Da drastisch steigende Hardware-Preise und massive Datenmengen KI-Initiativen gefährden, gewinnen autonome, mehrstufige Datenarchitekturen und DNA-basierte Archivierung an Bedeutung, um die Unternehmensinfrastruktur zu stabilisieren, wie auf der Munich 2026 edition of Technology Live! gezeigt.
Die rasche Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen hat ein grundlegendes Missverhältnis zwischen modernen Rechenlasten und veralteten Speicherarchitekturen offengelegt. Über Jahrzehnte hinweg wuchsen betriebliche Dateninfrastrukturen inkrementell – Projekt für Projekt, um unmittelbare Anforderungen zu erfüllen. Heute überfordern die gleichzeitigen Anforderungen an KI-Leistung, Cyber-Resilienz und Datensouveränität diese isolierten Silos. Angesichts einer Vervierfachung der Preise für Flash-Speicher und Prognosen über weitere Steigerungen hat der traditionelle Ansatz, punktuelle Speicherprodukte zu kaufen, seine wirtschaftlichen und physischen Grenzen erreicht. Dies erzwingt ein Umdenken bei den Betriebsmodellen für Dateninfrastrukturen.
Im Zentrum der aktuellen Infrastrukturkrise steht die Erkenntnis, dass KI keinen einzelnen, einheitlichen Anwendungsfall darstellt. Vielmehr umfasst sie ein breites betriebliches Spektrum. Am einen Ende erfordert die Ausführung von Large Language Models (LLMs) eine extreme GPU-Auslastung und Datenbereitstellung im Mikrosekundenbereich; am anderen Ende verlangt die langfristige Aufbewahrung massiver Datensätze eine tiefe, kosteneffiziente Archivierung. Der finanzielle Druck zur Bewältigung dieses Spektrums hat sich durch strenge Stromverbrauchsgrenzen in Rechenzentren und eine Vervierfachung der Flash-Speicherpreise verschärft.
Um dieser Konvergenz von Marktkräften zu begegnen, hat der Speichersoftware-Anbieter Scality seine Plattform „Autonomous Data Infrastructure“ (ADI) eingeführt. Als Software-Appliance auf nackter Hardware (Bare Metal) auf standardmäßigen On-Premises-x86-Servern etabliert Scality ADI ein neues Betriebsmodell. Anstatt Unternehmen zu disruptiven Hardware-Austauschzyklen zu zwingen, integriert sich der softwaredefinierte Stack direkt in das Scality-Betriebssystem, um Datenlebenszyklen autonom unter einer einzigen Plattform und einem einzigen Namespace zu verwalten. Die Infrastruktur verwaltet weltweit über 12 Exabyte an Produktionsdaten, unter anderem für zehn der 20 größten Telekommunikationsunternehmen und sieben der 15 größten globalen Banken. Einzelne Implementierungen skalieren auf Single-RING-Ausfalldomänen von 250 Petabyte nutzbarer Kapazität und umfassen mehr als sechs Billionen Objekte in 70 Ländern.
Das technische Fundament von Scality ADI basiert auf vier primären Säulen: Multiscale-Architektur, Cores, AI Connect und Guardian. Das System erzielt Mikrosekunden-Latenzzeiten auf Object Storage und befreit das Medium damit aus seiner historischen Rolle als reiner Cold-Storage. Durch proprietäre Protokolle und S3 über Remote Direct Memory Access (RDMA) ermöglicht die Plattform ein neues „Hot Tier“, das Daten direkt aus extremen GPU-Umgebungen in den Cold-Storage überträgt und so die GPU-Auslastung optimiert. Für Warm Tiers auf Festplatten (HDDs) garantiert das System wiederum einen Durchsatz von 2 Gigabyte pro Sekunde und Petabyte.
Ein zentraler Bestandteil dieser Infrastruktur ist der KI-Copilot „Guardian“. Über eine Verbindung per Model Context Protocol (MCP) nutzt Guardian ein internes, proprietäres LLM, um agentenbasierte Abläufe innerhalb des Software-Stacks zu steuern. Diese Struktur erlaubt es externen Agenten, sich direkt mit dem System zu verbinden, was autonome Wartung, schnelle Wiederherstellung und präzise Kontrollprüfungen ermöglicht. Um die Betriebssicherheit zu gewährleisten, arbeitet die Plattform mit strengen strukturellen Leitplanken (Guardrails) statt als kaum zu überwachende „Black Box“. Ein wesentlicher Aspekt ist das „Open Code“-Modell: Der Quellcode ist zwar nicht Open-Source, kann aber von Unternehmenskunden und Service-Providern eingesehen und mitentwickelt werden, was eine transparente und souveräne Vertrauensarchitektur schafft. Die Skalierungsflexibilität reicht von „Ateska“ – dem kleinsten Speicher-Footprint am Markt, der bis auf 1 Petabyte skalieren kann – bis hin zu Systemen im Exabyte-Bereich.
Während die unmittelbare KI-Nachfrage auf Echtzeit-Durchsatz abzielt, stellt die langfristige Aufbewahrung von Trainingsdaten und souveränen Workloads eine ganz eigene Herausforderung dar. Traditionelle Medien wie Bänder und Festplatten erfordern kontinuierliche, energieintensive Austauschzyklen. Für die letzte Stufe des Datenlebenszyklus ist Scality daher eine strategische Partnerschaft mit Biomemory eingegangen, einem Pionier für industrielle, DNA-basierte Datenspeichersysteme. Im Zuge der Vereinbarung ist Scality-CEO Jerome Lecat dem Board of Directors von Biomemory beigetreten, um die technischen Roadmaps beider Unternehmen aneinander auszurichten.
Biomemory wurde 2021 auf Basis jahrelanger Forschung an der Sorbonne University und den nationalen CNRS-Labors in Frankreich gegründet. Das Unternehmen hat seine Marktreife kürzlich durch die Übernahme von Vermögenswerten des DNA-Pioniers Catalog Technologies beschleunigt. Ziel der Partnerschaft ist es, DNA-Speicher als standardisierte, hochsichere Cold-Archive-Stufe in moderne Object-Storage-Umgebungen zu integrieren – speziell unter der Steuerungsebene von Scality ADI und dessen CORE5-Cyber-Resilienz-Framework.
Die DNA-Datenspeicherung befindet sich im Übergang von der Laborforschung zu einer industrialisierten IT-Lösung, die für „Keep forever, read rarely“-Szenarien optimiert ist. Das biologische Medium bietet eine extreme Dichte, sichere Immutabilität, eine Haltbarkeit von bis zu 150 Jahren, minimalen Wartungsaufwand und verbraucht im Ruhezustand keinerlei Energie. Diese Infrastrukturschicht richtet sich direkt an Nationalarchive, Genomdatenbanken, regulierte Finanz- oder Gesundheitsdaten sowie Verteidigungs-Workloads, bei denen Datenverlust schwerwiegende rechtliche oder gesellschaftliche Folgen hätte. DNA-Speicher ersetzt bestehende Flash- oder Festplattenstufen nicht, sondern bildet den logischen Abschluss eines verwalteten, mehrstufigen Spektrums, das einen energieeffizienten Pfad für Massen-Cold-Storage bietet.

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM.
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