CrowdStrike und Schwarz Digits erweitern ihre strategische Partnerschaft: Die Falcon-Plattform des US-Sicherheitsanbieters soll künftig über die souveräne Cloud STACKIT von Schwarz Digits verfügbar sein. Zudem übernimmt CrowdStrike das geistige Eigentum des Schwarz-Digits-Unternehmens XM Cyber.
CrowdStrike (NASDAQ: CRWD) und Schwarz Digits bauen ihre bestehende strategische Partnerschaft aus. Nach Unternehmensangaben haben beide Seiten eine mehrjährige Roadmap entwickelt, um die KI-native Falcon-Plattform europäischen Unternehmen über STACKIT, die souveräne Cloud von Schwarz Digits, zugänglich zu machen und den Zugang für Kunden in der gesamten Region zu erweitern.
Im Rahmen der erweiterten Partnerschaft hat CrowdStrike eine verbindliche Vereinbarung unterzeichnet, um das geistige Eigentum von XM Cyber zu erwerben. Das Unternehmen von Schwarz Digits ist auf die Visualisierung von Angriffspfaden und die Simulation der Angreifer-Perspektive spezialisiert. Bestehende Kunden von XM Cyber sollen künftig die Möglichkeit erhalten, über Falcon Flex auf die Falcon-Plattform zu wechseln.
Als Begründung führen die Unternehmen an, dass Angreifer mithilfe KI-gestützter Modelle Schwachstellen schneller identifizieren und zu Angriffsketten verbinden könnten. Dies veranlasse Organisationen zunehmend dazu, fragmentierte Einzellösungen durch standardisierte Plattformen zu ersetzen.
„Organisationen weltweit setzen zunehmend auf Souveränität, ohne dabei Kompromisse bei ihrer Cybersicherheit eingehen zu wollen“, wird George Kurtz, CEO und Gründer von CrowdStrike, in der Mitteilung zitiert. Die Partnerschaft erhöhe die Geschwindigkeit, mit der die Falcon-Plattform in der souveränen Cloud-Umgebung von STACKIT in Europa bereitgestellt werden könne. Die Übernahme stärke zudem das Exposure-Management-Geschäft von CrowdStrike.
Exposure Management als Antwort auf neue Bedrohungslage
Mit Falcon Exposure Management positioniert CrowdStrike ein Produkt, das laut Unternehmensangaben für das Zeitalter fortgeschrittener KI-Modelle konzipiert ist. Klassisches Schwachstellenmanagement stoße an Grenzen: Während Sicherheitsteams jedem einzelnen Befund nachgehen müssten, konzentrierten sich Angreifer auf wenige, tatsächlich kritische Schwachstellen. Das Produkt soll dieses Modell durch kontinuierliche Echtzeit-Transparenz und eine Priorisierung nach tatsächlicher Ausnutzbarkeit ersetzen. Nach einer von CrowdStrike zitierten IDC-Untersuchung ersetzen Unternehmen, die auf die Plattform setzen, im Schnitt fünf Einzeltools durch eine zusammengeführte Risikoübersicht.
Roadmap für den Betrieb auf STACKIT
Die erweiterte Partnerschaft vertieft die Beziehung zwischen CrowdStrike und Schwarz Digits, das die Falcon-Plattform nach eigenen Angaben bereits intern einsetzt. Eine stufenweise Roadmap soll Falcon auf STACKIT bringen, die innerhalb Europas betriebene Cloud-Infrastruktur von Schwarz Digits. Die Unternehmen verweisen dabei auf regulatorische Vorgaben wie den EU Cyber Resilience Act und die NIS2-Richtlinie.
„Europäische Organisationen sollten für Souveränität nicht auf Cybersicherheit verzichten müssen“, sagt Christian Müller, Vorstandsvorsitzender von Schwarz Digits, laut Mitteilung. Die Falcon-Plattform werde zu einer zentralen Säule der eigenen Cybersicherheitsstrategie, mit einem langfristigen Betrieb auf STACKIT. XM Cyber habe sich in der proaktiven Verteidigung bewährt; darauf wolle man aufbauen, während der laufende Betrieb für Kunden unverändert weitergeführt werde.
Über STACKIT soll die Falcon-Plattform europäischen Organisationen künftig in der gesamten Region zugänglich sein. XM Cyber, im Gartner Magic Quadrant 2025 als Challenger für Exposure Assessment Platforms geführt, betreut seine bestehenden Kunden nach Unternehmensangaben weiterhin und bietet ihnen einen Migrationsweg zur Falcon-Plattform über Falcon Flex.
Transaktionsdetails
Mit Abschluss der Transaktion erwirbt CrowdStrike das geistige Eigentum von XM Cyber, darunter nach eigenen Angaben mehr als 45 Patente sowie proprietären Quellcode. Umsätze oder Kunden übernimmt CrowdStrike nach eigenen Angaben nicht; XM Cyber soll als eigenständiges Unternehmen weiterarbeiten und dafür eine Lizenz von CrowdStrike für das geistige Eigentum nutzen. Der Abschluss der Transaktion wird für die zweite Hälfte des Geschäftsjahres 2027 von CrowdStrike erwartet, vorbehaltlich üblicher Abschlussbedingungen und behördlicher Genehmigungen.
Kritische Einordnung: Digitale Souveränität
Zwar soll die Falcon-Plattform künftig über die europäische STACKIT-Cloud laufen, doch bleibt der Kern der Technologie – Software, Threat-Intelligence und nun auch das übernommene geistige Eigentum von XM Cyber – im Eigentum eines US-amerikanischen Unternehmens. CrowdStrike unterliegt damit weiterhin US-Recht, darunter dem CLOUD Act, der US-Behörden unter bestimmten Voraussetzungen Zugriff auf Daten von US-Unternehmen ermöglicht, unabhängig vom Speicherort der Daten. Für Kunden, die europäische Souveränität vor allem aus regulatorischen Gründen suchen, etwa mit Blick auf den EU Cyber Resilience Act oder NIS2, bedeutet das: Die geografische Verlagerung der Infrastruktur auf STACKIT allein löst nicht zwangsläufig die Frage der rechtlichen und operativen Kontrolle über Software und geistiges Eigentum. Wie weit die Souveränität in der Praxis reicht, hängt von Details wie Betriebsmodell, Zugriffsrechten und vertraglichen Regelungen ab, die CrowdStrike und Schwarz Digits bislang nicht im Detail veröffentlicht haben.
Vorschau
Die Integration der Falcon-Plattform in STACKIT soll schrittweise erfolgen; ein konkreter Zeitplan für einzelne Marktverfügbarkeiten wurde nicht genannt. Der Abschluss der IP-Übernahme von XM Cyber wird für die zweite Hälfte des CrowdStrike-Geschäftsjahres 2027 erwartet.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de