Der europäische Cybersicherheitsanbieter Bitdefender hat sein Sovereign Acceleration Program gestartet. Es soll europäischen Organisationen den Wechsel zu einer vollständig in der EU betriebenen Sicherheitslösung erleichtern und richtet sich insbesondere an Unternehmen, die von nicht EU-basierten Anbietern migrieren wollen.

Der europäische Cybersicherheitsanbieter Bitdefender hat am 9. Juli 2026 in Bukarest und Schwerte den Start seines Sovereign Acceleration Program bekanntgegeben. Über das Programm können europäische Organisationen auf eine vollständig in Europa betriebene Lösung für Datensicherheit und Hosting wechseln. Kunden-, Konfigurations- und Sicherheitsdaten sowie Telemetrie- und Support-Informationen sollen dabei zu keinem Zeitpunkt außerhalb der Europäischen Union zugänglich sein, übertragen oder verarbeitet werden. Für Organisationen, die von einem nicht EU-basierten Cybersicherheitsanbieter wechseln möchten, sieht das Programm zudem einen Vertragskauf sowie zusätzliche Migrationsangebote vor.

Bitdefender begründet den Schritt mit wachsenden Anforderungen an die Kontrolle grenzüberschreitender Datenflüsse infolge geopolitischer Unsicherheiten und sich weiterentwickelnder Compliance-Vorgaben. Viele europäische Unternehmen überprüfen derzeit ihre Cybersicherheits-Lieferketten. Laut einem IDC QuickPoll vom Februar 2026 stufen 44 Prozent der Befragten digitale und KI-Souveränität als „sehr wichtig“ ein, 41 Prozent als „extrem wichtig“.

Nach Einschätzung von Bitdefender reicht bei vielen Anbietern der Verweis auf ein Rechenzentrum innerhalb der EU allein nicht aus, um echte Datensouveränität zu belegen, da die zugrunde liegenden Plattformen weiterhin einer außereuropäischen Rechtsprechung unterliegen. Hoheit, Lieferkette und operative Kontrolle blieben so außerhalb Europas – eine Praxis, die zunehmend als „Sovereignty Washing“ bezeichnet wird. Für Organisationen, die unter DSGVO, NIS2 oder DORA fallen, könne diese Diskrepanz relevante Folgen haben.

Technische Grundlage des neuen Programms ist die Plattform GravityZone, die Endpunktschutz (EPP), Endpoint Detection and Response (EDR), Extended Detection and Response (XDR) sowie cloudnative Sicherheitsfunktionen für die Lieferkette bündelt. Bitdefender verweist in diesem Zusammenhang auf wiederholte Auszeichnungen der unabhängigen Testinstitute AV-TEST und AV-Comparatives.

Zum Programm gehören außerdem Managed-Detection-and-Response-Dienste (MDR), die kontinuierliches, von Analysten begleitetes Threat Monitoring umfassen. Eine Version dieser Dienste, die vollständig innerhalb der EU erbracht wird, soll im Laufe des Sommers verfügbar sein. Sie kombiniert KI-gestützte Erkennung mit manueller Überprüfung durch Sicherheitsexperten und ist rund um die Uhr verfügbar.

Bitdefender nennt drei zentrale Bestandteile: einen Weg zu souveräner Cybersicherheit über ein Netzwerk zertifizierter europäischer Cloud-Partner; eine Ausrichtung auf regulatorische Anforderungen von Organisationen unterschiedlicher Größe – darunter öffentliche Verwaltung, Finanzdienstleister, Gesundheitswesen, Bildung, kritische Infrastrukturen, Energieversorger und Industrie – mit Bezug zu DSGVO, NIS2, DORA sowie weiteren länder- und branchenspezifischen Vorgaben; sowie ein Vertragskaufprogramm, das laut Unternehmen finanzielle Hürden bei der Migration reduzieren soll.

Andrei Florescu, Präsident und General Manager der Bitdefender Business Solutions Group, erklärte, viele Anbieter von Cybersicherheitslösungen stützten ihr Souveränitätsversprechen allein auf ein europäisches Rechenzentrum, während Rechtsprechung, operative Kontrolle und Lieferkette außerhalb Europas verblieben. Das neue Programm solle Organisationen einen Rahmen bieten, in dem Daten, Infrastruktur, Plattform und Expertise unter EU-Kontrolle blieben.

Julien Levrard, CISO bei OVHcloud, ergänzte, echte Souveränität setze eine betriebssichere Infrastruktur sowie die Gewissheit voraus, dass kritische Technologien und Daten dauerhaft einem europäischen Rechtsrahmen unterlägen. Die Kombination der Cloud-Infrastruktur von OVHcloud mit der Sicherheitstechnologie von Bitdefender solle Organisationen in Europa dabei unterstützen, ihre Cyberresilienz zu erhöhen und zugleich die Kontrolle über Daten und Abläufe zu behalten.

Bitdefender ordnet das neue Programm in eine Reihe früherer Schritte im Bereich europäischer Datensouveränität ein, darunter Partnerschaften mit OVHcloud in Frankreich und secunet in Deutschland. Weitere Informationen zum Sovereign Acceleration Program stellt das Unternehmen auf Anfrage zur Verfügung.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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