Auf der it-sa in Nürnberg traf der Datensicherheitsanbieter Cyera auf einen Markt, der wissen will, wie sich Daten im Zeitalter von KI-Agenten schützen lassen. Matthias Canisius, Area Vice President DACH at Cyera erläutert Strategie, Partnermodell und Wachstumspläne.

Cyera kam mit einer klaren Botschaft zur it-sa: Bevor Unternehmen Daten absichern oder KI-Agenten damit arbeiten lassen können, müssen sie diese verstehen. Matthias Canisius, Area Vice President DACH at Cyera beschrieb die Stimmung auf der Messe als neugierig. Die Besucher suchten Antworten, sagte er, und nahezu alle brachten dieselben drei Fragen mit.

Welche Daten haben wir, wer hat Zugriff darauf und was darf er damit tun? Laut Cyera bestimmten diese drei Fragen die Gespräche am it-sa-Stand, wo die Besucher große Neugier zeigten und die Hallen gut besucht waren.

Die erste betrifft die Frage, welche Daten ein Unternehmen besitzt und in welcher Qualität. Die zweite fragt, wer darauf zugreifen kann, einschließlich KI-Agenten und anderer Identitäten, deren Risiken verstanden werden müssen. Die dritte behandelt, was die jeweilige Partei mit den Daten tun darf, etwa sie löschen oder versenden. Cyera positioniert seine Plattform als Antwort auf alle drei. Das Unternehmen bezeichnet Daten als die weltweit am schnellsten wachsende Angriffsfläche und nennt Paramount Pictures und Mercury Financial unter seinen Kunden.

Laut Canisius können Unternehmen damit Daten nicht nur schützen, sondern auch KI-Agenten kontrolliert einsetzen. Sicherheitsverantwortliche sollen sich nach Darstellung des Unternehmens darauf konzentrieren können, ihr Geschäft dabei zu unterstützen, Daten auf jede gewünschte Weise sicher zu nutzen, jetzt und in Zukunft. Die erklärte Vision: neu zu definieren, wie Unternehmen Daten schützen, und mit KI-nativem Data Security Posture Management und Data Loss Prevention mutig Geschäftschancen zu verfolgen.

Als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal nannte Canisius die automatisierte Erfassung von Daten ohne menschliches Zutun, die Cyera als Data DNA bezeichnet. Die Plattform soll selbst einzigartige Daten tiefgehend qualifizieren und ihre Sensitivität einstufen; ein Kreditvertrag würde beispielsweise als kritisch erkannt. Er behauptete, kein anderer Anbieter könne das in dieser Tiefe leisten.

Die Klassifizierung basiert auf KI und proprietären, im eigenen Haus entwickelten Large Language Models, abgesichert durch erprobte Logik und automatisierte Qualitätssicherung. Auf der Website nennt Cyera eine Genauigkeit von 95 Prozent, ein agentenloses Design und den Einsatz in fünf Minuten.

Zur Regulierung verwies Canisius auf DORA und NIS 2. Er sieht zwei Anwendungsfälle für Datentransparenz: Compliance und den Umgang mit personenbezogenen Daten, einschließlich der Frage, wer Zugriff hat. Cyera nach eigenen Angaben liefert das schnell und präzise. Zum Begriff Data Security Posture Management (DSPM) hat er ein gespaltenes Verhältnis. Der Ansatz existiere seit rund 20 Jahren, sagte er, doch die Angebote hätten die technischen Anforderungen nicht erfüllt. Cyera löse das aus seiner Sicht auf eine Weise, die zuvor nicht möglich war.

Beim Thema Souveränität bietet das Unternehmen mehrere Deployment-Varianten: auf den eigenen Cloud-Diensten der Kunden, in einer eigenen Cloud in Frankfurt und demnächst auf Azure in Zürich. Storage ist ein weiterer Anwendungsfall, den Canisius besonders On-Premises interessant findet. Viele Organisationen hielten einen Wust redundanter Daten vor, sagte er, und mehr Datentransparenz könne Speicherkosten und CO2-Ausstoß senken.

Im Channel arbeitet Cyera eng mit strategischen globalen Systemintegratoren zusammen, darunter PwC, das in der DACH-Region auch Kunde ist. Klassische Systemhäuser wie SVA, NTT und Computacenter sind Teil der Zusammenarbeit, ebenso lokale Boutique-Partner wie Adam & Eve in Hamburg und der VAR Serviceware, beide bereits Partner mit einem, so Canisius, sehr guten Portfolio. Distribution ist derzeit kein Thema. Als SaaS-Anbieter will Cyera nicht zu viele Partner.

Für die Nachfrageerzeugung setzt das Unternehmen auf Bus Breakfasts, CISO-Roundtables und ein Speed-Dating-Format in Berlin, jeweils in enger Abstimmung mit Partnern. Am nächsten Tag folgt auf einer AI Week in Frankfurt ein Workshop zur sicheren KI-Einführung in Banken mit Fokus auf Geschwindigkeit und Präzision. Canisius fasste das Sicherheitsargument in einem Bild zusammen: Jeder hat einen Motor, aber wie steht es um die Sicherheit?

Cyera wurde vor rund sechs Jahren in Israel gegründet und hat heute seinen Hauptsitz in New York, der EMEA-Sitz liegt in London. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 1.500 Mitarbeitende, davon 25 in DACH; das regionale Team soll verdoppelt werden. Einen Börsengang gibt es noch nicht. Canisius nannte ein Funding von rund zwei Milliarden. Das DACH-Team ist regional im Markt verteilt, und die Region steht im Fokus, während Anfragen aus Osteuropa vorerst opportunistisch bedient werden und im nächsten Jahr strategischer werden sollen.

Auf der it-sa stellte Cyera Markenidentität und Team in den Vordergrund. 18 Kolleginnen und Kollegen betreuten einen großen Stand, den sich das Unternehmen mit drei Partnern teilte. Canisius verglich das Team mit einem Orchester. Die Qualität der Gespräche sei sehr hoch gewesen, sagte er, und der erste Tag sehr positiv.

Mit Blick nach vorn sieht Canisius KI und Sicherheit in drei Bereichen aufeinandertreffen: Schutz vor KI, Schutz mit KI und die neue Aufgabe, KI selbst zu schützen. Die Reise führe an die Daten selbst, sagte er: Schutz müsse von den Daten her gedacht werden, und dieser beginne mit Transparenz.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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