Der Telemetrie-Anbieter Cribl hat die Technologie-Assets des KI-nativen Security-Operations-Center-Produkts von Radiant Security übernommen. Die Fähigkeiten zur automatisierten Alarm-Triage sollen künftig als Anwendung auf der Cribl-Plattform laufen – nach CardinalOps im Juli ist es die zweite Sicherheits-Akquisition des Unternehmens in diesem Jahr.

Cribl, Anbieter einer Plattform für Telemetriedaten, hat die Technologie-Assets des KI-nativen Security-Operations-Center-Produkts von Radiant Security übernommen. Zu der Transaktion gehört laut Unternehmensangaben auch das geistige Eigentum an dem Verfahren zur autonomen Triage, Untersuchung und Lösung von Sicherheitsalarmen. Es handelt sich um die zweite Übernahme von Sicherheitstechnologie durch Cribl in diesem Jahr, nachdem das Unternehmen im Juli bereits CardinalOps akquiriert hatte. Finanzielle Details zu der Transaktion wurden nicht bekanntgegeben.

Cribl will die zugekaufte AI-SOC-Technologie so anpassen, dass sie künftig als Anwendung auf der hauseigenen Telemetriedatenplattform läuft, statt als eigenständiges Produkt weitergeführt zu werden. Die Plattform macht laut Unternehmensangaben Telemetriedaten unabhängig von ihrem Speicherort operationalisierbar und soll dadurch schnellere sowie präzisere Bedrohungsanalysen ermöglichen. Die übernommenen AI-SOC-Fähigkeiten erzeugen für jeden Alarm individuelle Triage-Logiken, statt auf vorgefertigte Protokolle zurückzugreifen, und führen diese Analysen direkt gegen die Telemetriedaten aus – unabhängig davon, wo diese gespeichert sind. Sicherheitsteams sollen dadurch Bedrohungen leichter identifizieren und die Zahl der Fehlalarme reduzieren können. Nach Darstellung von Cribl soll auch die Bearbeitung von Sicherheitsvorfällen dadurch stärker in den laufenden Betrieb integriert werden, anstatt als separater Prozess mit eigenem Werkzeugsatz zu laufen.

Clint Sharp, Mitgründer und CEO von Cribl, begründet den Schritt mit der Fragmentierung des Sicherheitsmarkts: Ein Großteil der Informationen des nach Unternehmensangaben 121 Milliarden US-Dollar schweren Security-Markts sei in Datensilos eingeschlossen, wodurch Sicherheitsteams nur über ein unvollständiges Lagebild verfügten. Durch die Verbindung von KI-SOC-Technologie mit der offenen Telemetrieplattform von Cribl sollen isolierte Einzellösungen abgelöst und Sicherheitsteams die Informationen bereitgestellt werden, die sie nach Einschätzung des Unternehmens angesichts des Wandels durch KI in der Betriebslandschaft benötigen.

Der Zukauf reiht sich in einen breiteren Trend ein, wonach Funktionen, die bislang als eigenständige Sicherheitsprodukte vertrieben wurden, zunehmend auf einer gemeinsamen Telemetrieplattform zusammenlaufen. Cribl begründet dies damit, dass separate Tools mit eigener Datenhaltung tendenziell neue Silos schaffen, während eine gemeinsame Plattform diesen Effekt vermeiden soll. Für Reseller und Systemhäuser im DACH-Raum, die Kunden bislang mit einzelnen SOC- und SIEM-Werkzeugen unterschiedlicher Hersteller ausstatten, könnte diese Konsolidierung mittelfristig Auswirkungen auf Portfolio- und Beratungsstrategien haben, da Funktionen zusammenwachsen, die bislang getrennt beschafft und betrieben wurden.

Andrew Braunberg, Principal Analyst bei Omdia, ordnet die Entwicklung ein: Cribls Ansatz konzentriere sich auf die Transformation von Telemetrierohdaten zu einer einheitlichen Basis für KI-gestützte Anwendungen. Indem Cribl AI SOC, Threat Detection und Observability auf seiner Open-Data-Plattform vereine, könnten Unternehmen ihre Sicherheits-Stacks nach seiner Einschätzung individuell anpassen und den Wert ihrer vorhandenen Daten stärker nutzen.

Laut Cribl ist die Übernahme erst der Anfang einer Weiterentwicklung der Plattform in Richtung Sicherheit; weitere Ergänzungen sollen auf der hauseigenen Konferenz CriblCon am 28. September 2026 bekanntgegeben werden. Wie die Radiant-Security-Technologie konkret in bestehende Cribl-Produkte integriert wird und wann sie für Kunden verfügbar sein soll, ließ das Unternehmen zunächst offen.

Cribl wurde 2018 gegründet, beschäftigt nach eigenen Angaben eine überwiegend remote arbeitende Belegschaft und unterhält ein Büro in San Francisco. Das Unternehmen gibt an, von der Hälfte der Fortune-100-Unternehmen genutzt zu werden, und bewirbt seine Plattform als herstelleragnostisch, um Datenportabilität ohne Anbieterbindung zu gewährleisten.

Cribl kündigte an, weitere Erweiterungen der Plattform auf der CriblCon am 28. September 2026 vorzustellen. Nach den Zukäufen von CardinalOps und Radiant Security dürfte der Ausbau der Sicherheitsfunktionen ein Schwerpunkt der weiteren Produktstrategie bleiben.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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