Der Check Point Brand Phishing Report Q2 2026 zeigt, dass Kriminelle weiterhin stark auf die Imitation bekannter Tech-Konzerne wie Microsoft setzen. Neu ist die gezielte Nachahmung von KI-Diensten wie ChatGPT.

Ein aktueller Bericht von Check Point Research für das zweite Quartal 2026 belegt eine anhaltend hohe Konzentration von Phishing-Angriffen auf globale Technologie- und Social-Media-Konzerne. Während Microsoft mit deutlichem Abstand die am häufigsten imitierte Marke bleibt, verzeichnet die Analyse erstmals den Aufstieg von KI-Diensten wie ChatGPT in die Liste der am stärksten betroffenen Markennamen.

Starker Fokus auf etablierte Technologiemarken

Laut den Ergebnissen der Untersuchung entfielen im zweiten Quartal 2026 genau 23 Prozent aller registrierten Marken-Phishing-Versuche auf die Nachahmung von Microsoft-Diensten. Damit lag das Unternehmen im Beobachtungszeitraum annähernd doppelt so hoch wie der an zweiter Stelle platzierte Brand. Gemeinsam mit LinkedIn, Google, Apple und Amazon machen die fünf am häufigsten missbrauchten Marken mehr als die Hälfte aller weltweiten Angriffsversuche aus.

Die Angreifer konzentrieren sich somit gezielt auf Plattformen, die im täglichen Arbeits- und Privatleben breite Anwendung finden. Das zugrundeliegende Prinzip nutzt das Vertrauen der Endanwender in bekannte Dienstleister aus. Da Benachrichtigungen dieser Unternehmen zum normalen Arbeitsalltag gehören, sinkt die Aufmerksamkeit der Nutzer bei der Überprüfung von Absendern und Inhalten.

Unter den Branchen verzeichnete der Technologiesektor die höchsten Angriffszahlen, gefolgt von sozialen Netzwerken und dem Bankensektor. Diese Bereiche verwalten primär Identitäten, berufliche Netzwerke und Finanzdaten.

KI-Tools geraten zunehmend ins Visier

Eine Neuerung im Vergleich zu vorherigen Erhebungen ist das erstmalige Auftauchen von OpenAI ChatGPT unter den zehn am häufigsten imitierten Marken. Cyberkriminelle reagieren damit auf die steigende Verbreitung von KI-Werkzeugen im Unternehmens- und Privatumfeld.

Die verzeichneten Vorfälle umfassten unter anderem gefälschte Zahlungsaufforderungen für Abonnements. In einem dokumentierten Fall im Juni 2026 erhielten Nutzer gefälschte Benachrichtigungen über angebliche Fehlschläge bei der Abwicklung von Mitgliedschaftsgebühren. Die verlinkten Zielseiten dienten dem Abfangen von Kreditkartendaten.

Neben gefälschten KI-Diensten dokumentierte die Analyse weitere Angriffsformen im zweiten Quartal 2026:

  • Online-Handel: Nachbildung kompletter Webshops einschließlich Warenkorb- und Bezahlfunktionen.
  • Regionale Fälschungen: Webseiten für Märkte, in denen der betroffene Händler offiziell nicht tätig ist.
  • Software-Updates: Gefälschte Support-Seiten, die angebliche Sicherheitsaktualisierungen anbieten, beim Download jedoch ausführbare Schadsoftware bereitstellen.
  • Gefälschte Anmeldeseiten: Nachbildungen von Cloud-Diensten in verschiedenen Sprachen zur Abfrage von Zugangsdaten.

Typische Merkmale und technische Details

Trotz fortschreitender Optimierung der Angriffsmedien weisen viele Phishing-Versuche spezifische Abweichungen auf. Dringliche Formulierungen wie drohende Kontosperrungen oder ausstehende Zahlungen zählen weiterhin zu den primären Auslösern, um vorschnelles Handeln zu veranlassen.

Auf visueller Ebene zeigen sich gelegentlich fehlerhafte Details wie verzerrte Logoverläufe, inaktive Schaltflächen oder Verlinkungen zu sozialen Medien, die ohne Funktion bleiben. Zunehmend kommen bei der Erstellung gefälschter Grafiken und Webseiten auch generative KI-Werkzeuge zum Einsatz, was teils zu charakteristischen Bildfehlern führt. Zudem weichen die verwendeten Domain-Namen in den meisten Fällen leicht von den offiziellen Adressen der Markeninhaber ab.

Abwehrmaßnahmen und IT-Sicherheit

Der Schutz vor Marken-Phishing erfordert organisatorische und technische Schutzmaßnahmen. Experteneinschätzungen betonen die Bedeutung von E-Mail-Sicherheitslösungen, die Nachrichten bereits vor dem Erreichen des Posteingangs filtern. KI-gestützte Erkennungssysteme können Muster von Markenimitationen, Credentials-Harvesting und gefälschte Webseiten identifizieren.

Ergänzend setzen Sicherheitskonzepte auf das kontinuierliche Überprüfen des Internets nach kopierten Anmeldeseiten und Registrierungen ähnlich lautender Domains, um gefälschte Angebote frühzeitig entfernen zu lassen. Auf Anwenderebene bleiben das direkte Eingeben von Internetadressen im Browser, das Überprüfen von Ziel-Links sowie die Nutzung von Mehrfaktor-Authentifizierung grundlegende Sicherheitspraktiken.

Von Jakob Jung

Dr. Jakob Jung ist Chefredakteur Security Storage und Channel Germany. Er ist seit mehr als 20 Jahren im IT-Journalismus tätig. Zu seinen beruflichen Stationen gehören Computer Reseller News, Heise Resale, Informationweek, Techtarget (Storage und Datacenter) sowie ChannelBiz. Darüber hinaus ist er für zahlreiche IT-Publikationen freiberuflich tätig, darunter Computerwoche, Channelpartner, IT-Business, Storage-Insider und ZDnet. Seine Themenschwerpunkte sind Channel, Storage, Security, Datacenter, ERP und CRM. Kontakt – Contact via Mail: jakob.jung@security-storage-und-channel-germany.de

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