Künstliche Intelligenz verändert zunehmend die Betriebsmodelle moderner IT-Infrastrukturen. Auf der Extreme Connect 2026 präsentierte Extreme Networks eine Strategie, die KI-Agenten in den Mittelpunkt des Enterprise Networking stellt.
Extreme Networks hat auf seiner Veranstaltung Extreme Connect 2026 in Orlando eine neue Strategie für Enterprise Networking vorgestellt. Im Mittelpunkt steht Agent ONE, ein Framework für autonome KI-gestützte Netzwerkoperationen. Das Unternehmen beschreibt die Plattform als nächsten Schritt von unterstützender KI hin zu dauerhaft arbeitenden KI-Agenten, die Netzwerke analysieren, überwachen und operative Aufgaben eigenständig ausführen können.
Die Ankündigung folgt einem breiteren Branchentrend, bei dem Anbieter KI stärker in die Verwaltung von Unternehmensnetzwerken integrieren. Während frühere KI-Lösungen vor allem Empfehlungen lieferten oder Arbeitsabläufe vereinfachten, setzt Extreme Networks auf ein Modell, bei dem KI innerhalb definierter Governance-Regeln eigenständig handeln kann.
Kern der Strategie ist der sogenannte „Extreme AI Stack“. Die Architektur besteht aus vier Ebenen: KI-Reasoning, Kontextdaten, prozeduralem Wissen und agentischer Ausführung.
Die erste Ebene umfasst die KI-Infrastruktur. Extreme Networks integriert aktuelle KI-Modelle großer Cloud- und KI-Anbieter, um Analyse- und Entscheidungsprozesse kontinuierlich zu verbessern.
Die zweite Ebene, AI Core, liefert den Kontext. Dazu gehören Echtzeitdaten und historische Netzwerkdaten, Wissen über Geräte, Benutzer, Richtlinien und deren Beziehungen innerhalb der Infrastruktur. Ziel ist es, dass KI-Systeme nicht nur generische Anfragen verarbeiten, sondern die konkrete Umgebung eines Unternehmens verstehen.
Die dritte Ebene bildet die sogenannte Skills Layer. Hier werden betriebliche Prozesse, Sicherheitsrichtlinien und Integrationen mit Cloud-, Identitäts- und IT-Systemen eingebunden. Extreme Networks argumentiert, dass Enterprise Networking nicht allein auf technischem Wissen basiert, sondern auf konkreten Betriebsabläufen und organisatorischen Regeln.
Die vierte Ebene ist die agentische Ausführung. Dort arbeiten spezialisierte KI-Agenten parallel, analysieren Vorfälle, prüfen Konfigurationen, bewerten Sicherheitsrisiken und führen Aufgaben automatisiert aus. Governance-Mechanismen und Audit-Funktionen sollen dabei Transparenz und Nachvollziehbarkeit sicherstellen.
Ein Schwerpunkt der Präsentation war Agent ONE Coworker. Anders als klassische Chatbots soll das System proaktiv mit IT-Teams interagieren. Die Plattform erkennt Auffälligkeiten, untersucht Vorfälle und schlägt Maßnahmen vor oder führt diese automatisiert aus.
Mit der Funktion „Nudge“ führt Extreme Networks ein kontextabhängiges Benachrichtigungssystem ein. Die KI soll Informationen abhängig von Dringlichkeit und Relevanz kommunizieren, ohne Nutzer permanent mit Warnungen zu überlasten.
Darüber hinaus kündigte das Unternehmen Agent ONE Operator an. Diese zweite Betriebsform soll ab Ende 2026 verfügbar sein und als dauerhaft aktives Betriebssystem für Netzwerkoperationen fungieren. Wiederkehrende Aufgaben, Monitoring-Prozesse und Reaktionen auf Vorfälle sollen autonom durchgeführt werden.
Parallel dazu erweitert Extreme Networks seine Plattform ONE um Multi-Vendor-Management, integrierte Zero-Trust-Sicherheitsfunktionen und vereinfachte Lizenzmodelle.
Außerdem stellte das Unternehmen neue Wi‑Fi‑7-Lösungen für Unternehmensumgebungen, Gesundheitswesen, Bildungseinrichtungen und Veranstaltungsorte vor. Die steigende Zahl KI-basierter Anwendungen und IoT-Geräte erhöht laut Extreme Networks den Bedarf an leistungsfähiger drahtloser Infrastruktur.
Die Ankündigungen erfolgen vor dem Hintergrund eines wachsenden Geschäfts. Für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 meldete Extreme Networks ein Umsatzwachstum von elf Prozent sowie ein deutliches Wachstum bei wiederkehrenden SaaS-Umsätzen.
Die auf der Extreme Connect 2026 vorgestellte Strategie zeigt, wie sich Enterprise Networking zunehmend in Richtung autonomer KI-gestützter Betriebsmodelle entwickelt. KI wird dabei nicht mehr als separates Werkzeug betrachtet, sondern als integraler Bestandteil des Netzwerkbetriebs.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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