Cloudflare-VP DACH Stefan Henke erläuterte auf der it-sa, wie das Unternehmen KI-Nutzung absichern, souveräne Optionen bieten und das Channel-Netz ausbauen will.
Die Angriffe nehmen zu, KI beschleunigt sie. Unternehmen führen KI schneller ein, als sie sie steuern können. Vor diesem Hintergrund hat sich Cloudflare auf der it-sa 2026 als Plattform für Zero Trust, kontrollierte KI-Nutzung und regional verankerte Datenhaltung positioniert. Im Interview am Stand erläuterte Stefan Henke, VP DACH, die Strategie und die Rolle, die der Channel dabei spielen soll.
Security werde immer dominanter, sagte Henke. Nach seinen Angaben stieg die Zahl der Angriffe zwischen 2025 und 2026 um 63 Prozent. Angreifer nutzten KI ähnlich wie Unternehmen, und die Zeit zwischen dem Bekanntwerden einer Sicherheitslücke und dem ersten Angriff sei auf 22 Minuten geschrumpft. Nach einem jüngsten PHP-Vorfall seien allein am ersten Tag Millionen von Angriffen registriert worden, berichtete er; deshalb sei eine Web Application Firewall (WAF) heute zwingend. Zero Trust brauche inzwischen jeder. Als Gründe für den Abschied von klassischen VPN- und Firewall-Architekturen nannte er KI als Treiber, den Latenznachteil von VPNs und die granularen Zugriffsregeln, die Zero Trust ermöglicht und die sich an der Organisationsstruktur eines Kunden ausrichten lassen.
Die zentrale Frage vieler Organisationen sei, wie sich KI intern absichern lasse. Cloudflare antworte darauf mit Identität, Zugriff, Transparenz und Kontrolle, so Henke; die Plattform Cloudflare One umfasse inzwischen auch KI-Sicherheit. Bei Cloudflare selbst nutzten 100 Prozent der Mitarbeitenden KI, auch in Vertrieb und Marketing, allerdings nur mit sauberem Zugriff, denn verschiedene Modelle bräuchten Kontrolle. Auf der Kundenveranstaltung Connect mit rund 5.500 Teilnehmenden stellte das Unternehmen Cloudflare OS vor. Laut einer Pressemitteilung vom 19. Oktober 2026 beschreiben Beschäftigte in diesem KI-Arbeitsplatz eine benötigte Automatisierung; die Plattform baut sie, verwaltet ihr Deployment und verbindet sie mit Systemen, ohne mehr Datenzugriff zu gewähren als nötig. Sie läuft in der Infrastruktur von Cloudflare statt auf Mitarbeiterlaptops, was Sicherheitsteams nach Unternehmensangaben mehr Transparenz und Kontrolle gibt. Das AI Gateway soll jeder Aufgabe das passende Modell zuordnen und Token-Kosten begrenzen.
CEO Matthew Prince zufolge wurde Cloudflare OS zunächst für die eigenen Teams gebaut, die damit schneller und sicherer arbeiten konnten. Ziel sei ein sicherer, unternehmensbezogener KI-Arbeitsplatz von Anfang an, ohne dass jeder Rollout zu einem millionenschweren Engineering-Projekt werde.
Cloudflare kündigte Integrationen mit Anwendungen wie Asana, Box, Canva, ClickHouse, GitHub, Gong und Notion an, dazu Deployment-Partner wie EPAM, Happy Cog und Towards AI. Henke ergänzte, auch SAP und Jira sollten angeboten werden. Ziel sei die volle Kontrolle über Datenflüsse, Kosten und Token. Er appellierte an Kunden, Sicherheit für KI ernst zu nehmen und Schatten-KI zu bekämpfen; das AI Gateway zeige, welche KI-Dienste tatsächlich genutzt werden.
Cloudflare untermauert die Positionierung mit Nutzungszahlen. Eine Pressemitteilung vom 20. Oktober 2026 nennt mehr als 10 Millionen Entwickler auf der Plattform, nach 7,4 Millionen im Vorquartal. Die täglichen Anfragen von KI-Agenten wuchsen binnen eines Jahres um mehr als 1.700 Prozent, und mehr als die Hälfte des Internetverkehrs stammte nicht von Menschen, so das Unternehmen. Das Netzwerk umfasst mehr als 340 Städte in über 130 Ländern, ist mit 13.888 Netzwerken verbunden und bietet 590 Tbps externe Kapazität. Henke folgerte, niemand sehe so viel Traffic. Kunde Lovable laufe komplett auf der Plattform, und alle Dienste seien bereits Post-Quantum-ready.
Zur Souveränität betonte Henke, das regionale Team sei vor Ort aufgebaut worden, nicht nur auf dem Papier. Mit der Data Localization Suite können Kunden ihren Traffic einsehen und die Verarbeitung auf die EU oder Deutschland beschränken; der Traffic lasse sich in fünf deutschen Rechenzentren abwickeln. Gemeinsam mit secunet bietet Cloudflare eine souveräne Cloud und bedient bereits viele Behördenkunden. Seit zweieinhalb Monaten liegt der Fokus auf kritischen Infrastrukturen (KRITIS). Einen Eins-zu-eins-Vergleich mit anderen Anbietern gebe es nicht, sagte Henke; das Alleinstellungsmerkmal sei eine End-to-End-Plattform aus Zero Trust, Kundennetzwerk und Applikationen.
In der DACH-Region versteht sich Cloudflare als Partner-first-Anbieter. Zuletzt seien viele Partner gewonnen worden, darunter T-Systems, was den Zugang zu regulierten Kunden, Behörden und KRITIS-Betreibern beschleunige. Infinigate und Westcon sind neue Distributoren; SVA und Bechtle zählen zu den Integratoren. Hunderte MSSPs und kleinere Partner skalieren über die Distribution, große wie Accenture übernehmen große Bankprojekte und Mainframe-Migrationen in die Cloud. Das Partnerprogramm soll für MSSPs und den Mittelstand gleichermaßen attraktiv sein, und alle Partner werden für KI befähigt, da Cloudflare OS konfiguriert werden müsse. Die Partnerveranstaltung Immerse findet in München und Berlin statt; am 17. November 2026 folgt Zürich mit rund 200 Teilnehmenden.
Henke war der erste Cloudflare-Mitarbeiter in der Region; inzwischen beschäftigt das Unternehmen in DACH mehr als 150 Personen, mit einem Büro in München.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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