Richard Pimper COO CTO Portus Data Centers
Richard Pimper ist neuer COO und CTO bei Portus Data Centers. Der Branchenkenner – zuletzt in Führungsposition bei Huawei – spricht mit Carolina Heyder über den Wandel im Rechenzentrumsmarkt, steigenden Strombedarf, Energieeffizienz, die Expansionsstrategie des Colocation-Anbieters im DACH-Raum und darüber, weshalb lokale Infrastruktur für Unternehmen strategisch unverzichtbar ist.

Carolina Heyder, CH: Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer neuen Rolle. Sie verfügen über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Branche, zuletzt als Vice President und Chief Technology Officer Digital Power bei Huawei. Was bringen Sie zu Portus Data Centers mit?

Richard Pimper, RP: Ich bringe umfassende Expertise an der Schnittstelle von Technologie, Betrieb und Wirtschaftlichkeit mit. Zudem habe ich bei US-amerikanischen, europäischen und chinesischen Unternehmen gearbeitet und war als Nicht-Chinese auf einer der höchsten Hierarchiestufen bei Huawei in Europa. Das heißt, ich verstehe die technologischen Ökosysteme dieser Märkte, ihre Managementkulturen und ihre Unterschiede. In unserer globalen Welt, in der Technologieanbieter aus verschiedenen Teilen der Welt auf denselben Märkten konkurrieren, ist dieses Verständnis von klarem Vorteil.

In meiner Karriere habe ich mehrfach Unternehmen restrukturiert, aufgebaut und skaliert – und genau hier bringe ich mich bei Portus Data Centers ein.

CH: Warum werden die Funktionen des COO und des CTO zusammengelegt? Welche Synergien entstehen dadurch?

RP: Die Entscheidung war pragmatisch und strategisch zugleich. Wir haben rund 100 Mitarbeiter an drei Standorten: Luxemburg, München und Hamburg. Das Unternehmen befindet sich in einer gezielten Restrukturierungsphase, in der technische Steuerung und operativer Betrieb eng verzahnt sind. Als COO verantworte ich den laufenden Betrieb, als CTO die IT-Strategie und die Technologie-Roadmap. Diese Bereiche haben viele Überschneidungen. Sogar im Sales-Prozess bin ich eingebunden, denn Kunden tragen maßgeblich dazu bei, welche Technologien wir weiterentwickeln. Wir haben einen ganzheitlichen Blick auf den Markt und unsere Zielgruppe.

CH: Was sind Ihre konkreten Ziele bei Portus Data Centers und wo setzen Sie an?

RP: Portus Data Centers soll sich als größter, unabhängiger Mittelskaler im DACH-Markt etablieren. Wir sind eben kein Hyperscaler, sondern nah dran an den Unternehmen, die skalierbare, sichere und energieeffiziente Infrastruktur brauchen. Pro Standort planen wir bis zu 40 bis 50 Megawatt: groß genug für unsere Kunden, flexibel genug für individuelle Anforderungen. Wir verfolgen eine klare Buy-and-Build-Strategie: Bestandsobjekte mit Potenzial akquirieren, ausbauen und parallel auf angrenzenden Flächen neu bauen. München zeigt das in der Praxis: Neben dem laufenden Rechenzentrum entsteht gerade MUC2 in Kirchheim mit zusätzlichen 5,5 MW, womit der Standort künftig insgesamt 7 MW bereitstellt.

CH: Der Rechenzentrumsmarkt hat sich verändert. Welche Entwicklungen prägen ihn am stärksten, und wie positioniert sich Portus dazu?

RP: Wir befinden uns an einem Wendepunkt. Der Markt erlebt gleichzeitig mehrere Verschiebungen: eine beispiellose Nachfragesteigerung durch KI-Workloads, einen stark gestiegenen Energiebedarf, verschärfte Nachhaltigkeitsanforderungen und die angestrebte digitale Souveränität. Diese Faktoren verstärken sich gegenseitig und stellen eine Herausforderung dar. Gleichzeitig entstehen Chancen. Unternehmen, die bisher eigene Rechenzentren betrieben haben, merken, dass der Betrieb einer veralteten On-Premises-Infrastruktur weder wirtschaftlich noch technologisch sinnvoll ist. Da kommen wir ins Spiel. Unser Mehrwert liegt in der Nähe zum Kunden, in der hochvernetzten und skalierbaren Infrastruktur und in der Unabhängigkeit. Wir sind nicht Teil eines globalen Konzerns, und das ist für viele Kunden ein entscheidendes Kriterium.

CH: Der KI-Boom treibt den Bedarf an Rechenleistung enorm in die Höhe. Wie wirkt sich das auf Ihre Infrastrukturplanung und Kapazitätsanforderungen aus?

RP: KI hat ganz klar einen Einfluss darauf, denn sie verändert konkret, was Kunden von uns benötigen. In Gesprächen mit Unternehmen – und das aus den unterschiedlichsten Branchen – stellen wir fest, dass sie zunehmend KI-fähige Infrastrukturen nachfragen: höhere Leistungsdichten, spezifische Kühlkonzepte, geringere Latenzen zu Backbone-Netzen. Das fließt selbstverständlich in unsere Planung mit ein.

Beim Thema Liquid Cooling zum Beispiel gibt es nicht die eine Lösung, sondern mehrere Varianten, von Rear-Door-Heat-Exchangern bis hin zu Direct Liquid Cooling an der CPU. Bevor wir eine Entscheidung treffen, führen wir intensive technische Gespräche mit dem Kunden: Welche Server-Generationen setzen sie aktuell ein? Was planen sie in drei Jahren? Diese Tiefe der Auseinandersetzung ist charakteristisch für unseren Ansatz.

CH: Die European Data Centre Association nennt in ihrem aktuellen „State of European Data Centres“-Bericht nicht Geld, sondern Strom als größtes Hindernis. 67 Prozent der Befragten sehen Stromzugang als ihre größte Herausforderung. Stimmen Sie zu, und wie löst man dieses Problem?

RP: Voll und ganz. Der enorm gestiegene Energiebedarf – getrieben durch KI, Cloud und die Digitalisierung – trifft auf eine Infrastruktur, die dafür schlicht nicht ausgelegt wurde. Das Problem ist dabei weniger das absolute Stromangebot in Europa als die Verteilung: Leistung entsteht häufig nicht dort, wo Nachfrage ist. Die Übertragung von A nach B ist kostenintensiv, zeitaufwändig und regulatorisch komplex. In Deutschland kommt erschwerend hinzu, dass der Genehmigungsprozess für neue Trassen und Umspannwerke lange dauert.

Lösungsansätze gibt es mehrere: Erstens Kooperationen mit lokalen Energieversorgern. In Deutschland existieren bereits Modelle, bei denen Stadtwerke gemeinsam mit Colocation-Betreibern Stromkapazitäten einbringen. Zweitens On-Site-Erzeugung, etwa durch Batteriespeicher und perspektivisch eigene Energieproduktion, um die Netzabhängigkeit zu verringern. Drittens die Standortwahl: Wir prüfen Standorte konsequent nach verfügbarer Leistung, bevor wir über Grundstücke oder Genehmigungen sprechen. Das schließt manche Stadt aus, eröffnet aber neue Optionen.

Und schließlich die gesellschaftliche Dimension: Rechenzentren gelten oft als Stromfresser, können aber der lokalen Infrastruktur viel zurückgeben, etwa durch Abwärmenutzung für Fernwärmenetze. Ein gut geführtes Rechenzentrum kann so echten Mehrwert für eine Gemeinde schaffen.

CH: Wachsender Energiebedarf auf der einen, Nachhaltigkeitsziele auf der anderen Seite. Wie sichern Sie Kapazitäten, ohne die Umweltbilanz zu belasten?

RP: Das ist keine Entweder-oder-Frage, sondern eine Designaufgabe. Unsere Gruppe bezieht nachweislich 100 % erneuerbare Energie. Beim Kühlkonzept setzen wir auf Free Air Cooling, das in Hamburg rund 90 % des Jahres und in München einen Großteil der Zeit funktioniert, mit klaren wirtschaftlichen Vorteilen: Unser PUE liegt deutlich unter dem Branchendurchschnitt. Für Kunden mit eigenen Nachhaltigkeitszielen ist das ein wichtiges Argument. Darüber hinaus planen wir in Richtung On-Site-Energiegewinnung mit Batteriespeichern, Photovoltaik und Partnern aus der Energiewirtschaft. Nachhaltigkeit ist für uns kein Compliance-Thema, sondern ein wirtschaftlicher Hebel.

CH: Mit der Rechenzentrumserweiterung in München verdoppeln Sie die Fläche und vervierfachen die Kapazität. Werden Sie Anfang 2027 fertig sein?

RP: Ja, wir liegen im Plan. Das Gebäude selbst wird noch in diesem Jahr fertiggestellt. Die formelle Übergabe erfolgt Anfang 2027. Das ist das Brownfield-Greenfield-Muster in Reinform: Wir nutzen bestehende Infrastruktur, Netzanschlüsse und Betriebsstrukturen und bauen skalierbar darauf auf. München ist damit eine Showcase für unsere gesamte Expansionsstrategie.

CH: Sie expandieren gleichzeitig in Hamburg und Luxemburg. Ist dies rein kundengetrieben oder gibt es strategische Gründe?

RP: Beides, und das ist kein Widerspruch. Die unmittelbare Expansion ist kundenseitig getrieben: Wir haben Nachfrage, wir haben uns die Flächen gesichert, wir bauen. In Hamburg entwickeln wir Hamburg 4, einen Neubau mit mehr als 12 Megawatt, der durch die herausragende Telekommunikationsanbindung des Standorts besonders attraktiv ist. Luxemburg gilt als europäisches Gateway und ist für Kunden interessant, die innerhalb der EU Redundanz aufbauen wollen, ohne auf ein zweites deutsches Rechenzentrum zu setzen.

Wir sichern Flächen und Stromanschlüsse, bevor wir wissen, welcher konkrete Kunde kommt. Das ist eine bewusste Wette auf zukünftigen Bedarf. Angesichts der Marktdynamik ist das sinnvoll. Wer heute wartet, bis ein Kunde mit einer Anfrage kommt und dann erst nach Flächen und Leistung sucht, hat verloren.

CH: Sie betonen immer wieder die regionale Nähe – Warum ist sie für Portus Data Centers so wichtig?

RP: Nicht jedes Unternehmen will oder kann seine kritische Infrastruktur beispielsweise in Frankfurt ballen. Die Kapazitätssituation dort ist ohnehin angespannt. Unsere Standorte München, Hamburg und Luxemburg sind wirtschaftliche Schwergewichte mit eigenen, großen Unternehmenslandschaften. Lokale Präsenz bedeutet kurze Latenzwege, direkte persönliche Kundenbeziehungen und die Möglichkeit, das Rechenzentrum physisch zu besichtigen und die eigene Hardware zu kontrollieren. Für streng regulierte Branchen wie Finanzdienstleister oder das Gesundheitswesen ist das ein Muss.

Dazu kommt die Datensouveränität. In einem deutschen Rechenzentrum, betrieben von einem europäischen Unternehmen, gelten deutsches Recht und die DSGVO ohne Auslegungsspielraum. Das ist ein entscheidendes Kriterium.

CH: Lassen Sie uns über Zukunftspläne sprechen. Sind weitere Projekte in Deutschland und benachbarten Märkten in Planung? Gehen Sie demnächst auf Shoppingtour?

RP: Wir sind in der Tat aktiv und sehen uns um. Wir haben dafür klare Kriterien. An erster Stelle steht die verfügbare Leistung, das bedeutet: kein Strom, keine Diskussion. Entscheidend ist ebenso die Möglichkeit, direkt neben einem Akquisitionsobjekt weiteres Bauland zu sichern, um unsere Brownfield-Greenfield-Strategie umzusetzen. Die Genehmigungslage und das politische Umfeld müssen ebenfalls stimmen. In manchen Städten ist Strom vorhanden, aber die Gemeinde will kein Rechenzentrum. Wir werden dort einsteigen, wo wir mit unserer Erfahrung Mehrwert schaffen können, an strategischen Standorten in Deutschland und den angrenzenden Ländern.

Von Carolina Heyder

Carolina Heyder ist Business Analyst und Moderatorin. Sie verfügt über langjährige Expertise über den deutschen und internationalen IT Markt.. Sie verfügt über langjährige Erfahrung in renommierten Verlagshäusern wie WEKA-Fachmedien, Springer und Aspencore. Ob Text fürs Web oder Print, Audio oder Video. Am Laptop, vor dem Mikrofon oder der Kamera. Ob in Deutsch, Englisch oder Spanisch, Carolina Heyder ist in der IT-Welt Zuhause. Ihre Themenschwerpunkte sind Cybersecurity, Digitale Transformation, Nachhaltigkeit, Storage u. a. Carolina Heyder is Editor-in-Chief of Security Storage and Channel Germany as well as a business analyst and presenter. She has many years of experience at renowned publishing houses such as WEKA-Fachmedien, Springer and Aspencore. Whether text for the web or print, audio or video. On the laptop, in front of the microphone or the camera. Whether in German, English or Spanish, Carolina Heyder is at home in the IT world. Her main topics are cybersecurity, digital transformation, sustainability, storage and others. Kontakt – Contact via Mail: carolina.heyder@security-storage-und-channel-germany.com

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