Lewis Dick, Alliances Director, Infinigate
Der kürzlich vorgeschlagene Cloud and AI Development Act (CADA) im Rahmen des EU-Tech-Souveränitätspakets unterstreicht die wachsende Bedeutung der Datensouveränität und zwingt IT-Channel-Partner zum Umdenken über den reinen Produktverkauf hinaus, erklärt Lewis Dick, Alliances Director, Infinigate.

Der Cloud and AI Development Act (CADA) zielt darauf ab, das europäische Cloud- und KI-Ökosystem zu stärken und Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern zu reduzieren. Er führt ein Bewertungsframework für Cloud- und KI-Souveränität ein, einschließlich abgestufter Assurance-Level, die auf Datenstandort, Lieferkettenkontrolle und Cybersicherheitsstandards basieren. Dies geschieht vor dem Hintergrund grenzüberschreitender Datenverteilung, bei der Transparenz über Speicherort, Zugriffsrechte und geltende Gesetze entscheidend für das Risikomanagement wird.

Mehr als nur eine Compliance-Pflicht

Die Herausforderung: Jede Organisation, die sensible Daten über Grenzen hinweg verarbeitet, muss handeln. Der Druck ist in regulierten Sektoren und für Unternehmen, die Daten von EU-Bürgern verarbeiten, jedoch am größten. Da die Kosten für Datenschutzverletzungen auf Rekordniveau gestiegen sind und CADA strenge Sicherheitsstufen einführt, um sensible Daten vor dem Zugriff durch Drittstaaten zu schützen, ist das Thema längst auf der Vorstandsetage angekommen.

Für Unternehmen mit sensiblen Daten, insbesondere in regulierten Branchen oder bei der Verarbeitung von EU-Bürgerdaten, sind die Auswirkungen erheblich. Die Kosten von Datenschutzverletzungen steigen, und CADA sieht strengere Schutzmaßnahmen gegen Zugriffe Drittländer vor. Compliance erfordert integrierte Technologien, Richtlinien und Kontrollen, die auf individuelle Datenströme abgestimmt sind.

Dieses Umfeld stellt traditionelle Vertriebsmodelle im IT-Channel infrage. Reseller und Managed Service Provider (MSPs) konzentrierten sich bisher oft auf den Produktverkauf. Nun ist ein Übergang zu beratenden Dienstleistungen notwendig, bei denen Partner Datenarchitekturen, Compliance-Lücken und Vorfallreaktionen prüfen, bevor Lösungen empfohlen werden.

Datensouveränität umfasst die Klärung von Datenstandort, Zugriff und rechtlichen Rahmenbedingungen. Organisationen müssen komplexe Lieferketten navigieren und EU-Standards einhalten. Das Souveränitätsframework von CADA unterstützt die öffentliche Beschaffung und beeinflusst private Akteure über Verträge und Risikobewertungen.

Das Gesetz bietet Channel-Partnern Chancen zur Rollenausweitung. Dienstleistungen wie Compliance-Analysen, Architekturprüfungen und kontinuierliche Überwachung können wiederkehrende Einnahmen schaffen. Der Erfolg hängt vom Aufbau von Expertise in Technologie und Regulierungsrisiken ab.

Distributoren unterstützen durch Schulungen, Pre-Sales-Hilfe und abgestimmte Lösungsportfolios. Wertschöpfende Services helfen, Wissenslücken zu schließen. Unternehmen, die Datensouveränität in ihre Cyberstrategie integrieren, sind besser auf Risiken vorbereitet.

Kritiker warnen vor möglicher Marktfragmentierung und höheren Kosten. Dennoch stellt der Ansatz eine Reaktion auf digitale Abhängigkeiten dar.

Die Anpassung des Channels wird entscheidend sein, um Unternehmen bei der Balance von Innovation, Souveränität und Sicherheit zu unterstützen.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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