Anthropic will in Claude-Modellen maschinell lesbare Wasserzeichen für KI-generierte Texte und Bilder einführen. Die Maßnahme folgt dem Verhaltenskodex des EU-KI-Gesetzes. Experten warnen jedoch vor begrenzter Zuverlässigkeit der Erkennung und betonen, dass die Vorschriften keine Cybersecurity-Anforderung darstellen.

Anthropic hat bestätigt, dass künftige Versionen der Claude-Modelle unsichtbare, maschinell lesbare Wasserzeichen in KI-generierte Texte und Bilder einbetten werden. Die Ankündigung steht im Zusammenhang mit dem Verhaltenskodex für die Transparenz von KI-generierten Inhalten, der am 2. August 2026 im Rahmen des EU-KI-Gesetzes in Kraft getreten ist. Anbieter und Bereitsteller müssen demnach kenntlich machen, wann Menschen mit KI interagieren, und synthetische Inhalte so kennzeichnen, dass sie als künstlich erkennbar sind.

Shane Barney, CISO von Keeper Security, ordnet die Entwicklung ein. Die Transparenzregeln des Artikels 50 könnten fälschlicherweise als Cybersecurity-Anforderung verstanden werden. Das seien sie jedoch nicht. Artikel 50 verlange vor allem Offenlegung und Kennzeichnung. Die strengeren Sicherheitsvorgaben – etwa sicheres Systemdesign und Dokumentation von Schwachstellen – gelten nur für Hochrisiko-KI-Systeme und wenige allgemeine Modelle, die als systemisch riskant eingestuft werden. Der Großteil der alltäglichen generativen KI-Nutzung falle nicht darunter.

Für Systeme, die bereits vor August 2026 auf dem Markt waren, sieht die Kennzeichnungspflicht eine Übergangsregelung bis Dezember 2026 vor. Die aktuelle Einführung durch Anthropic erfolgt also vor einem Stichtag, der für bestehende Systeme noch nicht greift.

Technische Tests zeigen Grenzen der Verfahren. Bei starken Umformulierungen oder Übersetzungen von Texten verlieren Wasserzeichen oft ihre Wirkung. Bildmetadaten lassen sich durch Neuspeichern, Formatwechsel oder Screenshots entfernen. Wasserzeichen sind damit nicht nutzlos, doch Organisationen sollten sich nicht ausschließlich darauf verlassen, um die Echtheit von Inhalten zu prüfen.

Laut der Keeper-2026-Studie sehen 26 Prozent der deutschen Sicherheitsverantwortlichen KI-gestützte Social-Engineering- und Identitätsfälschungen als zentrales Risiko. Phishing wird mit 49 Prozent noch höher bewertet. Die neuen Vorschriften konzentrieren sich auf die Kennzeichnung ausgehender Inhalte und schützen nicht aktiv vor eingehenden Bedrohungen. Gegen KI-basiertes Phishing und Identitätsangriffe braucht es daher eine identitätsbasierte Strategie: starke Governance, kontinuierliche Überprüfung und phishing-resistente Multi-Faktor-Authentifizierung für privilegierte Konten. Das Entfernen dauerhafter Administrationsrechte über Privileged Access Management reduziert das Risiko, dass kompromittierte Anmeldedaten für seitliche Bewegungen im Netzwerk genutzt werden.

Keeper Security positioniert sich in diesem Umfeld als Anbieter von Zero-Trust- und Zero-Knowledge-Lösungen für Identitätssicherheit. Die Plattform KeeperPAM bündelt Passwort- und Passkey-Management, Geheimnisverwaltung, privilegiertes Sitzungsmanagement und Endpoint Privilege Management. KeeperAI ergänzt die Überwachung privilegierter Sitzungen durch KI-basierte Bedrohungserkennung.

Die Diskussion um Wasserzeichen macht deutlich: Transparenzpflichten und technische Kennzeichnung sind ein wichtiger Schritt, ersetzen aber keine umfassende Sicherheitsstrategie gegen Täuschungsversuche.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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