Als der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall israelische Innovationen gegen ukrainische Schlachtfelderfahrung abwog, gaben Marktbewertung und Produktionskapazitäten den Ausschlag.

Im modernen Krieg verändern sich die Bedrohungen durch Drohnen monatlich – von den zivilen Quadrocoptern der Hamas über die 3D-gedruckten Unbemannten Luftfahrzeugen (UAVs) der Hisbollah bis hin zu glasfasergesteuerten kinetischen Angriffen. Während die europäische Verteidigungsbeschaffung beschleunigt wird, stehen führende Konzerne wie die deutsche Rheinmetall vor einer strategischen Wahl: Investitionen in hochbewertete israelische Spitzentechnologie oder die Nutzung ukrainischer Produktions- und Anpassungsfähigkeit.

Die rasche Verbreitung unbemannter Luftfahrtsysteme verändert den Schutz von Bodentruppen grundlegend. In der frühen Phase der Drohnenkonflikte wurden meist handelsübliche Drohnen mit Sprengsätzen ausgerüstet. Heute stehen Einheiten unter rund um die Uhr andauernder Luftüberwachung.

Wie Michael Cukierman, Leiter der Verteidigungssparte des israelischen Unternehmens Cukierman & Co. und ehemaliger IDF-Kommandeur für Drohnenkrieg in einem Podcast der Jerusalem Post erklärte, erfordert die Abwehr ein vielschichtiges Schutzkonzept. Während elektronische Kampfführung, Cyber-RF-Hacking und GPS-Jamming auf lange Distanz wirken, senden neue glasfasergesteuerte Drohnen keine Funksignale aus. Dies führt zu einem Wettlauf um kinetische und laserbasierte Abfangsysteme, die Ziele innerhalb eines 15-Sekunden-Fensters präzise neutralisieren können.

Neben Lasersystemen und Störsendern arbeiten viele Entwickler in isolierten Silos. Ein oft unterschätzter Kernaspekt bleibt die Software für Führungssysteme (Command and Control, C2). Durch die Verknüpfung unterschiedlicher Radare und Sensoren mittels künstlicher Intelligenz wählt das C2-System automatisch die effizienteste Abfangmethode aus, bevor der Soldat die finale Freigabe erteilt.

Dieser Abstand zwischen Laborbedingungen und realem Gefecht zeigte sich deutlich bei einer achtmonatigen Ausschreibung des deutschen Konzerns Rheinmetall. Im Wettbewerb um die Erweiterung der eigenen Drohnensektoren standen am Ende eine israelische Technologiefirma und ein ukrainischer Hersteller im direkten Vergleich.

Rheinmetall entschied sich letztlich für den ukrainischen Partner. Ausschlaggebend waren vor allem die hohen Bewertungsmultiplikatoren israelischer Unternehmen sowie die industrielle Skalierbarkeit. Während der israelische Markt oft kleinere Stückzahlen fordert, benötigen europäische Großkonzerne Kapazitäten für die Massenproduktion von Hunderten von Einheiten. Um internationale Märkte zu erschließen, setzen Verteidigungsunternehmen daher zunehmend auf lokale Joint Ventures und europäische Produktionsstandorte.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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