faktoren ab: u. A. beschleunigten Genehmigungsverfahren, moderner Infrastruktur und qualifizierten Fachkräften.
Für Unternehmen, die ihre IT-Infrastruktur neu ausrichten, sind lokale Colocation-Rechenzentren eine überzeugende Wahl: Sie vereinen technische Leistungsfähigkeit mit Datensouveränität, regionaler Nähe und Rechtssicherheit im europäischen Rahmen.
Carolina Heyder ist Business Analyst und Moderatorin. Sie verfügt über langjährige Expertise über den deutschen und internationalen IT Markt.. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in renommierten Verlagshäusern wie WEKA-Fachmedien, Springer und Aspencore. Ob Text fürs Web oder Print, Audio oder Video. Am Laptop, vor dem Mikrofon oder der Kamera. Ob in Deutsch, Englisch oder Spanisch, Carolina Heyder ist in der IT-Welt Zuhause. Ihre Themenschwerpunkte sind Cybersecurity, Digitale Transformation, Nachhaltigkeit, Storage u. a.
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