Extreme Networks hat erste Zahlen zu seinem KI-Agenten Agent ONE Coworker veröffentlicht. Laut Unternehmen sparten Kunden im ersten Monat rund 1.000 Stunden beim Troubleshooting und griffen 98 Prozent der kritischen Hinweise auf.
Extreme Networks hat erste Nutzungszahlen zu Agent ONE Coworker vorgelegt, dem in Extreme Platform ONE integrierten KI-Agenten. Die Angaben beziehen sich auf den ersten Monat nach der allgemeinen Verfügbarkeit und stammen vom Hersteller; eine unabhängige Prüfung liegt nicht vor.
Proaktiv statt auf Zuruf
Agent ONE Coworker arbeitet nach dem Ambient-AI-Prinzip im Hintergrund und berücksichtigt den aktuellen Netzwerkkontext. Anders als konversationelle KI-Systeme, die auf Eingaben warten, meldet sich der Agent von sich aus. Über die „Nudge“-Funktion erhalten Anwender Empfehlungen, die direkt im Arbeitsablauf erscheinen. Innerhalb festgelegter Regeln kann der Agent laut Extreme zudem Probleme erkennen, Entscheidungen treffen und Maßnahmen ausführen. Er steht allen Kunden von Extreme Platform ONE zur Verfügung. Grundlage ist nach Unternehmensangaben eine eigens entwickelte KI-Architektur, die die Analyse komplexer Zusammenhänge mit Echtzeit-Netzwerkdaten und Wissen über den Netzwerkbetrieb verbindet. Ziel seien weniger Störungen und schnellere Problemlösungen.
Die Zahlen aus dem ersten Monat
Nach Unternehmensangaben nutzten 41 Prozent der Platform-ONE-Kunden den Agenten für tägliche Aufgaben. Auf 98 Prozent der kritischen Hinweise und Handlungsempfehlungen reagierten die Anwender. Insgesamt sparten Kunden rund 1.000 Stunden beim Troubleshooting. Die Interaktion lag etwa beim Zehnfachen dessen, was Extreme beim konversationellen KI-Agenten der ersten Generation verzeichnete. 58 Prozent der über den Coworker eröffneten Supportfälle enthielten bereits alle Informationen, die das Supportteam für den Start der Problemlösung benötigte. Probleme ließen sich laut Extreme innerhalb weniger Minuten lösen; als Vergleich nennt das Unternehmen einen Branchendurchschnitt von zwei Tagen. Wie dieser Wert ermittelt wurde, geht aus der Mitteilung ebenso wenig hervor wie die absolute Kundenzahl oder die Berechnung der eingesparten Stunden.
Extreme wertet die hohe Reaktionsquote als Hinweis, dass Unternehmen für KI bereit sind, die Netzwerkprobleme proaktiv erkennt und konkrete Handlungsempfehlungen gibt. Zu beachten ist, dass die Quote nur das Aufgreifen der Hinweise misst, nicht deren Qualität oder den tatsächlichen Nutzen.
Erfahrungen aus der Praxis
Kevin Rocha, CIO des Hill College in Hillsboro, Texas, sagt, sein Team habe mit Platform ONE das Gefühl, zwei oder drei zusätzliche Netzwerktechniker zu haben. Er schildert einen WLAN-Ausfall in der Personalabteilung. Der Agent habe einen Access Point als Ursache und mehrere ausstehende Firmware-Updates angezeigt; die Behebung habe etwa 20 Minuten gedauert statt eines ganzen Vormittags. Zudem habe er geholfen, ein Gerät mit Kryptomining-Software im Gastnetz über die Access Points zu lokalisieren. Moshe Sittner von der Touro University in New York sagt, Netzwerkteams könnten besser nachvollziehen, auf welchen Daten und Schlussfolgerungen die Antworten beruhen. Brent Addis, Group Security Architect beim Extreme-Partner Fastcom in Auckland, verweist darauf, dass Netzwerk, Sicherheit und KI in einer Plattform zusammenlaufen und er nicht mehr zwischen Konsolen wechseln müsse.
Nabil Bukhari, CTO und President of AI Platforms bei Extreme, sieht in Dashboards und konversationeller KI eine Einschränkung im Systemdesign. Der Agent handle nach den Regeln und innerhalb der Grenzen, die Kunden festlegen.
Operator Mode für 2027 geplant
Für die erste Hälfte des Kalenderjahres 2027 plant Extreme den Agent ONE Operator Mode. Er soll innerhalb festgelegter Regeln eigenständig arbeiten, in Echtzeit auf Ereignisse reagieren und geplante Aufgaben ohne ständige menschliche Anleitung ausführen. Außerdem soll das System aus jeder Interaktion lernen.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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