Auf der it-sa 2026 erläuterte Tanium, wie Automatisierung, KI-Agenten und ein eng geführtes Partnernetz das Wachstum in Deutschland, Österreich und der Schweiz antreiben sollen.
Tanium will Endpunkte in Maschinengeschwindigkeit verwalten und sein DACH-Geschäft über einen kleinen Kreis strategischer Partner aufbauen. Auf der it-sa 2026 in Nürnberg erklärten Robert Sindlinger, Area Vice President EMEA Central, und Alex Zachow, Regional Vice President Germany, wie der Spezialist für Autonomous IT Automatisierung, KI und lokale Präsenz verbinden will.
Automatisierung ohne halbe Sachen
Auf die Frage, wie viel Automatisierung Unternehmen zulassen, antworteten die Tanium-Manager unmissverständlich: Alles, was sich automatisieren lässt, sollte auch automatisiert werden. KI-gestützte Abwehr erfordere Maschinengeschwindigkeit und eine durchgängige Mitigation. Sie verwiesen auf die jüngste PHP-Schwachstelle, bei der Kunden sofort entscheiden und Patches einspielen konnten. Ein Mensch im Prozess („Human in the Loop“) kann weiterhin die letzte Entscheidung treffen, weshalb ein belastbares Rollen- und Rechtekonzept unverzichtbar bleibt.
Produktseitig führt Tanium ein neues Overlay für sein Betriebssystem Atlas ein, mit überarbeitetem Frontend. Auch Laien sollen ihre Umgebung künftig in natürlicher Sprache abfragen können. Hinzu kommen einfacherer Zugriff, eine neue grafische Oberfläche, External Access Management und Scan-Funktionen. Laut Unternehmen treibt der CEO die Entwicklung persönlich voran. Lizenziert wird die Software als SaaS.
Plattform, Agenten und Datenhygiene
Tanium versteht sich als Datenplattform, die IT-Betrieb und Security zusammenführt. Die Priorisierung erfolge durch die Plattform, was Medienbrüche beseitige und die Effizienz steigere, so die Manager. Die Konsolidierung von IT-Betrieb und Security auf einer Plattform soll beiden Teams dieselbe Datenbasis geben. Beim Thema KI erklärten sie, Tanium sei Teil von Project Glasswing und teste den eigenen Code gemeinsam mit Anthropic; die Herausforderung liege darin, Geschwindigkeit in der Skalierung zu beherrschen. Als Kundenbeispiel nannten sie McDonald’s. KI sei ein Muss, aber mit Human in the Loop.
Zudem betreibt das Unternehmen Agenten auf Endpunkten, will Schatten-KI eindämmen und eine Abdeckung nahe 100 Prozent erreichen. Auf derselben Prämisse beruht die tiefe Partnerschaft mit ServiceNow: KI brauche eine tiefe, aktuelle Datenbasis, auch in SAP-Umgebungen. Alles beginne mit Hygiene, also ohne veraltete Daten.
Diese Aussagen passen zu jüngsten Ankündigungen. Am 15. Oktober teilte Tanium mit, als Testpartner für Microsofts Codename MDASH ausgewählt worden zu sein, ein agentisches Multi-Modell-Sicherheitssystem mit mehr als 100 spezialisierten KI-Agenten. Laut Unternehmen setzte es das System gegen den eigenen Produktivcode ein und leitete bestätigte Funde nach Prüfung durch Sicherheitsexperten weiter. Am 21. Oktober kündigte Tanium vor der NVIDIA GTC Berlin an, sein Endpoint Management auf die lokale KI-Infrastruktur von NVIDIA auszuweiten, darunter DGX Spark, DGX Station und RTX Spark, mit Inventar, Prozessen, Patch-Status und Compliance. Die NVIDIA-Ankündigung umfasst zudem Laufzeitkontrolle: KI-Agenten lassen sich automatisch stoppen, sobald sie definierte Zeit- oder Ressourcengrenzen überschreiten.
Channel First
Im DACH-Markt bezeichnet sich Tanium als „Channel First“. Der Ansatz ist boutique-artig: globale Systemintegratoren neben spezialisierten Partnern, die Taniums Handwerk verstehen und Kunden an die Hand nehmen sollen. Reines Reselling sei nicht das Ziel. Gesucht seien strategische Partner mit echtem Umsatzbeitrag. Distributoren gehören derzeit nicht zum Modell, das Unternehmen prüft die Frage aber. In DACH sind rund zehn Partner aktiv, drei bis fünf davon gelten als sehr stark.
Tanium unterstützt seine Partner mit einem Partner Advisory Board und wöchentlichen Updates, damit sie beim Kunden glänzen können. Geplant sind auch Veranstaltungen, darunter eine Anwenderkonferenz Converge in Frankfurt, ein kleineres Format in Deutschland sowie Connections im April in Zürich. Das Ziel ist es, diese weiter auszubauen. Die Converge in Las Vegas zieht über 1.000 Teilnehmer an.
Regulierung, Souveränität und Nachfrage
Tanium bietet Hosting in Deutschland an und führt Gespräche mit Stackit. Das Unternehmen strebt den höchstmöglichen Grad an Zertifizierungen an. TISAX ist geplant und Gespräche mit allen großen Autoherstellern sowie deren Zulieferern. Trotz Rezession sei die Nachfrage sehr hoch, weil Tanium Kosten sparen könne, so die Manager. Genannt wurden Einsparungen im siebenstelligen Bereich und eine Forrester-Total-Economic-Impact-Studie im Automotive-Umfeld. Ein Kunde wolle seinen Service Desk um die Hälfte reduzieren. NIS2 und DORA seien vor allem im Finanzsektor wichtig; zudem befasse sich Tanium mit NATO-bezogenen Anforderungen und allen weiteren Regularien.
Ausbaupläne für 2027
Für 2027 plant Tanium, seinen deutschen Footprint zu erweitern und die Teams auszubauen. Das Büro in München soll vergrößert werden, Frankfurt steht bereits. Das Unternehmen spürt einen starken Schub durch Frontier-KI-Modelle wie Claude Mythos. Tanium will beim Kunden vor Ort sein, seine Vertriebsphilosophie einbringen und als Mediator im DACH-Markt auftreten.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de