Nach der Veröffentlichung mutmaßlich gestohlener Daten aus der Berliner Verwaltung warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor einem erhöhten Risiko gezielter Phishing-Angriffe und sogenannter „Hack-and-Leak“-Aktivitäten. Acronis-CISO Gerald Beuchelt ordnet die Risiken ein und nennt Maßnahmen für Organisationen.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat nach der Veröffentlichung von Daten, die mutmaßlich aus der Berliner Verwaltung stammen, vor einem erhöhten Risiko gezielter Phishing-Angriffe gewarnt. Die Behörde verweist zudem auf sogenannte „Hack-and-Leak“-Aktivitäten, bei denen entwendete Informationen gezielt veröffentlicht werden, um Organisationen zusätzlich unter Druck zu setzen.

Wie weitreichend die Folgen großer Datenabflüsse sein können, zeigt ein aktueller Fall aus Nordamerika: Laut einem Bericht von KrebsOnSecurity soll ein Darknet-Dienst Scans von mehr als 153 Millionen Führerscheinen zum Verkauf angeboten haben. Das FBI hat nach eigenen Angaben Ermittlungen zur mutmaßlichen Quelle der Daten aufgenommen. Tatsächlich entwendete Informationen und Dokumente können laut Sicherheitsexperten betrügerische Nachrichten glaubwürdiger machen, Identitätsdiebstahl erleichtern und zudem manipuliert oder aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Gerald Beuchelt, Chief Information Security Officer (CISO) beim IT-Sicherheitsanbieter Acronis, ordnet den Berliner Vorfall ein: „Das Datenleck bei der Berliner Verwaltung zeigt, dass die Folgen eines Angriffs weit über die anfängliche Beeinträchtigung der IT-Systeme hinausreichen. Sobald gestohlene Informationen veröffentlicht werden, droht Organisationen eine langanhaltende geschäftliche und reputative Krise: Authentische Daten können für überzeugende Betrugs- und Phishing-Versuche missbraucht werden, während echte Dokumente manipuliert oder aus dem Zusammenhang gerissen werden können.“

Cyberresilienz dürfe sich laut Beuchelt deshalb nicht auf Prävention beschränken. Organisationen müssten Angriffe frühzeitig erkennen, Identitäten und sensible Daten schützen, über sichere und isolierte Wiederherstellungsmöglichkeiten verfügen und darauf vorbereitet sein, verlässlich mit Mitarbeitenden, Kunden und Partnern zu kommunizieren. Backups blieben für die Geschäftskontinuität unverzichtbar, könnten einen Datendiebstahl selbst jedoch nicht rückgängig machen. Entscheidend sei deshalb ein ganzheitlicher Ansatz, der Cybersicherheit, Datenschutz und regelmäßig getestete Wiederherstellungsprozesse miteinander verbindet.

Acronis benennt für Organisationen, die von einem Datenleck betroffen sind oder ein erhöhtes Risiko sehen, acht Handlungsfelder: Ungewöhnliche Aufforderungen wie Zahlungsanweisungen, Passwort-Zurücksetzungen oder Änderungen an Kontaktdaten sollten stets über einen bekannten, unabhängigen Kommunikationsweg verifiziert werden. Auch bei scheinbar echten Informationen sei Vorsicht geboten, da Angreifer gestohlene Namen, Verträge oder interne Details nutzen können, um Phishing-Nachrichten glaubwürdiger erscheinen zu lassen.

Weiter empfiehlt das Unternehmen, potenziell kompromittierte Zugangsdaten umgehend zurückzusetzen, privilegierte Konten zu überprüfen und Multi-Faktor-Authentifizierung durchzusetzen. Vor größeren Änderungen sollten Protokolldaten und betroffene Systeme gesichert werden, damit Ermittler den Vorfall nachvollziehen können. Offengelegte Daten seien nach ihrer Sensibilität einzustufen, wobei Personen, Systeme und Partner mit dem höchsten Risiko vorrangig zu schützen und gemäß den geltenden gesetzlichen Vorgaben zu informieren sind.

Veröffentlichtes Material sollte vor einer Nutzung oder Weitergabe geprüft werden, da authentische Inhalte mit manipulierten Dateien oder irreführenden Behauptungen kombiniert werden können. Zudem rät Acronis, die eigene Wiederherstellungsfähigkeit regelmäßig zu testen und Backups isoliert von Produktivsystemen sowie geschützt vor Manipulation vorzuhalten. In den Wochen und Monaten nach einem Vorfall sollte die Überwachung auf Phishing-Versuche, Identitätsmissbrauch und die Wiederverwendung kompromittierter Zugangsdaten verstärkt werden.

Ob und wie die Berliner Verwaltung auf die BSI-Warnung reagiert, bleibt zunächst offen. Dass der Bezirk Lichtenberg den Einsatz von Sicherheits-Software abgelehnt hat, ist kein gutes Zeichen. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass Phishing-Kampagnen im Zusammenhang mit dem Datenleck in den kommenden Wochen zunehmen könnten.

Von Carolina Heyder

Carolina Heyder ist Journalistin und Moderatorin. Sie verfügt über langjährige Expertise über den deutschen und internationalen IT-Markt sowie über langjährige Erfahrung in renommierten Verlagshäusern wie WEKA-Fachmedien, Springer und Aspencore. Ob Text fürs Web oder Print, Audio oder Video. Am Laptop, vor dem Mikrofon oder der Kamera. Ob in Deutsch, Englisch oder Spanisch, Carolina Heyder ist in der IT-Welt Zuhause. Ihre Themenschwerpunkte sind Cybersecurity, Digitale Transformation, Nachhaltigkeit, Storage u. a. Kontakt – Contact via Mail: carolina.heyder@security-storage-und-channel-germany.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner