Auf der Technology Live München zeigte Veeam seinen Wandel von Backup zu „Data and AI Trust“ – mit Veeam Data Platform v13.1, einer vertieften HPE-Allianz und neuen Studienergebnissen, wonach die meisten EMEA-Organisationen Datensouveränität zugunsten schnellerer KI-Einführung zurückstellen.
Auf der Technology Live Veranstaltung am 18. Juni 2026 in München hat Veeam Software dargelegt, wie das Unternehmen sein Backup- und Cyber-Resilience-Geschäft in die agentische Ära ausweiten will – eine Phase, in der nicht mehr nur Menschen, sondern auch autonome KI-Agenten in Maschinengeschwindigkeit auf Unternehmensdaten zugreifen und handeln. Die Session wurde von Armin Müller, Regional Vice President Central EMEA, eröffnet; Michael Cade, Senior Director Product Strategy, und Edwin Weijdema, Field CTO EMEA, zeigten Live-Demos und einen Ausblick auf die Roadmap, darunter Veeam Data Platform v13.1.
Veeam zeigt drei Trends auf: eine Umkehr der Datengravitation, da sich die KI-Infrastruktur schneller ausbreitet als die Kontrollmechanismen zu ihrer Steuerung; Zero-Trust-Modelle, die für menschliche Nutzer und nicht für KI-Agenten konzipiert wurden; und Datensicherheit als zentrale Verteidigungslinie, da agentische Systeme zunehmend Aufgaben übernehmen, die zuvor Menschen ausführten. Das Unternehmen beschreibt dies als Schritt über Backup und Cyber-Resilience hinaus zu „Data and AI Trust“, organisiert um eine DataAI Command Platform und den DataAI Command Graph für einheitliche Sichtbarkeit über Cloud-, SaaS- und On-Premises-Umgebungen.
Version 13.1 der Veeam Data Platform erweitert die Unterstützung auf weitere Virtualisierungs- und Hyperconverged-Plattformen, darunter HPE Morpheus VM Essentials, Citrix XenServer, Sangfor HCI und Red Hat OpenShift Virtualization, sowie SaaS-Konnektoren für Microsoft Dynamics, GitHub und Okta. Die neue Version führt ein universelles Lizenzmodell ein, bei dem Lizenzen den Workloads statt der Plattform folgen, mit einer 30-tägigen Übergangsfrist etwa für Migrationen von VMware zu Proxmox. Weitere Neuerungen sind eine Active-Directory-Wiederherstellung auf Forest-Ebene, die laut Veeam rund fünf Minuten pro Domäne benötigt, erweiterte Unterstützung für AWS, Azure, Microsoft 365 und NAS-Umgebungen sowie eine integrierte, FIPS-konforme Post-Quanten-Kryptografie, die laut Unternehmen keine Neuarchitektur bestehender Implementierungen erfordert. Veeam verweist zudem auf KI-gestützte Funktionen wie einen Capacity Advisor und proaktive Support-Werkzeuge sowie auf Integrationen über Model-Context-Protocol-Server, die KI-Agenten direkten Zugriff auf Veeam-Systeme ermöglichen sollen.
Die Münchner Veranstaltung fiel zeitlich mit einer separaten Ankündigung auf der HPE Discover in Las Vegas zusammen, bei der Veeam und Hewlett Packard Enterprise ihre Allianz im Bereich Private Cloud und KI-Infrastruktur ausbauten. Die Unternehmen stellten validierte Designs für HPE Private Cloud AI vor, eine mit NVIDIA entwickelte, schlüsselfertige KI-Plattform, die Veeam Data Platform sowie Veeam Kasten für die Betriebskontinuität virtualisierter und Kubernetes-basierter Workloads kombiniert, ergänzt um sicherere Datenaufnahme-Kontrollen für KI-Pipelines. HPE Services wird Pilotpartner für Veeams neues Data and AI Trust Maturity Model, das die Bereitschaft entlang vier Säulen bewertet: Understood, Secured, Resilient und Unleashed. „KI wird das Unternehmen verändern, aber nur, wenn Verantwortliche den Daten vertrauen können, die sie antreiben“, sagte John Jester, Chief Revenue Officer bei Veeam.
Begleitend veröffentlichte Veeam eine von Censuswide durchgeführte Studie unter 1.000 IT-, Daten- und Sicherheitsverantwortlichen in Großbritannien, Deutschland, Frankreich sowie im Nahen Osten und Afrika, erhoben zwischen dem 21. und 27. April 2026. Die Ergebnisse zeigen eine Kluft zwischen Anspruch und Praxis: Während 99 Prozent der Befragten Datensouveränität als kritisch einstufen, geben 72,5 Prozent an, diese in ihrer Organisation aktiv zugunsten einer schnelleren KI-Einführung zurückzustellen. 40 Prozent nannten für KI oder Analytics genutzte Daten als größten operativen blinden Fleck.
Die regionalen Muster unterscheiden sich. In Deutschland erklärten 82 Prozent der Führungskräfte, die Beschleunigung der KI-Entwicklung habe Vorrang vor dem Aufbau von Datenkontrollen – der höchste Wert aller untersuchten Märkte. In Großbritannien nannten 58 Prozent Schutz vor Datenschutzverletzungen als Hauptmotiv, dennoch räumten 45 Prozent ein, KI- und Analytics-Daten seien ihr größter blinder Fleck. Entscheider in Frankreich bezeichneten Souveränität seltener als kritisch und nannten stattdessen den Schutz geistigen Eigentums als stärkeren Treiber. Organisationen im Nahen Osten und in Afrika berichteten von der ausgereiftesten Umsetzung, mit 60 Prozent vollständig operationalisiert, zugleich aber von der höchsten Abhängigkeit von Drittanbietern mit 38 Prozent, was laut Bericht zu Sichtbarkeitslücken in der Lieferkette führt.
Compliance-Prüfungen und Markterweiterung bleiben die wichtigsten Auslöser für Souveränitätsmaßnahmen, noch vor proaktiver Governance-Planung. Das Vertrauen in etablierte Regulierung wie die DSGVO blieb mit 90 Prozent hoch, fiel jedoch bei neueren Rahmenwerken wie dem EU AI Act deutlich niedriger aus. Über KI-Workflows hinaus identifizierten die Befragten Sichtbarkeitslücken in Public-Cloud-Umgebungen, grenzüberschreitenden Datenflüssen und Schatten-IT außerhalb formaler Governance-Strukturen.
„Wenn man nicht sieht, wohin Daten fließen, wer darauf zugreifen kann und was KI-Systeme damit tun, hat man keine Kontrolle“, sagte Andre Troskie, EMEA Field CISO bei Veeam. Ohne diese Kontrolle könne KI zu einem Risiko auf Vorstandsebene werden statt zu einem Vorteil. Tim Pfaelzer, General Manager und SVP EMEA bei Veeam, sagte, Organisationen stünden vor der Abwägung zwischen schnellem KI-Einsatz und dem Erhalt der von Regulierungsbehörden zunehmend erwarteten Governance-Strukturen, und forderte mehr Transparenz als Voraussetzung für eine verantwortungsvolle Skalierung von KI.
Zusammengenommen zeigen die Münchner Präsentation und die Studie, wie sich Veeam technisch wie kommerziell an der Schnittstelle von Datenschutz und KI-Governance positioniert. Veeam erwartet, dass dies die IT-Ausgaben im DACH-Raum künftig prägen wird.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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