Angreifer nutzen Schwachstellen schneller aus, als Patch-Zyklen reagieren können. Auf der it-sa 2026 zeigte Zscaler, wie Plattformansatz, Inline-Schutz und europäische Partnerschaften diese Lücke schließen sollen.
Ein neu gestalteter Messestand, Dauerandrang und ein Thema an jeder Ecke: Auf der it-sa 2026 bestimmte künstliche Intelligenz die Hallen. Zscaler nutzte die Messe für eine klare Botschaft: Patchen allein schützt Unternehmen nicht mehr. Der Hersteller setzt auf eine Plattform, die Zero Trust, Inline-Schutz für private Anwendungen und Sicherheit für die KI-Nutzung verbindet.
KI überall und ein voller Stand
Laut Zscaler wurde der neu gestaltete Messestand am ersten Tag regelrecht überrannt, ohne einen ruhigen Moment. Das Unternehmen beschrieb sich selbst als Magnet für Besucher und kündigte an, jede Anfrage zu beantworten. Die Stimmung passte zur Messe, auf der nahezu jeder Stand mit KI und agentischer KI pulsierte. Auch Data Loss Prevention gewann an Priorität, nicht zuletzt, weil vertrauliche Daten in öffentlichen Sprachmodellen landen können. Hier kommt der Cloud-Proxy von Zscaler ins Spiel.
Patchen allein reicht nicht mehr
Zur Bedrohungslage äußerte sich Zscaler offen. KI-gestützte Angriffe bereiten wachsende Sorgen; die Apokalypse sei noch nicht eingetreten, so das Unternehmen, es erwarte sie aber in den kommenden Monaten. Eine Pressemitteilung vom 5. Oktober untermauert das mit dem M-Trends-2026-Report von Mandiant: Die mittlere Zeit bis zur Ausnutzung einer Schwachstelle sei unter null gefallen, Lücken würden also zunehmend ausgenutzt, bevor ein öffentlicher Patch existiert.
Zscalers Antwort ist eine Kooperation mit IBM und Red Hat. Autonomous Application Shield, bereitgestellt über die Zero Trust Exchange, wird mit Lightwell von IBM und Red Hat kombiniert. App Connectors prüfen fortlaufend die Angriffsflächen jeder privaten Anwendung, und die Cloud bewertet jede Anwendung einzeln. Taucht eine neue Schwachstelle auf, lässt sich adaptiver Schutz inline und in Echtzeit anwenden, ohne auf einen Patch zu warten. Lightwell liefert anschließend validierte Korrekturen für betroffene Open-Source-Software, damit Kunden den Fehler an der Wurzel beheben können. Autonomous Application Shield ist derzeit in einem Early-Access-Programm verfügbar; Verfügbarkeit und Zeitpunkt können sich ändern.
Joby Menon, Senior Vice President Product Management bei Zscaler, sagte, das Ziel sei, das Risiko in der Lücke zwischen Bekanntwerden und Behebung zu senken. Gunnar Hellekson von Red Hat ergänzte, dass dieses Zeitfenster von Monaten oder Wochen auf Stunden und Minuten geschrumpft sei.
Zero Trust: gut vorbereitete Konzerne, Lücken anderswo
Zscaler sieht die DACH-Organisationen gespalten. Größere Unternehmen hätten ihre Hausaufgaben weitgehend gemacht, so das Unternehmen, während kleinere Firmen und der öffentliche Sektor Schwierigkeiten hätten. Als Zero-Trust-Pionier mit Fortune-500-Erfahrung deckt Zscaler nach eigenen Angaben alles von SIM-Karten bis zu kleinen Büros auf derselben Grundarchitektur ab. Ein MSP-Broker-Modell ist geplant, und KI-Agenten sind ein neues Aufmerksamkeitsfeld.
Plattform statt Einzellösungen
Der Konsolidierungstrend sei nicht neu, erklärt Zscaler, doch Einzellösungen stießen an natürliche Grenzen. Identity und Access Management, Zero Trust, Endpoint und Cloud wüchsen zusammen. Der Hersteller argumentiert, Altsysteme ließen sich ablösen, teure Komponenten fielen weg und zusätzliche Hardware müsse nicht angeschafft werden; eine Welle des Interesses erreiche nun mittelgroße und kleinere Unternehmen. Ob dieser Komfort mit der Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter erkauft wird, muss jeder Kunde selbst abwägen.
Der Vertrieb läuft über Partner. Da alle Kunden auf derselben SaaS-Architektur arbeiten, können Partner Angebote bündeln und ein breites Portfolio verkaufen. Zscaler nennt Telekom, Bechtle, NTT, Westcon, Infosys und Wipro sowie kleinere Spezialisten und die Marktplätze von Amazon und Microsoft.
KI absichern und Souveränität adressieren
Für die KI-Nutzung erkennt Zscaler agentische und LLM-Datenflüsse, stuft deren Risiko ein und setzt auf AI Guard mit KI-basierten Guardrails, die den Auftrag eines Agenten berücksichtigen. Ein MCP-Gateway ist geplant. Die Roadmap sieht einen weiteren Ausbau der KI, eine deutlich tiefere agentische Interaktion und ein agentisches SOC vor.
Beim Thema Souveränität höre man die Bedenken schon sehr lange, so das Unternehmen. Seit zwei Monaten bieten Zscaler und STACKIT eine Lösung an, die Zscaler als echte europäische Lösung für größere Kunden bezeichnet. Zscaler sei offen für weitere Partnerschaften, spreche mit französischen Anbietern und wolle den Kanal weiter öffnen, insbesondere für Kunden aus dem Verteidigungsbereich. Die US-Government-Cloud laufe getrennt.
Compliance und Ausblick
Zu NIS2 und DORA stellt Zscaler klar, dass kein Werkzeug jede Anforderung abdeckt. Das Unternehmen unterstützt Kunden mit ISO-Zertifizierung, Datenschutz und TISAX und vergleicht sein Produkt Risk360 mit einem Rosetta-Stein der Compliance, der Transparenz schafft. Bei SAP-RISE-Migrationen sollen direkte Konnektoren zu SAP die Fehlersuche vereinfachen und die Vertrauenskette nahtlos halten.
Zscaler will mit dem Markt wachsen; das deutsche Team werde kontinuierlich ausgebaut, auch eine größere Skalierung sei möglich. Als Nächstes stehen eine Gartner-Konferenz im Dezember, die Zscaler User Group und eine KI-Roadshow im Kalender.
Für Unternehmen in der DACH-Region lautet die Erkenntnis aus Nürnberg zweifach: Die Zeit zwischen Bekanntwerden und Ausnutzung schrumpft, deshalb muss der Schutz stehen, bevor ein Fix verfügbar ist. Zugleich verdienen Plattformversprechen, Souveränitätszusagen und Early-Access-Funktionen eine kritische Prüfung; Anwender sollten sie an der eigenen Architektur und den eigenen regulatorischen Pflichten messen.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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