Frank Roidl, SVP Sales DACH, erklärt, wo sich Mittelständler externe Security-Hilfe holen, warum NIS2 viele überrascht hat und wie KI, Souveränität und VMware-Alternativen 2026 prägen.
Sicherheitspersonal ist knapp, Angreifer werden schneller, und die Regulierung erreicht den Mittelstand. Auf der it-sa 2026 in Nürnberg erläuterte Frank Roidl, Senior Vice President Sales DACH bei Getronics, wie der IT-Dienstleister reagiert. Mit Managed Security, herstellerneutraler Technologieauswahl und einem nüchternen Blick auf Künstliche Intelligenz will der Anbieter die Kunden optimal beraten.
Getronics hatte auf der Messe keinen eigenen Stand. Kern des Angebots ist Security als Managed Service, mit Managed Detection and Response (MDR) und Services eines Security Operations Centers (SOC). Laut Roidl wird das SOC seit Jahren aus einem Center in Spanien betrieben. Security für Operational Technology (OT) ist ein neuer Baustein und wird nun gruppenweit ausgebaut, mit Schwerpunkt auf Produktionsumgebungen. Laut Website des Unternehmens umfasst das Cybersecurity-Portfolio zudem Governance und Unterstützung bei der Geschäftskontinuität für Benutzer, Identitäten, Infrastruktur und Cloud.
Viele Unternehmen finden kaum Sicherheitspersonal. Getronics betreibt seine Security-Abteilung in Barcelona und hat drei Security-Consultants in Deutschland. Gleichzeitig sieht Roidl immer mehr Angriffe, die Künstliche Intelligenz nutzen, und nannte in diesem Zusammenhang Hersteller wie Darktrace und Vectra. Die Zeit zwischen Bekanntwerden und Ausnutzen einer Schwachstelle ist stark geschrumpft: Er verwies auf eine PHP-Schwachstelle, die schon innerhalb eines Tages ausgenutzt wurde. Die Lage beschrieb er als Katz-und-Maus-Spiel, das sehr schwer zu gewinnen sei.
Getronics bezeichnet sich als herstellerunabhängig und will jeweils die beste Lösung hereinholen. Microsoft, Fortinet und Cisco gehören zu den Partnern, doch das Unternehmen sei offen für weitere. Es hört den Kunden zu, vermeidet Insellösungen, nimmt neue Hersteller auf, beobachtet den Markt und führt Proofs of Concept beim Kunden durch, etwa im MDR-Umfeld.
NIS2 habe die meisten Mittelständler überrascht, sagte Roidl und viele seien nun wider Erwarten betroffen. Der erste Schritt sei die Analyse: Prozesse etablieren, dokumentieren, Resilienz aufbauen. Getronics hilft bei der Bestandsaufnahme. Unternehmen müssten investieren, aber ihre Umgebung nicht mit Tools zuschütten. Ebenso wichtig sei organisatorische Beratung: Ergebnisse verarbeiten, die Prozesse dahinter aufsetzen, über das Portal melden und Maßnahmen einleiten. Das sei teuer und selten zu 100 Prozent erreichbar, und genau hier kämen Managed Service Provider ins Spiel, zumal qualifiziertes Personal knapp und teuer ist. Kunden fragten diese Leistung häufig nach. In der Lieferkette liege der Fokus eher auf der Technik, Fertigungsunternehmen setzten andere Schwerpunkte. Roidls Ansatz lautet: Sensibilität erzeugen, Leistungen anbieten und das offene Gespräch suchen, denn Sicherheit müsse von allen gelebt werden.
Getronics kommt aus dem Workplace-Geschäft, und der volle Desktop bleibt Teil des Angebots. Security spielt dort eine große Rolle: auf welche Dienste Nutzer zugreifen, wie das Bewusstsein erhöht wird, welche Richtlinien gelten. Die Daten sollten in der Firmen-Cloud liegen, lokales Arbeiten berge Gefahren, so Roidl. Auf seiner Website beschreibt das Unternehmen einen KI-gestützten IT-Service-Desk, der rund um die Uhr in mehr als 130 Sprachen erreichbar ist.
Bei KI sieht er Bedarf an Disziplin. Token-Preise seien oft sehr aggressiv kalkuliert, die Folgekosten würden unterschätzt. Was On-Premises und was in der Cloud läuft und wie Richtlinien greifen, müsse sich erst einspielen, und Limits je nach Rolle zu setzen sei schwierig. Manche KI-Projekte würden gestartet und später beerdigt. Agenten bräuchten klare Grenzen, damit kein Wildwuchs entsteht: Richtlinien müssten sauber definiert sein, Agenten dürften kein Eigenleben entwickeln. Die KI-Welt ähnle stellenweise dem früheren Blockchain-Hype, mit viel Wildem Westen. Eine aktuelle Veröffentlichung von Rubens Daniel, Chief Technology Officer für Lateinamerika bei Getronics, geht in eine ähnliche Richtung: KI-Ausgaben seien variabel und schwer prognostizierbar, daher gehörten Regeln auf die Plattformebene, und Ergebnisse sollten vor der Skalierung gemessen werden.
Für 2026 nannte Roidl mehrere Themen auf dem Radar: den intelligenten KI-Einsatz, etwa in HR, mit Jira und in einem virtuellen Assistenten für den Service Desk, und vor allem Datensouveränität. Kunden wollten zunehmend, dass Daten aus Rechenzentren Deutschland nicht verlassen, und suchten Alternativen zu Microsoft 365. Die Migration weg von VMware ist ein weiterer Treiber. Red Hat OpenShift mit KubeVirt stoße wegen Sicherheit und Flexibilität auf Interesse. Auch Proxmox werde betrachtet, das für den Produktivbetrieb besser werde, doch im KRITIS-Umfeld wögen Herstellersupport und Haftungsrisiken schwer. Da BladeCenter-Systeme ausgelaufen sind, sieht Roidl zudem Chancen beim Hardwaretausch: Hyperkonvergente Systeme und VMware-Alternativen erlauben ein neues Betriebsmodell.
Laut Unternehmensangaben wurde Getronics 1887 in Amsterdam gegründet und bedient Kunden in mehr als 185 Ländern über die von ihm geführte Global Workspace Alliance. 2025 wurde es zum fünften Mal im Gartner Magic Quadrant für Outsourced Digital Workplace Services geführt, als Nischenanbieter. Im DACH-Raum lautet seine Botschaft, Kunden auf dem Weg begleiten zu wollen, statt einzelne Tools zu verkaufen.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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